20 Jahre Euro – eine Erfolgsgeschichte?

Gastkommentar von Ralf-Wolfgang Lothert, Mitglied der Geschäftsleitung und Director Corporate Affairs & Communication von JTI Austria. 

Können Sie sich noch erinnern, welche die erste Ware oder die erste Dienstleistung war, die Sie 2002 in Euro bezahlt haben? 20 Jahre ist es nun her, dass in insgesamt zwölf Ländern der Euro die bisherige Landeswährung abgelöst hat, bis 2015 hat sich diese Zahl auf 19 Länder erhöht. 19 Länder, in die wir reisen können, ohne vorher einen Gedanken daran verschwenden zu müssen, in welcher Währung dort bezahlt wird und wie der Umrechnungskurs ist.

Dies ist einer der großen Vorteile, die jede und jeden persönlich betrifft, die vieles erleichtert und auch Vergleiche über vorherrschende Preisniveaus ohne großen Rechenaufwand ermöglicht. Aber natürlich sind auch die Staaten als solche betroffen, grundsätzlich hat die gemeinsame Währung sich positiv ausgewirkt, auch in Österreich und Deutschland. Betrachtet man etwa die Inflationsrate in Österreich in den vergangenen 20 Jahren, so lag diese jährlich im Schnitt bei ca. 2,3 Prozent, in den 20 Jahren davor waren es etwa 3,1 Prozent,.

Die Einführung des Euro hat dazu geführt, dass, vor allem in den südlichen Ländern Europas, für die Menschen dort Kredite schlagartig "billig" wurden. Hat man dort zum Teil 15 und mehr Prozent Zinsen gezahlt, wurde es aufgrund der gemeinsamen Währung oder auch indirekter Haftung günstig, privat Geld aufzunehmen. Dies hat Vorteile aber auch Nachteile gebracht. Denn nicht nur die Privaten kamen so günstig ans Geld, sondern auch die Staaten.

Die Auswirkungen bekommen alle zu spüren

Blicken wir etwa in den Süden der Währungsunion oder nach Frankreich, allesamt Länder, deren Verschuldungen teilweise weit über 100 Prozent, des BIP betragen, sieht die Sache nicht so positiv aus. Diese Verschuldung ist dramatisch, mit fatalen Folgen und einer Schwächung der gesamten EU, aber vor allem der Länder mit der gemeinsamen Währung. Die Auswirkungen bekommen alle zu spüren, aber vor allem Privatpersonen, Sparer und Pensionisten, die eben gerade keine Schulden gemacht haben. Die Inflation und die derzeit katastrophale Nullzinspolitik der EZB ist ein Treiber der Verarmung. Für wirtschaftlich schwache Länder ist es verlockend, sich aufgrund der günstigen Zinslage noch mehr zu verschulden, womit die Gefahr einer erneuten Euro-Krise real wird. Man kann den Eindruck gewinnen, dass das früher gelernte „Gib nur aus, was du dir leisten kannst" nicht mehr gilt bzw. dass der sogenannte Hausverstand ausgedient hat.

Speziell in der Situation von Österreich, Deutschland und den nördlichen Staaten wären hier sicherlich eigenen Währungen der Vorzug zu geben. Dies kann aber nicht die Lösung sein und wäre ein fataler Rückschritt. Für die Wirtschaft und die Einzelpersonen ergibt sich ein Vorteil einer gemeinsamen Währung aber nur dann, wenn sich die einzelnen Länder an die ursprünglich ausgegebenen Vorgaben der Maastricht-Obergrenzen halten: Finanzierungsdefizit nicht mehr als 3 Prozent, des BIP und Schuldenstand nicht mehr als 60 Prozent, des BIP. Davon sind wir leider teilweise recht weit entfernt und der Euro macht seinem Namen als "Teuro" alle Ehre. Es muss daher wieder in Richtung Schuldenpolitik im Sinne der Maastricht Kriterien gehen anstatt weiterer Lockerungen, wie sie aktuell vom Ratspräsidentschaftsvorsitzland Frankreich gefordert werden. Die EZB muss ihre Nullzinspolitik aufgeben – dann, und nur dann, hat der Euro Aussicht auf den Erfolg, in der er in seiner ursprünglichen Idee ersonnen war.

Staaten und Unternehmen haben, und diesen Vergleich habe ich in meinen vergangenen Gastkommentaren bereits mehrmals gezogen, einiges gemeinsam und es gibt einige Grundregeln, an die es sich zu halten gilt, will man erfolgreich sein. Auch hier kann ich auf die heuer 238-jährige Unternehmensgeschichte von JTI Austria verweisen, in der es auch immer wieder schwierige Zeiten gab und sich bewahrheitet hat: Am besten funktioniert eine gut ausgewogene Balance aus sich neu erfinden und seinen Prinzipien treu bleiben. Denn die Prinzipien hat man sich ja nicht zum Spaß ausgedacht und sie machen auch die DNA eines Unternehmens aus.

Natürlich dürfen wir die besonderen Umstände und Erfordernisse der Pandemie nicht ganz außen vorlassen, das ist klar. Aber eine grundsätzliche Orientierung sollten wir dennoch beibehalten bzw. darüber nachdenken, wo diese vernünftig umzusetzen wäre. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein erfolgreiches neues Jahr 2022, mit der Hoffnung, uns auch wieder persönlich mehr austauschen zu können und in eine neue "Normalität" zurückzufinden.

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