So hat Covid-19 die Wohnwünsche verändert

Homeoffice, Wohnungstausch und Einfamilienhaus stehen hoch im Kurs. 

Ganz klar manifestiert sich coronabedingt der Wunsch nach frischer Luft im eigenen Wohnbereich: 69 Prozent der Österreicher stimmen der Aussage, dass der eigene Balkon, die eigene Terrasse oder der eigene Garten an Stellenwert gewinnt, "voll und ganz" zu. 52 Prozent der Befragten meinen, dass Städter vermehrt auf das Land wollen und das Grüne suchen. Dies ergab eine aktuellen Studie von Remax und Market-Institut bei über 1.000 Österreichern.

Noch konkreter sehen dies jene 29 Prozent, die der Meinung sind, dass die Städter in die größer werdenden Speckgürtel wechseln wollen. Sie erwarten nämlich, dass auch nach der Pandemie die Arbeitsform Homeoffice in einem gewissen Umfang erhalten bleiben wird und dann die Fahrzeit zum Arbeitsplatz nicht mehr so stark ins Gewicht fallen wird, weil sie dann nicht mehr täglich anfällt.

Größere Wohnungen werden gefragt sein, weil Homeoffice mehr Platz und mehr Ruhe braucht. Absolute Zustimmung bei 24  Prozent. Aber bei diesem Punkt findet auch die genau gegenteilige Meinung beinahe dieselben Zustimmungswerte: Kleinere Wohnungen werden gefragt, insbesondere, weil durch Branchenprobleme und Kurzarbeit das Geld für manche knapper wird (23 Prozent).

Dass daher vermehrt Eigentumswohnungen auf den Markt kommen werden, sehen 19 Prozent der Befragten als fix, jedoch auch 6 Prozent überhaupt nicht. Mehr Angebot an Mietwohnungen erwarten sich auf alle Fälle 11 Prozent, weil Kurzzeitvermietung aufgrund der Reisebeschränkungen kein Geschäft mehr ist, jedoch lehnen diese Erwartung auch 9 Prozent strikt ab. Auch dass mehr Einfamilienhäuser auf den Markt kommen, weil die Eigentümer Kosten sparen müssen und in eine billigere Eigentumswohnung wechseln oder in eine Mietwohnung ist zwar für 13 Prozent eine fixe Sache, aber für 10 Prozent völlig unvorstellbar.

Den höchsten Grad an Ablehnung erfuhr die Idee aus früheren Zeiten, um die Finanzierbarkeit zu erleichtern, Untermieter in die Wohnung oder ins Haus zu nehmen. "So schlimm kann es anscheinend finanziell kaum sein, dass man mit Freude für Fremde sein Wohnreich öffnet", konstatiert Starmayr. "Übersehen darf man dabei aber nicht, dass jene, die es finanziell am dringendsten brauchen würden, von der Wohnsituation her platztechnisch wohl auch die wenigsten Möglichkeiten dazu haben", relativiert Nenning.

Hier wird gespart

Ein spannendes Thema ist natürlich, wo der Sparstift zuerst angesetzt wird, wenn die finanziellen Mittel knapp werden. Dabei klafft die Erwartung an die Anderen von dem, was man selbst zu tun bereit wäre, mitunter weit auseinander. Von anderen Personen erwarten die Befragten als Sofortreaktion bei Geldknappheit zu 76 Prozent, dass diese bei den täglichen Ausgaben einsparen und zu 61 Prozent zuerst Sparguthaben nutzen und gegebenenfalls aufbrauchen. Ebenso viele sehen weniger und billigere Urlaube als vorrangige Einsparmöglichkeit. 55 Prozent Zustimmung gab es für Stundungsansuchen bei den Banken für laufende Darlehen und Kredite, 54 Prozent für das Zurückhalten von größeren Investitionen, Umbauten oder das Verschieben eines Autokaufs, 53 Prozent für Einsparungen bei Versicherungen.

Mehr als ein Dach über dem Kopf

Die eigenen Sparguthaben anzugreifen, lehnen 46 Prozent der Befragten bei sich ab, bei anderen aber nur zu 12 Prozent. Kreditstundungen lehnen 76 Prozent für sich ab, bei anderen jedoch nur zu 16 Prozent. "Die hohe Ablehnung von Kreditstundungen bei sich selbst mag möglicherweise auch daher kommen, dass nicht jeder einen Kredit zu bedienen hat und daher diese Möglichkeit auch technisch gar nicht in Frage kommt", wirft Anton Nenning, Managing Director, RE/MAX Austria, ein.

Am größten ist der Widerstand gegen Eingriffe in die eigene persönliche Wohnsituation. 80 Prozent würden sich dagegen sträuben, den begonnenen eigenen Hausbau aus Geldmangel zu unterbrechen. 84 Prozent sagen "Sicher nein" zum Verkauf ihrer Immobilie aus akutem Geldmangel und sogar 87 Prozent lehnen es strikt ab, bei Geldknappheit ihre Eigentumswohnung zu verkaufen und selbst in Miete zu gehen.

"Wohnen ist bekanntlich mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Es ist ein Mix aus praktischen, emotionalen, sozialen und nicht nur wirtschaftlichen Komponenten. Daher ist das Beharrungsvermögen in die eigene, gewohnte und offensichtlich auch geliebte Wohnsituation ungleich höher als es mitunter wirtschaftlich sinnvoll erscheinen mag", ergänzt Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von RE/MAX Austria.

Verschönerung

16 Prozent tragen sich mit dem Gedanken, die eigene Wohnung oder das eigene Haus zu verschönern, zu erweitern, umzubauen. 12 Prozent haben vor, in den Gartenbereich zu investieren, sei es in Form einer Neugestaltung, die Anschaffung eines Pools oder einer Outdoor-Küche. "Beide Gruppen sind Eigennutzer, also Menschen, die sich ihre persönliche Wohnsituation am bestehenden Standort verbessern wollen", erklärt Reikersdorfer. 9 Prozent denken über den Kauf eines Grundstücks, einer Wohnung oder eines Hauses nach. "In dieser Gruppe finden sich jedoch sowohl Käufer, die die Immobilie dann selbst oder in der eigenen Familie nutzen wollen, aber auch Anleger und Investoren", so Reikersdorfer weiter. "Hier zeigt sich wieder, wie eminent wichtig und wertvoll den Österreichern ihre Wohnsituation ist und wie viel Vertrauen auch in Immobilien als Anlageform steckt", ergänzt Nenning.

Schnäppchenjäger sind unterwegs

Die dritte Gruppe, immerhin 23Prozent  groß, vermutet, dass COVID-19 nach Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit weitere wirtschaftliche Probleme und Notverkäufen bringt. Unter ihnen sind auch Schnäppchenjäger, die jetzt davon profitieren wollen. "Wir können Verkäufer nur warnen: Ohne eine professionelle Marktwert-Einschätzung klingen die treuherzigen Zusagen der Schnäppchenjäger vom "Superpreis, wenn Sie jetzt unterschreiben" sehr verlockend. Wer darauf unvorbereitet eingeht, schadet sich aber selbst", erläutert Nenning. (red)

www.remax.at

 

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