Millennials im digitalen "Age of Aquarius"

Junge Erwachsene wenden sich mit Unsicherheiten an die Sterne – Horoskop-Apps bekommen Milliarden-Finanzierungen.

Vergangenen Freitag haben wir Sie noch mit einem humorigen Business-Horoskop ins Wochenende geschickt (den Link zur LEADERSNET-Kolumne finden Sie hier), nun starten wir die Woche wieder mit astrologisch gewichteten Wirtschaftsnachrichten, und diesmal hat nicht nur alles Hand und Fuß, sondern auch Zahlen: Astrologie boomt wie nie und die Renaissance im digitalen Zeitalter hat der Kunst des Sterndeutens den Weg zum Millionen-Markt geebnet: Klimawandel, unsichere Job-Aussichten und Co. haben Astro-Apps zur neuen Cash-Cow erhoben.

Große Unsicherheiten bei jungen Erwachsenen

Wade Caves von der School of Traditional Astrology erklärt dem "Guardian", dass Menschen sich zwar nach wie vor mit den "Klassikern" unter den Fragen, allen voran der Liebe, an Astrologen wenden. Aber immer öfter kämen auch gesellschaftliche und politische Fragen. Job-Unsicherheiten, Wohnungsmarkt und Klimawandel seien Faktoren, wieso sich besonders junge Menschen wieder öfter Horoskopen zuwenden.  Aber auch die Abkehr von traditionellen Religionen wird als ein Grund für den aktuellen Astrologie-Boom gesehen.

Horoskop-Apps im Trend

Wie alle Bereiche des Lebens, haben sich auch Horoskope durch die Digitalisierung verändert. Sie werden nun nicht mehr manuell mithilfe von Tabellen und Berechnungen erstellt, sondern am Computer. Besonders populär wurden in den letzten Jahren Apps, die personalisierte Horoskope am Smartphone bieten.

Co-Star etwa wirbt damit, die erste Astrologie-App zu sein, die auf Künstlicher Intelligenz basiert. Für die täglichen "hyper-personalisierten" Horoskope greife man auf Daten der Weltraumorganisation Nasa zurück, so die Entwickler. Damit könne man Prognosen in Echtzeit erstellen, basierend auf der aktuellen Position von Sternen und Planeten.

Auch die App Sanctuary gehört zu den Profiteuren des Astrologie-Booms. Wie auch bei Co-Star werden personalisierte Horoskope geboten. Während sich die Horoskope in Zeitungen und Magazinen nur allgemein auf Sternzeichen beziehen, können Nutzer hier ihr Geburtsdatum eingeben und erhalten persönliche Angaben. Zudem stehen Astrologen für Live- und On-demand-Sessions zur Verfügung.

Millionen-Markt und Kapitalspritzen für "Uber der Astrologie" & Co

Wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Himmelskörper und deren von der Erde aus gesehene Konstellation einen Einfluss auf Menschen hat, gibt es nicht. Die Millionen, die Venture-Kapitalisten in Astrologie-Start-ups stecken, sind allerdings real und zeugen von einem boomenden Markt. Laut Ibisworld generierte der Markt für spirituelle Beratung alleine in den USA im vergangenen Jahr zwei Milliarden US-Dollar, Tendenz steigend.

Im April erhielt Co-Star eine Finanzierung von fünf Millionen US-Dollar, um eine Android-Version entwickeln zu können. Seit 2017 wurde die Anwendung über drei Millionen Mal heruntergeladen. Sanctuary wurde von der New York Times als das "Uber der Astrologie" bezeichnet. Séance, eine weitere, neue Astrologie-App, gab erst vor wenigen Tagen bekannt, 1 Million US-Dollar an Kapital erhalten zu haben.

Nicht alle Astrologen stehen dem Trend der Horoskop-Apps positiv gegenüber. Ein Horoskop zu erstellen verliere damit an Intimität und Persönlichkeit, kritisieren viele. Dass Kunden ausbleiben könnten, weil es bequemer ist eine Smartphone-App herunterzuladen als persönlich zu einem Astrologen zu gehen, dürfte zweifellos auch eine Rolle spielen.

www.costarastrology.com

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