"Shades Of Grey": Qualitätsgrauzone Erwachsenenspielzeug

Nach teils frappanten Mängeln wird nun ein allgemeines Qualitätsmaß für Intim-Tools eingeführt.

Sexspielzeug ist beliebt, dementsprechend groß und vielfältig ist die Auswahl an Helferlein für den handgemachten Höhepunkt. Leider sind die Inhaltsstoffe und Qualitätsstandards einer mindestens ebenso enormen Vielfalt unterworfen wie die intimen Vorlieben ihrer Anwender. Die wenigsten Tools zur Befriedung sexueller Bedürfnisse erreichen im Test auf Zusammensetzung und enthaltene Schadstoffe auch tatsächlich ein wahrhaft befriedigendes Urteil. 

In einer kürzlich durchgeführten Stichprobe des Vereins für Konsumenteninformation wurden in vier von 16 Produkten sogar potenziell krebserregende Stoffe gefunden (LEADERSNET berichtete). Ein neues Standardisierungsprojekt aus Schweden zur erhöhten Qualität und Sicherheit von Sexspielzeug soll nun zur Erhöhung der Sicherheit für Anwender mit Mängeln aufräumen.

Grauzone Sexspielzeug

Gemäß einer neu publizierten Studie hat sich die Anzahl der Unfälle bei der Verwendung von Sexspielzeug erhöht. Bessere Sicherheitsanforderungen an Produkte sowie klare Konsumenteninformationen können dies leicht unterbinden, berichtet Anna Sjögren, Projektleiterin bei SIS, Swedish Standards Institute.

Das neue Normungsgremium arbeitet an einem Vorschlag für einen globalen Standard, der an die Internationale Normungsorganisation ISO gesendet wird. Man hofft auf die Beteiligung weiterer Länder. Der Standard soll sowohl Verbrauchern, Herstellern, Wiederverkäufern als auch Einkaufsverantwortlichen zugutekommen.

Sex Toys bewegt sich in Sachen Qualitätsstandards bislang in einer Grauzone. Derzeit gibt es keinerlei Standards, die das Design oder die qualitative Sicherheit für diese Produktgruppe festlegen – weder national noch international. Wenn das Produkt batteriebetrieben ist, so fällt dieser Bestandteil unter die EU-Niederspannungsrichtlinie. Das sagt jedoch wenig über die Konstruktion bzw. über die festgelegte Risikoanalyse seitens des Herstellers während der Konzeptionsphase aus. Ebenso wenig ist damit das Anspruchsniveau an die Konsumenteninformation definiert.

Kein etablierter Qualitätsprozess vorhanden

Es gibt allgemeine Anforderungen an die chemischen Inhaltsstoffe von Produkten, die auch für das meiste Sexspielzeug zufriedenstellend und unter Aufsicht der Chemikalieninspektionsstelle eingehalten werden. Jedoch wird das auf den Markt kommende Sexspielzeug generell nicht zu den medizintechnischen Produkten gezählt, weshalb es nicht unter den für medizintechnische Produkte geltenden etablierten Qualitätsprozess fällt.

Zurzeit behelfen sich Hersteller mit individuellen Testmethoden und Anforderungen aus Standards, die ähnliche Sicherheitserwägungen oder Materialien umfassen. Diese Vorgehensweise kann für einige funktionieren, verlangt den Herstellern jedoch einiges ab, und unseriöse Akteure haben leichtes Spiel, da Wiederverkäufer und Verbraucher schwer einschätzen können, was sie vernünftigerweise nachfragen sollen, erklärt Anna Sjögren.

Der SIS Normungsausschuss SIS/TK 612 Qualitätssicherung von Sexspielzeug sucht laufend nach neuen Unterstützern zur Entwicklung neuer Standards. Mehr Informationen finden Sie hier. (rb)

www.sis.se

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