"Wir sind weiterhin klar die Nummer 1 unter den Premiumherstellern"

Vienna Autoshow 2019: BMW Austria-Chef Christian Morawa über die Zusammenarbeit mit Daimler, Konkurrenz aus den eigenen Reihen und die besondere Beziehung des bayrischen Autobauers zu Österreich.

Die BMW Group spielt für den Wirtschaftsstandort Österreich seit 40 Jahren eine besondere Rolle. Das Unternehmen beschäftigt hierzulande über 5.200 Mitarbeiter. LEADERSNET hat anlässlich der Vienna Autoshow, die am 10. Jänner wieder ihre Pforten öffnet, ein Gespräch mit BMW Austria-Geschäftsführer Christian Morawa geführt und sich mit ihm über die Neuheiten, die der bayrische Autbauer auf der Autoshow präsentieren wird, die Elektromobilität, "junge, wilde" Mitbewerber und die Kooperation im Mobilitätsbereich mit dem Konkurrenten Daimler.

LEADERSNET: Herr Morawa, etwas über ein Jahr halten Sie nun die Zügel bei BMW Austria in den Händen. Bei unserem ersten Interview kurz nach Ihrem Antritt der neuen Position war es für ein Resümee noch zu früh, dürfen wir nun erneut fragen? Wie haben Sie Ihr erstes Jahr an der Spitze von BMW erlebt?

Morawa: 2018 war für die gesamte Branche herausfordernd – entsprechend spannend habe ich das Jahr empfunden. Ich freue mich natürlich, dass die BMW Group in Österreich trotz des volatilen Marktumfelds eine herausragende Leistung abgeliefert hat. Im Gegensatz zum Trend für Premiumautomobile haben wir 2018 unseren Absatz konstant gehalten. Damit sind wir weiterhin klar die Nummer 1 unter den Premiumherstellern. Wesentlich für diesen Erfolg war mit Sicherheit auch unsere attraktive Modellpalette bei BMW, Mini und BMW Motorrad. Absatz-Champions waren dabei der BMW X1, der BMW X3 und der BMW 5er – der übrigens in Graz für den Weltmarkt produziert wird. Zudem haben wir 2018 viele richtige Entscheidungen getroffen. Die Umstellung auf den neuen europäischen Testzyklus WLTP haben wir frühzeitig in unsere Vertriebsplanung integriert. Daher hielt sich die Angebotsunterbrechung im Rahmen und wir haben davon profitieren, dass unsere Modelle früh die neue Abgasnorm Euro 6d-TEMP erfüllt haben. Schließlich verdanken wir die gute Performance aber auch unseren Handelspartnern, die 2018 konsequent in ihre eigene Zukunftsfähigkeit investiert haben.

LEADERSNET: BMW hat einen besonderen Bezug zu Österreich. Mehr als die Hälfte der Motoren werden hier gefertigt, obwohl dem Trend der Globalisierung folgend viele Hersteller ihre Produktionen in den asiatischen Raum verlagern. Wie wichtig ist BMW die Fertigung im deutschsprachigen Raum und wird es dabei bleiben?

Morawa: Grundsätzlich bestimmen aktuell zwei Unsicherheiten den Markt und damit auch die Produktion. Das ist zum einen die Volumenentwicklung in der E-Mobilität. Da wir weder schlecht ausgelastete Werke möchten, noch einen möglichen Boom von Elektrofahrzeugen verpassen wollen, brauchen wir vor allem Flexibilität. Gleichzeitig wird global auch der Markt für Verbrennungsmotoren weiter wachsen. Auch hier müssen wir uns auf verschiedenste Szenarien einstellen, um schnell reagieren zu können. Hinzu kommen Entwicklungen wie der Brexit. Bei all dem hilft, dass wir bereits heute ein Produktionssystem haben, das dem Markt und der Wertschöpfungsverteilung folgt. Wir haben weltweit 31 Produktionsstätten. Innerhalb dieser Standorte sind wir in der Lage, Volumen binnen relativ kurzer Zeit zu verlagern und flexibel auf Änderungen des Marktes zu reagieren. So steigen wir auch in Steyr in die Elektromobilität ein und fertigen ab 2019 Gehäuse für Elektroantriebe. Bis 2021 wird die neue Linie auf volle Kapazität und damit auf 460.000 Einheiten hochlaufen. Daneben erhöhen wir auch unsere Flexibilität in der Produktion von Verbrennungsmotoren und bauen zum Beispiel ein zusätzliches Montageband für 4- und 6-Zylinder Benzinmotoren auf. Mit diesen umfassenden Investments stärken wir auch in Zukunft den Wirtschaftsstandort Österreich massiv.

LEADERSNET: Mit der Vienna Autoshow im Jänner startet man auf einer der wichtigsten und am besten besuchten Fachmessen des Landes ins neue Jahr. Welche Bedeutung messen Sie der Vienna Autoshow für BMW in Österreich zu?

Morawa: Die Vienna Auto Show ist für die BMW Group mit unseren Marken BMW, Mini und BMW Motorrad ein wichtiger Jahresauftakt. Wir nutzen hier die Möglichkeit, den Österreicherinnen und Österreichern einen umfassenden Einblick in die Welt unserer Marken zu geben und unsere Innovationen zu zeigen. Das bietet uns auch heuer die Chance, mit viel Rückenwind ins neue Jahr zu starten.

LEADERSNET: Was können sich die Gäste der Vienna Autoshow 2019 vom Messeauftritt von BMW erwarten? Findet man die Marke auch im neuen E-Mobility-Bereich?

Morawa: Auch 2019 geht unsere Modelloffensive ungebrochen weiter. In Wien werden die Besucher die brandneue BMW 3er Limousine das erste Mal live erleben können. Daneben wird vor allem im Segment neuer Luxus-Automobile auf unserem Messestand Bemerkenswertes zu sehen sein. Zum Beispiel der erste BMW X7, der Ende März auf den Markt kommt – auf ihn freu ich mich besonders. Er verbindet in einzigartiger Weise die Präsenz, die Exklusivität und den Raumkomfort der Luxusklasse mit der Dynamik und Vielseitigkeit eines Sports Activity Vehicle. Insgesamt zeigen wir über 20 innovative Modelle. Neben zahlreichen elektrifizierten Fahrzeugen, wie dem neuen BMW i3 mit bis zu 260 Kilometern Reichweite und dem Plug-in Hybrid BMW 530e iPerformance, präsentieren wir unter anderem auch den neuen BMW 8er und den neuen BMW X5.

LEADERSNET: Welche Neuerungen werden Sie im Rahmen der Vienna Autoshow 2019 präsentieren, und worauf sind Sie persönlich besonders stolz?

Morawa: Besonders stolz können wir als BMW Group in Österreich sicherlich auf den neuen BMW Z4 sein. Er ist ein unglaublich spannender Roadster und gehört sicher zu den wichtigsten österreichischen Autos. Gebaut wird er nämlich in Graz für den gesamten Weltmarkt und seine innovativen Motoren stammen aus unserem Motorenwerk in Steyr. Der BMW Z4 bringt außergewöhnliche Sportlichkeit in sein Segment: Er hat die Performance eines Sportwagens, ein hochpräzises Lenkverhalten und bietet aufgrund des kürzeren Radstands im Vergleich zum Vorgänger noch mehr Agilität. Damit ist der neue BMW Z4 ganz klar das nächste Ausrufezeichen unter den in Österreich produzierten Premiumautomobilen. Und bei MINI werden wir auf der Vienna Autoshow zum ersten Mal in Österreich das Mini Electric Concept zeigen. Es gibt einen Ausblick auf das erste rein elektrische Serienmodell der britischen Kultmarke, das noch 2019 Weltpremiere feiern wird.

LEADERSNET: Stichwort E-Mobility: 2018 war auch hier ein spannendes Jahr für die BMW Group. Man hat den Trends der Zeit gemäß in diesem Bereich aufgerüstet und war in Europa laut eigenen Angaben "tonangebend" was die Verkaufszahlen elektrisch betriebener Fahrzeuge betrifft. Woran liegt es, denken Sie, dass die BMW Group mehr E-Fahrzeuge in Europa verkauft als die Konkurrenz?

Morawa: Das ist korrekt. In Europa hatten wir per November mit 17 Prozent den größten Anteil an den Neuzulassungen in diesem Bereich. Weltweit haben wir 2018 rund 140.000 elektrifizierte Fahrzeuge abgesetzt. Ein Grund ist sicherlich, dass wir bereits heute neun verschiedene elektrifizierte Modelle im Angebot haben – damit bieten wir unseren Kunden eine einzigartig große Auswahl. Vom rein elektrischen BMW i3 bis zum Mini Cooper Countryman SE All 4 ist dabei für viele das richtige Konzept dabei. Auch hier in Österreich sind unsere elektrifizierten Modelle sehr beliebt. So war zum Beispiel fast jeder dritte verkaufte BMW X5 ein Plug-in-Hybrid. Schlussendlich bringen wir beim Thema E-Mobilität auch viel Erfahrung mit. Bereits 2013 haben wir den elektrischen BMW i3 auf den Markt gebracht und 2014 folgte mit dem BMW i8 unser erster Plug-in-Hybrid-Sportwagen. Diese Erfahrung macht sich bezahlt.

LEADERSNET: Wie geht es hier weiter und wie wichtig ist BMW die Elektrifizierung der Flotte im Vergleich zu anderen Projekten, ist das neuer Hauptfokus? Wie wird gewichtet?

Morawa: Bis Ende 2019 wollen wir weltweit mehr als eine halbe Million elektrifizierte Fahrzeuge auf die Straße gebracht haben. Und bis 2025 erwarten wir, dass die elektrifizierte Automobile zwischen 15 und 25 Prozent unseres weltweiten Absatzes ausmachen. Dementsprechend wird die BMW Group die Anzahl von elektrifizierten Modellen bei allen Marken und Modellreihen weiter erhöhen. Dabei ist uns jedoch bewusst, dass die anspruchsvollen Ziele der Politik – wie zum Beispiel die die CO2-Reduktion – und die Bedürfnisse der Kunden nur durch einen intelligenten Antriebsmix erfüllt werden können. Auch künftig werden wir hocheffiziente Verbrennungsmotoren anbieten, die mit 48-Volt-Rekuperationssystemen und maximaler Emissionsabsenkung auch weiterhin Maßstäbe setzen – das gilt ausdrücklich auch für den Dieselantrieb. Aber wir werden unseren Kunden noch mehr als das persönliche Fahrzeug anbieten und wollen mit unseren Angeboten und Services auch künftig der führenden Anbieter von individueller Premiummobilität sein.

LEADERSNET: In Sachen E-Mobility wird aktuell an allen Fronten der Branche stark aufgestockt, hier scheint ein starker Druck vom Mitbewerb auszugehen. Nordamerikas BMW Chef Bernhard Kuhnt soll gesagt haben, dass besonders Tesla mit seinem günstigeren Model 3 Druck aufbaue. Wie bewerten Sie persönlich die Konkurrenz und wie geht BMW mit damit um?

Morawa: Wir haben bei der Elektrifizierung einen klaren Führungsanspruch und bieten unseren Kunden mit aktuell neun elektrifizierten Modellen ein extrem breites Angebot. Und bis 2025 werden es 25 sein – davon zwölf vollelektrisch. Wir haben uns viel vorgenommen. Mit der Produktion des ersten vollelektrischen Mini werden wir 2019 beginnen. Im Jahr 2020 folgt dann der elektrische BMW X3. Ab 2021 beginnt die Produktion des BMW i4 und wir starten mit der Fertigung unseres Technologie-Flaggschiffs, dem rein elektrischen BMW iNEXT. Sie sehen, wir haben bei der Elektromobilität einen sportlichen Plan.

LEADERSNET: Auch aus den eigenen Reihen erwächst Konkurrenz: die von Ex-BMW Managern gegründete Jungmarke Byton sorgte vergangenes Jahr für Aufruhr, als sie ihr neues E-Mobility-Konzept, eine Art Hybrid aus Smartphone und Elektroauto, vorstellte. Was halten Sie von diesem neuen "jungen, wilden" Mitbewerbern?

Morawa: Konkurrenz belebt das Geschäft. Viele dieser neuen Wettbewerber werden künftig auch aus anderen Branchen kommen und neue Impulse setzen. Dennoch setzen wir mit unseren Produkten weiterhin Maßstäbe, mit unserem Produktions-Knowhow können wir uns flexibel auf sich ändernde Umstände einstellen und mit unseren Services rund um die individuelle Mobilität bietet wir unseren Kunden schon heute das passende Angebot von der Parkplatzsuche bis hin zu Carsharing. Klar ist aber auch, dass wir künftig neue Allianzen eingehen müssen. Sowohl mit arrivierten Unternehmen wie der Daimler AG, mit der wir gerade unsere Mobilitätangebot fusioniert haben, als auch mit neuen Playern im Automobilbereich, wie zum Beispiel dem chinesischen Internetgiganten Baidu, mit dem wir beim Thema automatisiertes Fahren zusammenarbeiten werden.

LEADERSNET: Herr Morawa, BMW zeigt sich sehr zukunftsorientiert. Schon in einem Video von 2017 gab man unter dem Titel "Eine neue Ära beginnt" einen Ausblick auf die nächsten 100 Jahre der neuen, autonomen und vernetzten Mobilität bei BMW. Autonomes Fahren und smarte Bedienung ohne Lenkrad sind hier Alltag. Wie viel von diesem Ausblick liegt schon in greifbarer Nähe, wie viel ist ferne Zukunftsmusik?

Morawa: Vieles davon ist schon technisch möglich, bei uns aber gesetzlich noch nicht erlaubt. Nehmen Sie den neuen BMW X5 als Beispiel. Er kann schon ganz von alleine die Spur wechseln oder eigenständig einen Nothalt durchführen. In den USA sind diese Funktionen auch schon im Einsatz, in Österreich aufgrund der Gesetzgebung noch nicht. Den nächsten Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren haben wir außerdem gerade mit unserem neuen Rückfahrassistent gemacht. Mit diesem System können Sie den neuen BMW X5 oder auch die neue BMW 3er Limousine völlig sorgenfrei in eine enge und unübersichtliche Umgebung manövrieren. Der Rückfahrassistent speichert die letzten 50 Meter der gefahrenen Wegstrecke und lenkt das Fahrzeug beim Zurücksetzen exakt auf dem identischen Kurs wieder heraus. Und was die Bedienung angeht, so setzen wir mit unserem neuen intelligenten persönlichen Assistenten, der mit der BMW 3er Limousine im März in Österreich auf den Markt kommt, neue Maßstäbe. Damit bringen wir einen intelligenten, digitalen Assistenten ins Auto, mit dem man völlig unkompliziert kommunizieren kann. Und über regelmäßige Updates, die nahtlos über Remote Software Upgrade auf dem Smartphone und im Fahrzeug durchgeführt werden können, kommen immer neue Funktionen und Fähigkeiten des Assistenten hinzu.

LEADERSNET: Abgesehen vom eben angesprochenen Zukunftsblick des Konzerns, wie sehen Sie die Entwicklung von BMW? Wo stecken Sie sich Ihre Ziele als Chef von BMW Austria?

Morawa: Wir sind aktuell klar die Nummer 1 im Premiumsegment in Österreich. Und das wollen wir auch bleiben. Nicht nur aufgrund unserer herausragende Fahrzeuge, sondern auch, weil wir unseren Kunden gemeinsam mit unseren Handelspartnern den bestmöglichen Service ermöglichen. Auch da ist das Zauberwort Flexibilität. Nicht umsonst bieten wir mit BMW PRIME als erster Premiumhersteller in unserem Land eine digitale Flatrate für den Fahrzeugservice an, die monatlich kündbar ist und je nach Bedarf verschiedenen Leistungen vom Wechsel der Scheibenwischer bis hin zur Reparatur von klassischen Kleinschäden umfasst. Persönlich stellt sich mir zudem die Frage, wann sich die Elektromobilität in Österreich durchsetzt. Derzeit beträgt bei uns der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Gesamtmarkt rund 4,5 Prozent. Bei der Marke BMW liegt dieser Anteil mit fast acht Prozent aktuell deutlich darüber. Und auch an diesem Thema werden wir mit voller Kraft dran bleiben.

www.bmwgroup.at

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www.viennaautoshow.at

Christian Morawa

Mit 1. Dezember 2017 hat Christian Morawa die Geschäftsführung der BMW Austria GmbH in Salzburg übernommen. Morawa ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur und studierte Wirtschaft. Er war in den letzten 20 Jahren in unterschiedlichen Bereichen und Führungsfunktionen im Automobilbereich tätig.

Vor seinem Wechsel zu BMW war er Managing Director für Österreich und die Schweiz bei der Auto1 Group, die eines der schnellst wachsenden Portale im Online Gebrauchtwagenmarkt betreibt. Umfangreiches Wissen konnte er bei Ford, Chrysler und Toyota sammeln, bevor er die Position des COO bei Arval Austria übernahm und hier zwei Jahre später zum Commercial Director und Mitglied der Geschäftsleitung ernannt wurde.

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