Studie von EY
CEOs wollen trotz Konjunktursorgen Umsätze und Margen steigern

| Tobias Seifried 
| 03.02.2026

Obwohl der globale Konjunkturoptimismus von Konzernchef:innen abnimmt, stecken viele Unternehmen den Kopf nicht in den Sand. KI gilt als zentraler Wettbewerbsfaktor, Investitionsstrategien werden angesichts geopolitischer Risiken zunehmend angepasst. 

Kurz nachdem PwC seine jüngsten Ergebnisse zu den Wachstumserwartungen heimischer Unternehmenslenker:innen veröffentlicht hat (LEADERSNET berichtete), zieht nun EY nach. Laut der am Dienstag (3. Februar) veröffentlichten Umfrage "CEO Outlook Survey Jänner 2026" sinkt der Anteil der Konzernchef:innen, die optimistische Konjunkturprognosen abgeben, von 84 Prozent vor vier Monaten auf derzeit 68 Prozent. Nur noch 24 Prozent gehen laut des Strategie- und Beratungsunternehmens weltweit von einer positiven konjunkturellen Entwicklung aus, verglichen mit 35 Prozent im September des Vorjahres.

Trotz dieser gedämpften Stimmung bleibt die Mehrheit der CEOs davon überzeugt, dass ihr Unternehmen 2026 Umsätze und Margen steigern könne. 38 Prozent sind eigenen Angaben zufolge sehr optimistisch hinsichtlich eines Umsatzplus, weitere 54 Prozent zeigen sich eher optimistisch. Auch die Erwartungen an die Profitabilität sind überwiegend positiv. Die Ergebnisse basieren auf einer weltweiten Befragung von 1.200 CEOs aus verschiedenen Branchen, durchgeführt zwischen Dezember 2025 und Jänner 2026.

Künstliche Intelligenz: zentraler Wettbewerbsfaktor

Ein wesentlicher Grund für die anhaltende Zuversicht vieler CEOs liegt in den Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI), die in vielen Unternehmen schon spürbare Effekte zeigen. KI gilt in der aktuellen Umfrage als wichtigster Faktor zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit im Jahr 2026 – noch vor strengerem Kostenmanagement, regionaler Produktion oder Kooperationen.

Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, beobachtet, dass viele Führungskräfte darauf setzten, "dass der umfassende Einsatz von KI einerseits erhebliche Kostenvorteile bringt und andererseits die Geschwindigkeit beispielsweise in der Produktentwicklung deutlich erhöht". Er betont zugleich, der Erfolg hänge nicht allein von der Technologie ab, sondern "von der Fähigkeit der Organisation, KI sinnvoll zu skalieren: mit den richtigen Kompetenzen, klaren Verantwortlichkeiten und einer Belegschaft, die den Wandel mitträgt".

Laut Studie berichten 20 Prozent der befragten CEOs, der bisherige KI-Einsatz habe die Erwartungen deutlich übertroffen, 58 Prozent sehen eine leichte Übererfüllung der Erwartungen. Lediglich drei Prozent berichten von negativen Erfahrungen.

Anpassungen in Investitionsstrategien

Angesichts geopolitischer Unsicherheiten reagieren viele Unternehmen mit veränderten Investitionsplanungen: 83 Prozent der Befragten geben an, ihre Investitionsplanung aufgrund politischer oder wirtschaftlicher Risiken angepasst zu haben. Während 31 Prozent mindestens eine geplante Investition gestoppt haben, beschleunigten 40 Prozent Projekte. 22 Prozent haben erstmals in einen neuen Markt investiert, 17 Prozent einen geografischen Markt verlassen.

Reimoser unterstreicht, Investitionsentscheidungen würden heute stark von der Frage der Widerstandsfähigkeit geprägt. Trotz erheblichen Handlungsdrucks müssten Unternehmen mit Blick auf geopolitische Risiken und volatile Märkte umsichtig agieren.

Regionale Unterschiede und M&A-Aktivitäten

Aus der Umfrage geht hervor, dass sich Reaktionen regional unterscheiden: Asiatische Unternehmen beschleunigen Investitionen besonders stark – in China geben 60 Prozent an, geplante Projekte nochmals vorgezogen zu haben, in Südkorea und Japan sind es 48 bzw. 46 Prozent. Westliche Unternehmen, etwa aus Deutschland (28 %) oder Frankreich (22 %), zeigen sich zurückhaltender. Französische Unternehmen brechen zudem vergleichsweise häufig Projekte ab.

Auch die Bereitschaft zu Fusionen und Übernahmen nimmt wieder zu. Weltweit planen 53 Prozent der Konzerne entsprechende M&A-Transaktionen, verglichen mit 48 Prozent vor vier Monaten. Eva-Maria Berchtold, Leiterin EY-Parthenon Österreich, erläutert, der Appetit auf M&A wachse, der Markt bleibe jedoch selektiv und Herausforderungen wie geopolitische Unsicherheiten und regulatorische Komplexität führten zu Verzögerungen oder Abbrüchen.

Nordamerika bleibt bevorzugtes Investitionsziel

Nach wie vor gilt Nordamerika als wichtigstes Investitionsziel: 34 Prozent der CEOs wollen innerhalb der nächsten zwölf Monate in den USA investieren. Es folgen Kanada und Deutschland mit jeweils 18 Prozent, gefolgt von Großbritannien (17 %) und Indien (12 %).

www.ey.com

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