Fast jeder Zweite offen für Jobwechsel
Was Jobwechsler trotz besserer Bezahlung von neuen Arbeitgebern abschreckt

| Tobias Seifried 
| 03.02.2026

Laut Wechselwilligkeitsstudie 2026 sind heuer mehr Beschäftigte in Österreich offen, ihren Job zu wechseln als im Vorjahr. Hauptgrund bleibt ein zu niedriges Gehalt, zentrale Bindungsfaktoren gewinnen an Bedeutung und KI wird kaum als Bedrohung wahrgenommen.

Trotz wirtschaftlicher Stagnation ist der Wunsch nach beruflicher Veränderung in Österreich 2026 gestiegen. Laut den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen der aktuellen Wechselwilligkeitsstudie von Xing (siehe Infobox 1) sind 48 Prozent der unselbstständig Beschäftigten offen für einen Jobwechsel – vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Acht Prozent planen demnach konkret, den Arbeitgeber zu wechseln, weitere 40 Prozent ziehen dies zumindest in Erwägung. Ebenso viele Beschäftigte geben an, langfristig bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben zu wollen.

Hauptmotiv für Wechselgedanken ist demnach weiterhin ein zu niedriges Gehalt, das 43 Prozent der Befragten nennen. Es folgen ein hohes Stresslevel (33 Prozent), Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft (31 Prozent) sowie der Wunsch nach Abwechslung. Demgegenüber stehen laut Umfrage klare Bindungsfaktoren: 60 Prozent nennen den kollegialen Zusammenhalt als wichtigsten Grund, im aktuellen Job zu bleiben, gefolgt von Jobsicherheit (55 Prozent) und den Arbeitsaufgaben (49 Prozent). Rund 30 Prozent können sich vorstellen, bis zum Ruhestand beim derzeitigen Arbeitgeber zu bleiben.

Jüngere besonders wechselbereit

Deutliche Unterschiede zeigten sich zwischen den Altersgruppen, so die Studienautor:innen. Bei den 18- bis 29-Jährigen planen oder erwägen demnach 61 Prozent einen Jobwechsel. In der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen sind es 50 Prozent, bei den über 50-Jährigen 38 Prozent. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede werden der Studie zufolge sichtbar: 51 Prozent der Männer sind wechselbereit, bei den Frauen liegt der Anteil bei 45 Prozent.

Trotz dieser Mobilität blicken viele Beschäftigte zuversichtlich auf ihre berufliche Zukunft. 61 Prozent der Befragten gehen davon aus, innerhalb der nächsten sechs Monate einen neuen Job finden zu können, 83 Prozent haben geringe oder keine Sorge vor einer Kündigung im Jahr 2026.

Im internationalen Vergleich zeige sich Österreich dynamischer als Deutschland. Xing Arbeitsmarktexperte Julian Stahl verweist darauf, "dass die Wechselwilligkeit in Österreich trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten wieder steigt". Der Vergleich zeige, dass hierzulande mehr Menschen einen Jobwechsel in Betracht ziehen. Für Unternehmen ergäben sich dadurch gute Chancen, offene Positionen zu besetzen.

Zufriedenheit trotz Wechselgedanken, KI keine Bedrohung

Der Wunsch nach Veränderung sei nicht mit genereller Unzufriedenheit gleichzusetzen. 83 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrer aktuellen Arbeit sehr oder eher zufrieden, 63 Prozent würden ihren Job jungen Menschen im eigenen Umfeld weiterempfehlen. Gleichzeitig berichten 56 Prozent, sich zumindest einmal im Monat demotiviert zu fühlen oder keine Lust auf Arbeit zu haben. Wechselgedanken entstehen somit weniger aus der Tätigkeit selbst als aus den Rahmenbedingungen.

Überraschenderweise beeinflusst das Thema Künstliche Intelligenz die Wechselwilligkeit bislang offenbar nur gering. 55 Prozent sehen laut eigenen Angaben keine Gefahr für den eigenen Arbeitsplatz. Lediglich fünf Prozent haben aufgrund von KI konkret über einen Berufs- oder Branchenwechsel nachgedacht. Weitere 17 Prozent beschäftigen sich gelegentlich mit dem Thema, 20 Prozent bisher gar nicht.

Erwartungen an neue Arbeitgeber:innen

Von potenziellen neuen Arbeitgeber:innen wünschen sich Beschäftigte vor allem ein höheres Gehalt (70 Prozent), einen langfristig sicheren Job (62 Prozent) und flexible Arbeitszeiten (55 Prozent). Auch ein gut erreichbarer Standort (54 Prozent) sowie gutes Führungsverhalten (52 Prozent) sind zentrale Kriterien.

Es gibt aber auch Gründe, die trotz besserer Bezahlung abschrecken. Denn wie aus der Studie hervorgeht, reicht mehr Geld allein nicht aus: 47 Prozent würden sich trotz besserer Bezahlung nicht bewerben, wenn der Standort ungünstig ist. Schlechte Führungskultur (43 Prozent) und befristete Verträge (37 Prozent) wirken ebenfalls abschreckend.

Fazit des Experten

Julian Stahl betont, der österreichische Arbeitsmarkt sei weiterhin in Bewegung. Beschäftigte blieben grundsätzlich zufrieden, prüften jedoch sehr bewusst ihre Optionen. Unternehmen, die faire Bezahlung, gute Führung und verlässliche Rahmenbedingungen bieten, könnten Talente derzeit nicht nur gewinnen, sondern auch langfristig halten.

www.xing.com

Über die Studie

forsa-Online-Umfrage im Dezember 2025 sowie im Januar 2026 unter 1.006 volljährigen, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Arbeitende und Angestellte) in Österreich im Auftrag von Xing.

Die Wechselbereitschaft setzt sich aus zwei Kategorien zusammen: den Erwerbstätigen, die konkret planen, in diesem Jahr den Arbeitgeber zu wechseln sowie den Erwerbstätigen, die offen für einen Jobwechsel sind, aber noch keine konkreten Schritte unternommen haben.

Die Studie wird seit 2019 in Österreich erhoben. Sie befasst sich mit Themen wie der Arbeitszufriedenheit und der Wechselbereitschaft von Beschäftigten sowie den Wünschen von Beschäftigten an Arbeitgeber. Zum Studiendesign gehört dabei ein modularer Fragebogen mit einem festen, wiederkehrenden Fragenteil für den Zeitvergleich sowie variablen Fragen, die auf aktuelle Entwicklungen Bezug nehmen.

Erwartungen an neue Arbeitgeber:innen

Was Beschäftigte von neuen Arbeitgeber:innen erwarten

  • Höheres Gehalt: 70 Prozent

  • Langfristig sicherer Job: 62 Prozent

  • Flexible Arbeitszeiten: 55 Prozent

  • Gut erreichbarer Standort: 54 Prozent

  • Gutes Führungsverhalten: 52 Prozent

Was trotz besserer Bezahlung abschreckt

  • Ungünstiger Standort: 47 Prozent

  • Schlechte Führungskultur: 43 Prozent

  • Befristeter Vertrag: 37 Prozent

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Über die Studie

forsa-Online-Umfrage im Dezember 2025 sowie im Januar 2026 unter 1.006 volljährigen, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (Arbeitende und Angestellte) in Österreich im Auftrag von Xing.

Die Wechselbereitschaft setzt sich aus zwei Kategorien zusammen: den Erwerbstätigen, die konkret planen, in diesem Jahr den Arbeitgeber zu wechseln sowie den Erwerbstätigen, die offen für einen Jobwechsel sind, aber noch keine konkreten Schritte unternommen haben.

Die Studie wird seit 2019 in Österreich erhoben. Sie befasst sich mit Themen wie der Arbeitszufriedenheit und der Wechselbereitschaft von Beschäftigten sowie den Wünschen von Beschäftigten an Arbeitgeber. Zum Studiendesign gehört dabei ein modularer Fragebogen mit einem festen, wiederkehrenden Fragenteil für den Zeitvergleich sowie variablen Fragen, die auf aktuelle Entwicklungen Bezug nehmen.

Erwartungen an neue Arbeitgeber:innen

Was Beschäftigte von neuen Arbeitgeber:innen erwarten

  • Höheres Gehalt: 70 Prozent

  • Langfristig sicherer Job: 62 Prozent

  • Flexible Arbeitszeiten: 55 Prozent

  • Gut erreichbarer Standort: 54 Prozent

  • Gutes Führungsverhalten: 52 Prozent

Was trotz besserer Bezahlung abschreckt

  • Ungünstiger Standort: 47 Prozent

  • Schlechte Führungskultur: 43 Prozent

  • Befristeter Vertrag: 37 Prozent

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