"Die Branche wird sich in den nächsten zehn Jahren mehr verändern als in den letzten 50"

BMW Austria-Geschäftsführer Christian Morawa über die große Modelloffensive, den Wandel zur Tech-Company und die Entlastung der Kunden durch Automatisierung.

Christian Morawa hat vor knapp eineinhalb Monaten die Zügel bei BMW Austria in die Hand genommen. LEADERSNET hat sich mit dem Neo-Geschäftsführer des bayrischen Premiumherstellers zusammengesetzt und über die Neuigkeiten, die BMW und Mini bei der Autoshow präsentieren werden, die Investionspläne des Unternehmens, ob er Tesla als Konkurrenz wahrnimmt und BMW i Ventures gesprochen.

LEADERSNET: Sie sind seit 1. Dezember 2017 Geschäftsführer von BMW Austria. Können Sie nach so kurzer Zeit schon ein erstes Resümee ziehen?

Morawa: Für ein Resümee ist es aus meiner Sicht noch zu früh. Aber ich kann heute schon so viel sagen: Die BMW Group verfügt in Österreich sowohl über ein sehr schlagkräftiges Netz an Händlerpartnern als auch über ein enorm engagiertes und professionelles Team in der österreichischen Vertriebsgesellschaft. Man spürt in allen Bereichen des Unternehmens eine ausgeprägte Innovationskultur.

LEADERSNET: Sie haben vorher für die Auto1 Group, einem Gebrauchtwagenportal für Autohändler, gearbeitet. Wo liegen die größten Unterschiede zwischen dieser und Ihrer neuen Tätigkeit?

Morawa: Die BMW Group ist ein Unternehmen mit einer 100-jährigen Vergangenheit, einzigartigem Know-how im Automobilbau, einem starken Händlernetz und sehr erfahrenen Mitarbeitern. Faszinierend für mich ist auch das enorm breite Leistungsspektrum des Unternehmens – von Premiumfahrzeugen über unterschiedlichste Dienstleistungen bis hin zu innovativen digitalen Angeboten. Man gestaltet bei der BMW Group die Zukunft aktiv mit: So läuft aktuell die größte Modelloffensive und man fokussiert sich nachhaltig auf die Zukunftsthemen Elektromobilität und autonomes Fahren. Für mich ist es sehr spannend, bei diesem Wandel zur Tech Company mit dabei zu sein.

LEADERSNET: Die Erwartungen an einen Hersteller wie BMW sind hoch. Was kann man sich für 2018 erwarten?

Morawa: Wir haben 2017 ein sensationelles Ergebnis abgeliefert und sind der erfolgreichste Premiumhersteller in Österreich. Und natürlich wollen wir auch 2018 dieses Tempo fortsetzen. Wir werden konsequent unserer Strategie folgen und permanent an allen wichtigen Themen arbeiten, um unseren Kunden sowohl die attraktivsten Premiumfahrzeuge als auch die innovativsten Dienstleistungen anzubieten. Unsere Kunden gehören sicherlich zu den anspruchsvollsten und erwarten in allen Bereichen Premiumqualität. Und genau die wollen wir ihnen auch bieten.

LEADERSNET: BMW hat im abgelaufenen Jahr weltweit über 100.000 Autos mit Elektro- oder Hybridmotor verkauft. Vorstandschef Harald Krüger sprach von einem Meilenstein und sagte: "An der Elektromobilität messe ich unseren Erfolg." Wann denken Sie wird der Elektromotor den herkömmlichen Verbrennungsmotor endgültig abgelöst haben?

Morawa: Im Jahr 2025 rechnen wir mit einem Anteil zwischen 15 und 25 Prozent an Elektro- bzw. Hybrid-Fahrzeuge. Das bedeutet aber auch, dass zu diesem Zeitpunkt noch entsprechende viele Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren am Markt sein werden. Das heißt, wir werden noch für längere Zeit mehrere Antriebskonzepte sehen. Aus diesem Grund entwickeln wir parallel unsere Verbrennungsmotoren permanent weiter – insbesondere auch am Standort Steyr. Denn wir werden auch in den nächsten Jahrzehnten noch hocheffiziente Verbrennungsmotoren brauchen und bauen.

LEADERSNET: Setzen Sie neben Verbrennungs- und Elektromotor auch noch auf andere Antriebskonzepte?

Morawa: Die BMW Group entwickelt sowohl evolutionäre konventionelle Antriebe als auch revolutionäre alternative Antriebe. Wir investieren sowohl in Elektromobilität als auch in die Wasserstofftechnologie. Parallel dazu entwickeln wir unsere Verbrennungsmotoren weiter, um die strengen CO2-Gesetze zu erfüllen. In Steyr in Oberösterreich bauen wir jährlich über 1,2 Millionen Motoren für den gesamten Weltmarkt und entwickeln mit viel österreichischem Know-how auch unsere hocheffizienten und innovativen Dieselmotoren. Wir befinden uns in einer Investitions-Phase, wie es sie noch nie gegeben hat.

LEADERSNET: Welche weiteren einschneidenden Veränderungen für die Branche erwarten Sie sich in den kommenden zehn Jahren?

Morawa: In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird sich in unserer Branche mehr verändern als in den letzten 50. Zum einen werden wir in den Städten das autonome und emissionslose Fahren erleben. Zum anderen eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Mobilitätsangebot und Kunde zusammenzuführen. Die BMW Group setzt daher unter anderem auch auf ihr erfolgreiches Konzept von BMW i Ventures – der eigenen Venture Einheit mit Hauptsitz im Silicon Valley – und investiert schon heute in innovative Themen von morgen wie etwa autonomes Fahren oder Digitalisierung. Damit sichert man sich den Zugang zu den Technologien der Zukunft, denn künftig definiert sich Freude am Fahren auch über eine Entlastung unserer Kunden durch Automatisierung.

LEADERSNET: Hat die Automobilindustrie zu lange darauf gewartet, auf Alternativen zum herkömmlichen Verbrennungsmotor zu setzen?

Morawa: Wenn man sich heute die Produktpalette der BMW Group und deren nachhaltigen Verkaufserfolg sowie unsere zukünftigen Fahrzeugkonzepte ansieht, dann ist das alles andere als konservativ. Im Gegenteil, im Jahr 2017 etablierten wir uns fest in der Spitzengruppe der global führenden Anbieter für Elektromobilität. Erstmals wurden in einem Jahr mehr als 100.000 BMW i, BMW iPerformance und Mini Fahrzeuge mit voll-elektrischem oder Plug-in-Hybrid-Antrieb ausgeliefert. Und in Österreich sind wir sogar Nummer 1 beim Absatz von elektrifizierten Fahrzeugen im Premiumsegment.

LEADERSNET: Sehen Sie ein Unternehmen wie Tesla als Bedrohung für geschichtsträchtige Autohäuser wie BMW?

Morawa: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und wir freuen uns über jeden Wettbewerber, der dazu beiträgt, gemeinsam die Elektromobilität voranzutreiben. Jedes Unternehmen muss für sich entscheiden, was hier der richtige Weg ist. Die BMW Group ist mit ihren Elektrofahrzeugen BMW i3 und BMW i8 im Bereich Elektromobilität und Leichtbau bereits an der Spitze der Technologie und hat sich bei der Entwicklung dieser Konzepte intensiv mit den Anforderungen der Elektromobilität beschäftigt. Das werden wir auch weiterhin tun. Einen Ausblick auf die Zukunft haben wir vor kurzem mit unserer Studie BMW i Vision Dynamics – ein viertüriges Gran Coupé mit rein elektrischem Antrieb und einer avisierten Reichweite von 600 Kilometern – gegeben. Wir werden bis 2025 weltweit 25 voll- oder teilelektrische Modelle anbieten und erwartet dann einen Anteil an elektrifizierten Fahrzeugen am globalen Absatz zwischen 15 und 25 Prozent.

LEADERSNET: Welchen Stellenwert nimmt die Vienna Autoshow für BMW ein?

Morawa: Die Vienna Auto Show ist die wahrscheinlich größte und bekannteste Automesse in Österreich und besitzt daher auch eine entsprechende Bedeutung. Die Hersteller zeigen dort zu Jahresbeginn die Innovationen des kommenden Jahres. Eine Herausforderung für die Zukunft wird es sein, dieses Format künftig für ein noch größeres Publikum attraktiv zu machen und das Thema Automobil noch mehr im Umfeld neuer Technologien und dem Thema Digitalisierung zu präsentieren.

LEADERSNET: Welche Neuigkeiten werden Sie präsentieren?

Morawa: Für BMW beginnt mit der Vienna Autoshow ein Jahr voller Neuheiten. Mit der Österreichpremiere des neuen Plug In-Hybrid-Supersportlers BMW i8 Roadster sowie dem neuen BMW i3 und dem BMW i3s sind gleich drei neue Modelle aus dem Bereich Elektromobilität vertreten. Wir richten mit unseren Modellen den Blick aktiv in die Zukunft und setzen auf die Themen Elektromobilität, Connectivity und autonomes Fahren. Mit der BMW 5er Limousine in der Hybrid-Variante zeigen wir einen weiteren Technologieträger. Der neue BMW 5er ist das wahrscheinlich wichtigste Auto für Österreich, denn es wird unter anderem auch in Graz für den gesamten Weltmarkt produziert. Weitere Highlights sind der neue BMW M5 als First Edition, der neue BMW 6er Gran Tourismo sowie erstmalig die neue Generation des BMW 2er Active Tourer und BMW 2er Gran Tourer. Mini präsentiert sich heuer von super sparsam bis super sportlich. Mit dem Mini Cooper S E Countryman ALL4 wird das Fahren zu einem nachhaltig faszinierenden Erlebnis. Es ist das erste MINI Modell mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb und bis zu 40 Kilometern rein elektrischer Reichweite. Für satten Fahrspaß sorgt sicherlich der MINI John Cooper Works Countryman. Er besitzt mit seinen 231 PS den stärksten jemals in einem Mini eingesetzten Motor. Und bei BMW Motorrad zeigen wir den neuen Midsize-Scooter C 400 X sowie die R 1200 GS Rallye mit "Connectivity" – dem innovativen Bedienkonzept für den anspruchsvollen Biker. 

www.bmw.at

Christian Morawa

Mit 1. Dezember 2017 hat Christian Morawa die Geschäftsführung der BMW Austria GmbH in Salzburg übernommen. Morawa ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur und studierte Wirtschaft. Er war in den letzten 20 Jahren in unterschiedlichen Bereichen und Führungsfunktionen im Automobilbereich tätig.

Vor seinem Wechsel zu BMW war er Managing Director für Österreich und die Schweiz bei der Auto1 Group, die eines der schnellst wachsenden Portale im Online Gebrauchtwagenmarkt betreibt. Umfangreiches Wissen konnte er bei Ford, Chrysler und Toyota sammeln, bevor er die Position des COO bei Arval Austria übernahm und hier zwei Jahre später zum Commercial Director und Mitglied der Geschäftsleitung ernannt wurde.

Christian Morawa

Mit 1. Dezember 2017 hat Christian Morawa die Geschäftsführung der BMW Austria GmbH in Salzburg übernommen. Morawa ist ausgebildeter Maschinenbauingenieur und studierte Wirtschaft. Er war in den letzten 20 Jahren in unterschiedlichen Bereichen und Führungsfunktionen im Automobilbereich tätig.

Vor seinem Wechsel zu BMW war er Managing Director für Österreich und die Schweiz bei der Auto1 Group, die eines der schnellst wachsenden Portale im Online Gebrauchtwagenmarkt betreibt. Umfangreiches Wissen konnte er bei Ford, Chrysler und Toyota sammeln, bevor er die Position des COO bei Arval Austria übernahm und hier zwei Jahre später zum Commercial Director und Mitglied der Geschäftsleitung ernannt wurde.

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