Zum Auftakt des Jubiläumsjahres "140 Jahre Automobil" hat Mercedes-Benz Österreich bei einem Pressefrühstück in Wien den Blick sowohl auf die eigene Geschichte als auch auf künftige Entwicklungen gerichtet. Anlass ist ein historisches Datum: Am 29. Jänner 1886 meldete Carl Benz sein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" zum Patent an – ein Schritt, der als Geburtsstunde des Automobils gilt und die moderne Mobilität begründete. Gleichzeitig wurde das Gespräch in kleiner Runde von Agnieszka Kühn dafür genutzt, um sich bei heimischen Automobiljournalist:innen näher vorzustellen. Wie berichtet, steht sie seit 1. November 2025 an der Spitze von Mercedes-Benz Österreich mit Sitz in Eugendorf (Salzburg) und verantwortet sowohl das strategische als auch das operative Geschäft, das Fahrzeugvertrieb und Finanzprodukte umfasst.
Mehr als 40 neue Modelle in der Pipeline
"140 Jahre nach der Geburtsstunde des Automobils stehen wir erneut vor wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft der Mobilität", sagte Kühn. Man baue auf der eigenen Geschichte auf, richte den Blick jedoch klar nach vorn. Kühn erklärte, in den kommenden Jahren starte die bislang größte Produktoffensive des Unternehmens – mehr als 40 Neuheiten, darunter neue Modelle und umfangreiche Überarbeitungen über alle Antriebsarten hinweg, will die Marke mit dem Stern binnen zwei Jahren auf die Straßen bringen. Ziel sei es, modernste Technologie mit jenem Markenverständnis zu verbinden, für das Mercedes-Benz stehe. Fahrzeuge sollten nicht nur der Fortbewegung dienen, sondern als Ort des Ankommens wahrgenommen werden.
Der technologische Fokus liege dabei auf Entwicklungen für die nächste Generation der Mobilität. Genannt wurden unter anderem Solarlackierungen zur Reichweitensteigerung, besonders energieeffiziente KI-Systeme für autonomes Fahren, biotechnologisch erzeugte Materialien als nachhaltige Luxuslösungen sowie nahezu wartungsfreie Bremssysteme und neue Hochvoltarchitekturen. Ergänzt werden diese Ansätze durch Augmented- und Mixed-Reality-Anwendungen, mit denen das Fahrzeug stärker als personalisierter Lebensraum positioniert werden soll.
Positive Marktentwicklung
Mercedes blickt trotz der vielen Herausforderungen auf ein ordentliches Geschäftsjahr 2025 zurück. Weltweit setzte die Autosparte rund 1,8 Millionen Fahrzeuge ab, wobei sich das vierte Quartal als stärkstes des Jahres erwies. Die Entwicklung sei vor allem auf eine gestiegene Kund:innen-Nachfrage zurückzuführen.
Auch in Österreich verzeichnete das Unternehmen ein Wachstum: Mit 10.960 neu zugelassenen Fahrzeugen lag das Plus gegenüber 2024 bei 9,9 Prozent. Dennoch lag Mercedes bei den Absatzzahlen hierzulande klar hinter den Hauptkonkurrenten von BMW und Audi. Zum einen liege das daran, dass man sich nicht auf Rabattschlachten einlasse, da diese keinen nachhaltigen Erfolg versprechen, so Kühn. Zum anderen kommen einige wichtige Modelle erst heuer auf den Markt. Daher blickt die neue CEO den kommenden Monaten zuversichtlich entgegen und hat sich zum Ziel gesetzt, die Verkaufszahlen in Österreich weiter zu erhöhen.
Blickt man sich den Absatz nach Antriebsformen an, hat sich im Vorjahr vor allem der Anteil alternativer Antriebe dynamisch entwickelt. 18 Prozent der Neuzulassungen entfielen hierzulande auf Elektroautos, 27,7 Prozent auf Plug-in-Hybride und 54,3 Prozent auf Modelle mit Verbrennungsmotor. Im europäischen Markt erreichte der Anteil von Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen im Jahr 2025 bereits 40 Prozent. Insgesamt wurden 267.724 Fahrzeuge neu zugelassen.
Elektromobilität als Wachstumstreiber
Als wesentlicher Treiber der vergangenen Monate gilt die aktuelle Modellpalette. So sind die Verkäufe von reinen Stromern im vierten Quartal 2025 gegenüber dem dritten Quartal um 18 Prozent gestiegen. Hier erweist sich vor allem der neue elektrische CLA, der Anfang des Jahres zum "Car of the Year 2026" gewählt wurde (LEADERSNET berichtete), als Verkaufsschlager. Mittlerweile ist das Modell auch mit Mildhybrid-Antrieben bestellbar. Kühn zufolge bräuchte es diese Verbrenner-Option jedoch gar nicht wirklich, wie sie in Gesprächen mit heimischen Mercedes-Händler:innen herausgefunden hat. Kund:innen würden vor allem nach der reinen Elektroversion fragen. Auch sie selbst attestiert dem elektrischen CLA nach einer ausgiebigen Praxistestphase eine außerordentlich gute Alltagstauglichkeit – der hohen Reichweite und der Schnellladefunktion sei Dank. Neben dem CLA läge auch der neue GLC in der Nachfrage deutlich über den Erwartungen, so Kühn. Der neue GLB, der auf derselben Plattform steht, wie der CLA, ist mittlerweile ebenfalls bestellbar.
Besonders hervorgehoben wurde im Rahmen des Pressefrühstücks auch die Bedeutung der G-Klasse für Österreich. Die Gelände-Ikone wird mittlerweile seit über 40 Jahren bei Magna in Graz produziert und jagt trotz der happigen Preise von einem Rekord zum nächsten. Im Vorjahr wurden weltweit 49.700 G-Klassen an die solvente Kundschaft gebracht – der höchste Wert seit ihrer Einführung. Und während bei den anderen Baureihen der Elektroanteil stetig steigt, ist hier noch das Gegenteil der Fall. So entfielen 2025 mehr als die Hälfte aller neuen G-Klassen auf den AMG G63 mit 585 PS starkem V8-Motor, der hierzulande "dank" NoVA und CO₂-Steuer mit mindestens 297.410 Euro zu Buche schlägt. Auf die LEADERSNET-Frage, wie viele elektrische G-Klassen im Vorjahr in Österreich und weltweit verkauft wurden, gab es keine Antwort. Die Begründung lautete, dass der Konzern solche Zahlen nicht nach außen kommuniziere – das treffe auch auf andere Baureihen zu. Dem Vernehmen nach dürfte sich der über drei Tonnen schwere Stromer aber nicht allzu gut verkaufen.
Produktoffensive im Jubiläumsjahr
Wie bereits erwähnt, befindet sich Mercedes in einer Produktoffensive, die sich auch im Jubiläumsjahr 2026 bemerkbar machen wird. Neben der Facelift-Version der S-Klasse, die exakt am 29. Jänner 2026 ihre Weltpremiere feierte, sind umfassende Modellpflegen für GLE und GLS sowie die Premiere des Mercedes-AMG GT 4-Türers, der elektrischen C-Klasse und des VLE vorgesehen. Bei letztem handelt es sich um die Elektroversion der neuen V-Klasse, die künftig deutlich luxuriöser ausfallen und mehr Reichweite bieten soll. Zusätzlich kommen der neue elektrische GLC, der auf der IAA 2025 in München vorgestellt wurde (LEADERSNET berichtete), sowie der GLB, der auf derselben Plattform steht wie der CLA, auf den Markt.
Agnieszka Kühn selbst habe sich vorgenommen, dass Mercedes-Benz Österreich unter ihrer Leitung auf Kundenorientierung, beschleunigte Elektrifizierung und verantwortungsvolles Wachstum über das Jubiläumsjahr hinaus setzt.
www.mercedes-benz.at
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