Matthias Reichl im Interview
"Austauschbar war Mittelmaß schon immer – auch ohne KI"

Im LEADERSNET-Interview spricht Matthias Reichl, Group-CEO von Reichl und Partner, über Künstliche Intelligenz als strukturellen Umbruch für die Kommunikationsbranche und welche Rolle Menschlichkeit, Haltung sowie strategisches Denken im KI-Zeitalter spielen. Zudem erklärt er, warum die Technologie Kreativität nicht ersetzt, sondern verstärkt, und wie sich Agenturen neu positionieren müssen, um auch künftig relevant zu bleiben.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Reichl, Sie haben mit Jahresbeginn die Rolle des Group-CEO bei Reichl und Partner (RUP) in einer Zeit massiver technologischer Umbrüche übernommen. Welche Bedeutung hat Künstliche Intelligenz (KI) aktuell für die Kreativ- und Kommunikationsbranche?

Matthias Reichl: Künstliche Intelligenz ist für unsere Branche gerade das, was damals das Internet oder Social Media waren – nur in deutlich höherer Geschwindigkeit. Wir erleben keinen kurzfristigen Trend, sondern einen strukturellen Umbruch. KI verändert nicht nur Tools, sondern ganze Arbeitsweisen.

Für mich ist KI kein Hype, sondern ein neues Grundrauschen in der Kommunikation. Oder wie ich sage: KI ist ein sehr leistungsfähiger Taschenrechner – aber man muss trotzdem wissen, welche Rechnung man überhaupt lösen will. Und Kreativität ist zum Glück mehr als Mathematik.

LEADERSNET: KI kann Prozesse beschleunigen, Inhalte generieren und Daten analysieren. Wo sehen Sie für Agenturen wie Reichl und Partner die größten Chancen – und wo klare Grenzen?

Reichl: Die größten Chancen liegen in Geschwindigkeit, Präzision und neuen Möglichkeiten in der Umsetzung. KI hilft uns, schneller Varianten zu entwickeln, Daten besser zu verstehen oder Ideen effizienter in die Realität zu bringen. Gerade für Kreative ist das extrem spannend: Designer:innen werden plötzlich zu Regisseur:innen, Kreative werden zu Producer:innen. Dinge, die früher riesige Budgets gebraucht haben, können heute viel schneller visualisiert werden.

Die Grenze ist aber genauso klar: Empathie, Haltung und echtes menschliches Gespür können nicht automatisiert werden. Und ganz ehrlich: Ich habe noch nie eine KI bei einem Afterwork-Spritzer erlebt – und genau dort entstehen oft die besten Ideen und Beziehungen.

LEADERSNET: Sie haben im Rahmen Ihres Aufstiegs zum Group-CEO von Ideen, die "wirklich wirken" und messbare Erfolge liefern, gesprochen. Wie verändert KI aus Ihrer Sicht den Zusammenhang zwischen Kreativität, Strategie und Performance?

Reichl: KI macht diesen Zusammenhang noch enger. Früher war Kreativität manchmal "schön", Strategie "wichtig" und Performance "messbar". Heute muss alles gleichzeitig funktionieren.

Eine Idee muss berühren, aber auch wirken. Unser Anspruch ist es, Ideen zu entwickeln, die nicht nur auffallen, sondern langfristig messbare Wirkung entfalten. KI hilft uns dabei, schneller von der Idee zur Umsetzung zu kommen – aber die strategische Richtung kommt weiterhin vom Menschen.

LEADERSNET: Viele Kreative sehen KI auch kritisch – Stichwort Austauschbarkeit von Ideen oder Verlust handwerklicher Qualität. Wie begegnen Sie diesen Sorgen innerhalb einer Agenturgruppe mit 170 Mitarbeiter:innen?

Reichl: Diese Sorgen sind absolut verständlich – und man muss sie ernst nehmen. Wir sagen intern sehr klar: KI ersetzt keine Kreativität, sie verstärkt sie. Ideen entstehen nach wie vor im Kopf. KI ist Sparringpartner, nicht Autor. Handwerkliche Qualität bleibt entscheidend. Und ehrlich gesagt: Austauschbar war Mittelmaß schon immer – auch ohne KI.

Wichtig ist, dass wir KI nicht als Bedrohung sehen, sondern als Werkzeug, das unsere Teams entlastet und ihnen mehr Raum für echte kreative Arbeit gibt.

LEADERSNET: Reichl und Partner setzt auf eigenständige Units (siehe Infobox) mit gemeinsamer Haltung. Wird KI eher zum verbindenden Element zwischen den Disziplinen – oder verstärkt sie die Spezialisierung weiter?

Reichl: Offen gesagt, ein bisschen beides. KI ist wie die Brücke, die unsere kreativen, strategischen und technologischen Seiten miteinander verbindet. Gleichzeitig brauchen wir Teams, die echte Expert:innen sind – sei es für Daten, Strategie oder kreative Feinarbeit. Aber am Ende setzen wir auf Zusammenarbeit: Die beste Idee entsteht nicht durch Einzelkämpfer:innen, sondern im Zusammenspiel. Und genau da hilft uns KI, indem sie uns Zeit und Ressourcen spart, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können.

LEADERSNET: Sie kommen aus dem Digital-Bereich und haben früh mit neuen Technologien gearbeitet. Welche Kompetenzen werden für Kommunikator:innen und Kreative im KI-Zeitalter künftig unverzichtbar?

Reichl: Drei Dinge werden zentral. Erstens kritisches Denken – nicht alles glauben, nur weil es gut formuliert ist. Zweitens strategisches Verständnis – Prompten ist nett, aber ohne Richtung bleibt es Zufall. Und drittens Menschlichkeit: Empathie, Beziehung, Kultur.

Die Zukunft gehört nicht denen, die KI einfach bedienen, sondern denen, die sie sinnvoll einsetzen – mit Haltung und Verantwortung.

LEADERSNET: Der Einsatz von KI wirft auch ethische Fragen auf – von Transparenz über Urheberschaft bis zu Verantwortung gegenüber Kund:innen und Gesellschaft. Wo ziehen Sie hier klare Linien?

Reichl: Sehr klar bei Transparenz, Datenschutz und Urheberschaft. Wir haben früh eine eigene interne Lösung entwickelt, damit wir sicherstellen können, dass wir datenschutz- und urheberrechtskonform arbeiten. Unser "RUP GPT" läuft auf einem gesicherten Server und wurde mit 37 Jahren an Kommunikationserfahrung trainiert.

Für mich gilt ein einfacher Grundsatz: Wenn KI nicht besser ist als der Status quo oder nicht deutlich effizienter, dann verzichten wir bewusst darauf. Und Verantwortung kann man nicht automatisieren – die bleibt immer beim Menschen.

LEADERSNET: Abschließend noch ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Rolle von Agenturen im KI-Zeitalter in den kommenden fünf Jahren verändern – und was muss eine Agentur heute tun, um auch morgen noch relevant zu sein?

Reichl: Agenturen werden weniger reine "Werbemacher" sein und noch stärker Visionäre, Übersetzer und strategische Sparringpartner. Umsetzung bleibt wichtig – aber der eigentliche Mehrwert liegt in Ideen, Strategie und Haltung.

Relevant bleibt, wer mutig bleibt. KI macht vieles schneller, aber Bedeutung entsteht weiterhin zwischen Menschen. Oder anders gesagt: Solange Menschen noch Gänsehaut bekommen können, wird echte Kreativität nicht verschwinden – sie bekommt nur neue Werkzeuge.

www.reichlundpartner.com

Die Reichl und Partner Gruppe

Group CEO: Matthias Reichl

  • Reichl und Partner Advertising
    Führungsteam: Michael Piber, Helmut Raml, Sabina Schaffer, Lisa-Maria Schickmaier
  • Reichl und Partner Digital
    Führungsteam: Matthias Reichl, Bernhard Voith, Bernhard Goerlitz, Raphaela Aufreiter
  • Reichl und Partner Media
    Führungsteam: Sabine Abt, Tatjana Wolfesberger, Michaela Schartner
  • Reichl und Partner Public Relations
    Führungsteam: Michael Obermeyr, Daniela Strasser
  • SMS Social Media Communications
    Führungsteam: Petra Amesbauer-Ackerl, Markus Huber
  • Gesellschaft für Erlebnismarketing
    Führungsteam: Eva Böhnisch, Hermann Gruber

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