"Ich habe mich wie ein halber Alien gefühlt"

Vienna Autoshow 2019: Reed Exhibitions-B2C Managing Director Gernot Krausz über das "Mega-Highlight" am Anfang des Jahres, die neue E-Mobility Area und die Zukunft von Österreichs größter Automesse.

Am 10. Jänner fällt der Startschuss für die neueste Ausgabe von Österreichs größter Automesse: In der Messe Wien geht wieder die Vienna Autoshow über die Bühne. Bis 13. Jänner werden 40 Automarken rund 400 Neuwagen präsentieren. Erstmals wird es auch eine eigene E-Mobility Area geben, bei der die rund 150.000 Besucher alles rund um das Thema Elektromobilität erfahren werden.

LEADERSNET hat Gernot Krausz, Managing Director B2C-Messen bei den Reed Exhibitions, zum Interview getroffen und sich mit ihm über die Highlights und Neuheiten der Vienna Autoshow, das Geheimnis einer erfolgreichen Automesse, seine Erfahrungen bei der Vienna Comic Con, den eSports-Hype und warum es keine zweite Autoshow geben wird, unterhalten.

LEADERSNET: Herr Krausz, Sie haben mit 4. Juni 2018 ja die operative Geschäftsführung des Bereichs B2C-Messen bei Reed Exhibitions übernommen. Als wir uns das letzte Mal zum Interview trafen, waren Sie erst drei Wochen im Amt, nun können Sie bereits auf ein halbes Jahr in dieser Position zurückblicken. Wie sind die ersten sechs Monate verlaufen?

Krausz: Es waren überaus intensive sechs Monate, galt es doch, sich in mehr als ein Dutzend Messethemen und entsprechend viele unterschiedliche Branchen einzuarbeiten. Parallel dazu musste ich auch die Kolleginnen und Kollegen sowie die internen Unternehmensstrukturen und -abläufe kennenlernen. Und im Oktober und November standen bereits die ersten Messen unter meiner Geschäftsführerverantwortung am Plan. Aber wie heißt es so schön: Beim Sprung ins kalte Wasser lernst du am schnellsten Schwimmen. Bei all diesen persönlichen Herausforderungen konnte ich mich stets auf meine Teams verlassen und auf deren Expertise bauen. Wenn wir nun dieses profunde Know-how mit meinem neuen, neutralen Blick auf die Themen matchen, dann wird das perfekt.

LEADERSNET: Erst im November ging die vierte Vienna Comic Con (VIECC) über die Bühne, ein vergleichsweise recht neues Format die von Jahr zu Jahr größeren Zulauf bekommt. Wie haben Sie die VIECC als Geschäftsführer erlebt?

Krausz: Um im der Sprache der VIECC zu bleiben: wie ein halber Alien. Meine Familie besteht auch aus Kindern, von denen ich zwangsläufig viel von der Jugendkultur mitbekomme, aber die Breite und Tiefe des Angebots bzw. dieser einzigartige Spirit der Besucher – das war für mich etwas Neues. Und zugleich faszinierend. Kurzum: ich war total begeistert.

LEADERSNET: Auch eSports erlebt einen Hype. Auf der VIECC widmet man mit der Vienna Challengers Arena (VCA) dem Online-Gaming einen eigenen Bereich. Im kommenden März wird es von einem anderen Veranstalter ein eigenes eSports-Festival geben, ist ein eigenständiges Format in diesem Bereich auch von Reed Exhibitions in Planung?

Krausz: Die VCA Vienna Challengers Arena wird intern als eigenes Format behandelt. Wir haben es longside zur VIECC gestellt und räumlich verwoben. Das ergibt perfekte Synergien und steigert den Erlebnislevel noch weiter. Wir sehen die Kombi als perfekten USP, dieses Gesamterlebnis samt aller Synergien kann kein einziges eSports-Festival bieten. Sowohl vom internationalen Niveau als auch vom Besucheraufkommen war die VCA die beste eSports-Veranstaltung, die Österreich je gesehen hat. Darauf werden wir aufbauen und in der kommenden Edition noch was draufsetzen. Die VCA ist definitiv die Nummer Eins in Österreich.

LEADERSNET: Die nächsten Großmessen stehen auch schon unmittelbar bevor: die Vienna Autoshow 2019 und die Ferienmesse, zwei der bislang besucherstärksten Formate der Messe Wien überhaupt. Wie sehen die Wochen vor dem Start einer solchen Messe aus, wie erleben Sie die Vorbereitungen als Geschäftsführer?

Krausz: Die letzten Wochen und Tage vor einer Messe bzw. Show sind geprägt von finalen Detail-Vorbereitungen. Die großen Entscheidungen sind ja schon vor vielen Monaten gefallen, da sie sonst zeitmäßig nicht zu realisieren wären. Hier merkt man, wie viele Profis am Werk sind, jeder weiß, was zu tun ist und kann dabei auf seine Erfahrung bauen. Damit bleibt auch genug Spielraum für zeitnahe Aktionen und Reaktionen, die eine flexible Handhabung erfordern. Irgendwie ist es wie bei Weihnachten: Die gespannte Vorfreude darauf, wenn es endlich losgeht.

LEADERSNET: Sie sind ein bekennender Autofan, eine Eigenschaft die Sie mit vielen Österreicherinnen und Österreichern teilen. Nun wird die Vienna Autoshow erstmals unter Ihrer Führung starten. Was bedeutet Ihnen die Vienna Autoshow persönlich, was machen Sie anders als Ihr Vorgänger und haben Sie sich Ziele für den Erfolg der Messe gesetzt?

Krausz: Ja, ich bin ein bekennender Autofan. Umso mehr freut es mich, dass ich die Vienna Autoshow erstmals nicht nur aus der Besucherwarte wahrnehmen, sondern als Veranstalter hautnah "hinter den Kulissen" miterleben kann. Dies eröffnet zusätzliche interessante Blickwinkel. Die Vienna Autoshow ist für mich wie auch unser gesamtes Team wie ein Paukenschlag, wie das Neujahrskonzert. Gleich ein richtiges Mega-Highlight am Beginn des noch neuen Jahres, das zugleich auch konjunktureller Stimmungsbarometer ist. Den ersten Erfolg haben wir schon eingefahren. Gemeinsam mit dem Verband der heimischen Autoimporteure ist es gelungen, rund 40 Marken mit zirka 400 Modellen in die Hallen zu bringen. Damit ist die Vienna Autoshow die mit Abstand größte und bedeutendste Autoshow Österreichs. Zudem zeigen wir mit E-Mobility heuer einen neuen Bereich, der in die technische Zukunft weist. Einerseits wird damit die Vielfalt an E-Mobilität veranschaulicht, andererseits wird durch den Parcours, auf dem der Besucher selbst aktiv werden kann, der Eventcharakter weiter gestärkt. Damit bleibt die Vienna Autoshow up to date und weiterhin erfolgreich.

LEADERSNET: Welchen Stellenwert hat die Vienna Autoshow generell für das Veranstaltungsportfolio der Reed Exhibitions?

Krausz: Einen sehr zentralen. Sie ist sicher eine der breitenwirksamsten und imagefördernsten Shows, die wir in der Messe Wien durchführen. Und sie bedeutet für unsere Technikfirma STANDout höchste Ansprüche in Sachen Ausstattung. Die Vienna Autoshow ist in punkto Standbau, Design, Emotion und Show definitiv ein Gradmesser und Aushängeschild unserer Leistungsfähigkeit als Veranstalter und Venuebetreiber.

LEADERSNET: Trotz des Trends zum Online-Shopping, der auch teilweise auf die Automobilbranche überschwappt und sich entsprechend auf das Kaufverhalten der Konsumenten auswirkt, ist das Interesse an der Vienna Autoshow ungebrochen, man verzeichnete erst 2018 einen neuen Besucherrekord. Woran denken Sie liegt das?

Krausz: Online kann niemals das Liveerlebnis ersetzen. Beim Besuch der Vienna Autoshow werden alle Sinne angesprochen. Haben Sie schon jemals versucht, online mit der Hand über das Leder eines Lenkrades zu streichen oder die Bequemlichkeit eines Autositzes zu testen? Dazu kommt, dass ich hier auf rund 25.000 Quadratmeter alle Modelle und Neuheiten im Original an einem Ort versammelt habe. Das Live-Erlebnis ist magisch. Das sehen jährlich 150.000 Besucher ebenso.

LEADERSNET: Für die Vienna Autoshow 2010 wurde, dem allgemeinen Branchentrend folgend, erstmals eine neue E-Mobility-Area angekündigt. Was können sich Besucher der Messe von dem neuen Bereich erwarten und welches Feedback erwartet oder erhofft sich Reed Exhibitions von den Gästen der Messe zu dieser Neuerung?

Krausz: Um nachhaltig erfolgreiche Veranstaltungsformate anbieten zu können bedarf es eines ausgeprägten Kundenfokus' und entsprechender Bedarfsanalysen, um rechtzeitig Markttrends und Bedürfnisse zu erkennen und in die Konzepte einzuarbeiten. So entstand auch die neue E-Mobility Area in der Halle C. Wir arbeiten hierzu mit der Firma Instadrive zusammen, die auf 440 qm zusammen mit Partnern wie Wien Energie, Bosch, Klima- und Energiefonds, ÖAMTC und vielen mehr zu Kernthemen der Elektromobilität informieren. Zum Beispiel zu Lademöglichkeiten, eigener Stromgewinnung und -speicherung, einem Faktencheck zur Ökobilanz und Tipps und Tricks für Anwender.

LEADERSNET: Haben Sie weitere neue Bereiche geplant? Wenn die Besucherzahlen weiter anwachsen sollten, wie wird die Vienna Autoshow in ein paar Jahren aussehen? Könnte es vielleicht sogar eines Tages zwei Mal jährlich eine Messe dieser Art geben?

Krausz: Nach jeder Edition setzen wir uns mit den Ausstellern zusammen und besprechen den weiteren Fahrplan, die nächste Vienna Autoshow. Dies beinhaltet auch Learnings, neue Bereiche und Highlights. Die Zeiten sind schnelllebig, und auch die Autobranche befindet sich in massiven Umbrüchen. Diesen Faktoren muss auch eine Vienna Autoshow konzeptionell folgen. Zu Ihrer Frage zu den Besucherzahlen: Die Autoshow hat sich bei insgesamt rund 150.000 Besuchern eingependelt, wobei der Samstag und Sonntag kapazitätsmäßig schon ziemlich ausgereizt sind. Eine zweite Show innerhalb eines Jahres ist kein Denkmodell. Wir wollen einen starken Auftritt im Jahr mit den Neuheiten.

LEADERSNET: Das große Interesse an der Vienna Autoshow steht im Gegensatz zum internationalen Trend, wo sich die Besucherzahlen auf vergleichbaren Messen eher rückläufig zeigen. Woran denken Sie liegt das?

Krausz: Die internationalen Megaschauen werden zum einen von den Herstellern beschickt und sind zum anderen besucherseitig auf international Businesskunden ausgerichtet. Diese bombastischen Auftritte geraten immer mehr in eine schwierige Kosten-Nutzen-Relation, sodass sich die Hersteller auf immer weniger Autoshows konzentrieren. Die Vienna Autoshow ist anders gelagert. Die Aussteller sind hier die heimischen Autoimporteure, nicht die Industrie. Die Besucher sind Konsumenten, die meist gleich vor Ort ihr Fahrzeug bestellen können. Und im Auftritt haben wir gemeinsam bewusst darauf Bedacht genommen, dass es ein einheitliches Standsystem gibt. Das Auto steht im Mittelpunkt, trotz toller Inszenierung.

LEADERSNET: Abschließend noch eine Frage zu Ihren persönlichen Plänen für Ihr zweites Halbjahr als Geschäftsführer des B2C Bereichs der Messe Wien: Worauf freuen Sie sich besonders, welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Krausz: Das Frühjahr 2019 bringt einen dicht gedrängten Messeplan, startend mit der Ferien-Messe und Autoshow in Wien, gefolgt von den Baumessen in Wien und Salzburg, einer gut laufenden Hohen Jagd sowie Österreichs größter Einrichtungsmesse Wohnen&Interieur. Daneben laufen noch ganz viele konzeptionelle Vorbereitungs- und Abstimmungsarbeiten für zeitlich weiter entfernte Messen. Und auch die New Business-Pipeline will nach dem großen Premierenerfolg der Custom Wheels Vienna im Herbst 2018 weiter gefüllt werden, um bald neue Themen bzw. Themenerweiterungen am Markt zu platzieren. Ziel ist, unser Themenportfolio gemeinsam mit den Teams und unseren Fachspezialisten erfolgreich weiter zu entwickeln, neue Themen zu launchen und die Services – analoge wie digitale – für unsere Kunden zu pushen. Parallel dazu werden wir bei bestehenden B2C-Formaten den Erlebnischarakter durch noch mehr Show-Acts, emotionsgeladene Events, Mitmachmöglichkeiten usw. hochfahren. Langeweile kommt bestimmt keine auf! (lacht)

www.viennaautoshow.at

Gernot Krausz

Gernot Krausz hat per 4. Juni 2018 die operative Geschäftsführung (Managing Director) des Bereichs B2C-Messen bei Reed Exhibitions übernommen. In dieser Eigenschaft berichtet er direkt an CEO Benedikt Binder-Krieglstein. Zu den Kernaufgaben von Krausz und seiner Teams zählen die Markenführung sowie die strategische Weiterentwicklung und Positionierung der bestehenden wie auch die Etablierung neuer Showformate im B2C-Sektor von Reed Exhibitions in Österreich. Zu den von ihm verantworteten Publikumsmessen zählen unter anderem Highlights wie die Ferien-Messe Wien, Vienna Autoshow, Wohnen & Interieur, Modellbaumesse, Lebenslust, VIECC Vienna Comic Con sowie die neue Custom Wheels Vienna und in Salzburg die Hohe Jagd & Fischerei sowie die Bauen+Wohnen.

Vor seinem Einstieg bei Reed Exhibitions führte Gernot Krausz seit 2010 als CEO das in Österreich, Deutschland und Kroatien tätige Handelsunternehmen Eduard Kettner GmbH mit 120 Mitarbeitern. Weitere berufliche Stationen führten ihn als Controller und Bank- sowie Finanzmanager zur Bank Burgenland (2008 bis 2010), als CEO zu Apsys moderne Baustoffsysteme GmbH (2007 bis 2008) und als Controller im Retail Business zur REWE AG (2006 bis 2007).

Die theoretischen und wissenschaftlichen Grundlagen für seine Karriere eignete er sich durch sein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien an. 2014 und 2015 nahm er an einem Post Graduate Programm der WU Wien teil, anschließend erwarb er an der WU Wien einen Executive MBA und absolvierte (2017 bis 2018) an der Universität St. Gallen (CH) den Lehrgang Omni- und Cross Channel Management.

www.messe.at

leadersnet.TV

Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie weitersurfen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind.
Weitere Informationen.