Trotz Krisen-Modus
94 Prozent der Österreicher lassen sich den Sommerurlaub nicht nehmen

Trotz wirtschaftlicher Turbulenzen und globaler Unsicherheiten zieht es fast die gesamte Bevölkerung in die Ferne. Ein ganz bestimmtes Nachbarland im Süden führt dabei die Wunschliste an.

Die österreichische Wirtschaft steht an einem markanten Wendepunkt. Während die anhaltende Inflation und die spürbaren Teuerungen der vergangenen Jahre die Haushaltsbudgets bereits massiv unter Druck gesetzt haben, sorgt das am 27. April 2026 beschlossene Sparpaket der Bundesregierung (LEADERSNET berichtete) für zusätzliche Diskussionen über den künftigen finanziellen Spielraum der Bürger:innen. 

Doch trotz der Sparmaßnahmen und der wirtschaftlichen sowie geopolitischen Unsicherheiten (LEADERSNET berichtete u.a. hier und hier) zeigt sich ein Paradoxon im Konsumverhalten. Denn wie eine neue Umfrage vom ÖAMTC zeigt, ist die Sehnsucht nach fernen Horizonten weiterhin ungebrochen. Das heißt, wenn die Tage länger werden, scheint die Reiselust der Österreicher:innen über die Sorge um das Sparkonto zu triumphieren. Und so bleibt der Sommerurlaub für viele Menschen hierzulande ein unantastbares Gut, für das trotz Gürtelengerschnallen bereitwillig budgetiert wird. 

Mehrheit will verreisen

Die Umfrage "ÖAMTC Reisemonitoring" hat ergeben, dass 94 Prozent der Befragten in diesem Sommer Urlaubspläne schmieden. "Die Rahmenbedingungen sind herausfordernd, der Wunsch nach Urlaub ist dennoch ungebrochen", so ÖAMTC-Reiseexpertin Yvette Polasek

Zudem ergab sich, dass vier von zehn Befragten zum Zeitpunkt der Umfrage, im März 2026, bereits ihre Reise gebucht haben - 45 Prozent würden das Buchen noch planen. Als entscheidende Faktoren für die Urlaubsplanung sind vor allem Budget und Sicherheitsaspekte angeführt worden. "Trotz hoher Reiseabsicht beeinflussen wirtschaftliche und geopolitische Faktoren die Planung spürbar: Finanzielle Überlegungen und Sicherheitsbedenken zählen zu den häufigsten Gründen gegen eine Reise", erklärt Polasek. 

Österreich als beliebtes Reiseziel

Ins Ausland zu reisen, bleibt für die meisten Österreicher:innen oberstes Ziel (70 %). Besonders gefragt sind dabei Italien (19 %), Kroatien (16 %) sowie Griechenland (9 %) und Spanien (9 %). Dennoch kann sich die Hälfte der Befragten vorstellen, innerhalb Österreichs Urlaub zu machen. Kärnten und Steiermark teilen sich mit je 18 Prozent den ersten Platz, gefolgt von Oberösterreich (13 %). 

Mit 59 Prozent der Stimmen bleibt zudem die Reise ans Meer die beliebteste Urlaubsart – ebenso wie Städtereisen (31 %) und Urlaub am See (25 %). "Der wichtigste Entscheidungsfaktor für das Reiseziel bleibt das persönliche Interesse für die Destination, 15 Prozent geben an, dass die finanzielle Situation ausschlaggebend für die Wahl des Urlaubsziels war oder sein wird", so Polasek weiter. 

Reisemonitoring 2026 © ÖAMTC 

Einsparungen beim Urlaubsbudget

Laut der Expertin zeige die Befragung deutlich, dass die Österreicher:innen heuer zwar sparen müssen, aber dennoch nicht auf den Sommerurlaub verzichten wollen. "Sonne genießen, sich entspannen und Zeit mit Familie und Freund:innen verbringen" seien dabei die häufigsten Reisemotive. Zudem gaben 83 Prozent der Befragten an, dass sie sich bewusst für preiswerte Varianten entscheiden –  sie greifen beispielsweise auf günstigere Unterkünfte zurück oder planen das Verreisen in der Nebensaison. Die Hälfte der Umfragteteilnehmer:innen zieht Reisen mit einer Dauer von acht oder mehr Übernachtungen heuer gar nicht in Betracht. 

Finanziell ist somit eine Zurückhaltung zu spüren. Diese spiegelt sich auch im geplanten Urlaubsbudget wider, das heuer bei 1.189 Euro pro Person liegt und damit leicht unter dem Vorjahresniveau von 1.233 Euro. Alleinreisende verfügen dabei über das höchste Urlaubsbudget und liegen im Schnitt um 240 Euro über dem Mittelwert, während Familien mit rund 143 Euro unter dem Mittelwert das geringste Budget pro Kopf zur Verfügung steht. Vergleichsplattformen gelten über alle Altersgruppen hinweg als wichtigstes Instrument zum Kostensparen, ergänzt durch Frühbucherrabatte und Preisvergleiche auf unterschiedlichen Endgeräten. 

Die Liebe zum eigenen Pkw

Die aktuellen Spritpreise lassen die Österreicher:innen kälter als angenommen. So wollen sieben von zehn Bewohner:innen trotz der enormen Preissteigerung mit dem privaten Pkw in den Urlaub fahren. Sechs Prozent davon mit dem E-Auto. Zudem haben 36 Prozent angegeben, mit dem Flugzeug verreisen zu wollen und 23 Prozent setzen auf die Bahn. "Auffällig ist das Mobilitätsverhalten von Alleinreisenden: Während der Pkw mit 45 Prozent vergleichsweise selten genutzt wird, sind Bahn und Bus mit 38 bzw. 30 Prozent in dieser Zielgruppe besonders beliebt", so Polasek abschließend.

www.oeamtc.at

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