Dämpfer für Exportwirtschaft
Iran-Krieg belastet vor allem Österreichs Industrie und Tourismus

| Tobias Seifried 
| 03.03.2026

Die Kampfhandlungen und deren Auswirkungen auf die Golfregion verschärfen die angespannte Lage an den Energiemärkten und bei Lieferketten weiter und sorgen für zunehmende Unsicherheit in der heimischen Exportwirtschaft.

Nachdem das Wirtschaftsministerium am Montag die Installation einer "Taskforce Versorgungssicherheit" angekündigt hat (LEADERSNET berichtete), rückte am Dienstag auch die Wirtschaftskammer die möglichen Folgen der Eskalation im Nahen Osten in den Fokus. Die anhaltenden Kampfhandlungen im Iran und deren Auswirkungen auf die Golfregion verschärften demnach die ohnehin angespannte Lage an den Energiemärkten und sorgten für zunehmende Unsicherheit in der Exportwirtschaft.

WKÖ-Präsidentin Martha Schultz betonte, die aktuellen Entwicklungen seien "mit erheblichen Unsicherheiten verbunden – sowohl für Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in der Region als auch für energieintensive Branchen im Inland". Die wirtschaftlichen Auswirkungen gingen damit deutlich über die unmittelbare Krisenregion hinaus.

Iran wirtschaftlich bereits geschwächt

Die wirtschaftliche Situation im Iran sei bereits vor der jüngsten Eskalation fragil gewesen. Strukturelle Defizite, Misswirtschaft und Korruption hätten das Land ebenso belastet wie internationale Sanktionen und militärische Auseinandersetzungen des vergangenen Jahres. Für österreichische Unternehmen sei der iranische Markt daher schon bisher eine Herausforderung gewesen.

Exportiert wurden laut WKÖ vor allem pharmazeutische Produkte und Maschinen. Die Zahl österreichischer Niederlassungen im Iran sei inzwischen jedoch "verschwindend gering", so Schultz.

Golfregion gewinnt strategisch an Gewicht

Abseits des Iran entwickelte sich die Exportleistung österreichischer Unternehmen in den Nahen Osten zuletzt positiv. 2024 wurden Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro in die Region exportiert – ein Zuwachs von rund 7,5 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

Besonders an Bedeutung gewonnen haben dabei Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Exporte beliefen sich 2024 auf 816,1 Millionen Euro in die Vereinigten Arabischen Emirate und auf 798,4 Millionen Euro nach Saudi-Arabien.

WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger warnt jedoch, dass die bisher positive wirtschaftliche Dynamik in der Region bei einer länger anhaltenden Eskalation "möglicherweise einen spürbaren Dämpfer" erfahren könnte.

Industrie unter Druck, Tourismus gefordert

Besonders betroffen wären energieintensive Branchen in Österreich. Eine Destabilisierung der Energiemärkte führe zu steigenden Energiepreisen und setze Sektoren wie Stahl, Chemie oder Düngemittel unter massiven Druck, so Danninger. Energie verteuere sich auch ohne physische Knappheit – und zwar umso stärker, je länger die Kampfhandlungen andauerten. Hinzu kämen potenzielle Lieferkettenunterbrechungen sowie eine gedämpfte Nachfrage nach Industriegütern.

Auch die Tourismusbranche spürt laut WKÖ bereits Auswirkungen. Insbesondere Reisebüros seien durch Flugausfälle gefordert. Der zuständige Fachverband stehe in engem Austausch mit seinen Mitgliedsbetrieben, Airlines, Partnern vor Ort und Behörden. Die in früheren Krisen erprobten Mechanismen würden auch jetzt greifen, heißt es. Die Sicherheit und umfassende Betreuung der Reisenden habe oberste Priorität.

Info-Servicepoint eingerichtet

Die WKÖ reagiert mit einem verstärkten Informationsangebot. Über die "Aussenwirtschaft Austria" stehe man in ständigem Austausch mit Mitgliedsbetrieben, erklärt Danninger. Information, Service und Beratung seien gerade in einer solchen Situation von besonderer Bedeutung.

Daher wurde ein eigener Info-Servicepoint (Link unten) eingerichtet, der laufend aktualisiert werde und Unternehmen eine Orientierungshilfe in der aktuellen Lage bieten soll.

Angesichts der angespannten geopolitischen Situation bleibt die wirtschaftliche Entwicklung in der Golfregion damit ein zentraler Risikofaktor – nicht nur für Energiepreise, sondern auch für Exportmärkte, Lieferketten und die konjunkturelle Dynamik in Österreich.

www.wko.at/nahost

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