Beim diesjährigen Food-Salon im Wiener Filmquartier nutzte Spar die Gelegenheit, zentrale Linien seiner Sortimentsstrategie darzustellen. Markus Kaser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Spar, ordnete die aktuelle Position des Unternehmens im österreichischen Lebensmittelhandel ein.
Marktführerschaft im Vorjahr verteidigt
Zu Beginn ein paar Worte zum Gesamtmarkt: Spar blieb auch im Vorjahr Marktführer. Der Marktanteil lag Ende 2025 laut den Marktforscher:innen von NielsenIQ bei 36,2 Prozent. In einem insgesamt angespannten Marktumfeld mit hoher Preissensibilität und zurückhaltender Konsumstimmung sieht sich das Unternehmen damit weiterhin stabil aufgestellt. Ursprünglich hatte Nielsen IQ den Marktanteil von Spar für das Vorjahr noch höher angesetzt. Nach Neuberechnungen musste das Marktforschungsunternehmen den Spar-Marktanteil um 0,6 Prozentpunkte nach unten korrigieren (KEYaccount/LEADERSNET berichtete hier.). Die prinzipiellen Kräfteverhältnisse am heimischen Markt blieben durch die Neuberechnungen aber unangetastet.
Eigenmarken als zentrales Element
Ein strategischer Schwerpunkt des Unternehmens liegt weiterhin auf dem Ausbau der Eigenmarken. Rund 10.000 Eigenmarkenartikel umfasst das Sortiment inzwischen. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt in Österreich bei rund 45 Prozent. Die Preiseinstiegsmarke S-Budget zählt dabei mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro in Österreich zu den stärksten Eigenmarken und umfasst mittlerweile mehr als 1.100 Produkte. Das Umsatzwachstum lag im Vorjahr bei rund acht Prozent.
Auch im Bio-Bereich zeigt sich weiterhin Dynamik. Die Eigenmarke Spar Natur*pur feiert ihr 30-jähriges Bestehen und verzeichnete zuletzt ein Umsatzplus von 8,7 Prozent. Im Segment Gesundheit und bewusste Ernährung zählt Spar Vital mit einem Wachstum von 15 Prozent zu den stärksten Treibern im Eigenmarkensortiment. Das zeige auch, so Kaser, wie sehr sich das Konsumverhalten verändere. Gerade das Thema Gesundheit gewinnt laut dem Spar-Manager auch im Lebensmittelhandel immer stärker an Bedeutung.
Digitalisierung wird zum Sortiments-Tool
Parallel dazu baut Spar die digitale Ebene des Geschäfts aus. "Wir arbeiten hier an der Digitalisierung unseres Sortiments", sagt Kaser. Über die Spar-App können Kund:innen mittlerweile mehr als 35.000 Produkte abrufen, inklusive Verfügbarkeiten und Zusatzinformationen. "Die Leute informieren sich vor dem Einkaufen, nach dem Einkaufen, während dem Einkaufen", so Kaser. Digitalisierung dient damit in erster Linie der Orientierung und Vorbereitung des Einkaufs und weniger dem eigentlichen Verkauf.
Eine klare strategische Entscheidung betrifft das Onlinegeschäft. Spar hat den klassischen Lebensmittel-Onlineshop eingestellt. "Weil es ein Höllenverlust ist", sagt Kaser offen. In einem Markt mit hoher Filialdichte sei die Zahlungsbereitschaft für Zustelldienste gering.
Klare Haltung bei Mogelpackungen
Auch bei regulatorischen Themen positioniert sich das Unternehmen. Beim Thema Shrinkflation bezieht Spar eine klare Haltung. "Es ist nicht anständig, wenn man den Kund:innen hinters Licht führt", so Kaser. Mit der gesetzlich vorgeschriebenen Shrinkflation-Auszeichnung zeigt er sich dennoch unzufrieden, da diese aus seiner Sicht den Handel trifft und nicht die eigentlichen Verursacher. Eigenmarken sind nicht von versteckten Füllmengenreduktionen betroffen, betont er. Gleichzeitig versuche Spar, auch bei Industriemarken Einfluss zu nehmen. Dabei drohte er auch mit Konsequenzen. Konkrete Auslistungen habe es bisher zwar nicht gegeben, wie Kaser auf Nachfrage erklärte. Grundsätzlich schließt das Unternehmen entsprechende Schritte aber nicht aus.
Appell an die Politik
Zum Abschluss richtet Kaser auch Forderungen an die Politik. Im Zentrum steht der Wunsch nach verlässlichen Rahmenbedingungen und weniger zusätzlicher Regulierung. Der Lebensmittelhandel arbeite mit geringen Margen und sehe sich gleichzeitig mit steigenden Kosten sowie wachsendem bürokratischem Aufwand konfrontiert. Zusätzliche Eingriffe wie neue Kennzeichnungspflichten oder Abgaben würden die Situation weiter verschärfen. Aus Sicht des Unternehmens brauche es daher vor allem Planungssicherheit und Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken, statt zusätzliche Belastungen für den Handel zu schaffen.
www.spar.at
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