Millstätter Wirtschaftsgespräche 2026
Hochkarätiges Gipfeltreffen definierte die Souveränität Europas neu

Die zehnten Millstätter Wirtschaftsgespräche bündelten die Expertise von 500 Teilnehmer:innen zur Neuordnung der Weltwirtschaft. Dabei zeigte sich, dass nur ein geeintes Europa im globalen Wettbewerb künftig Macht ausüben kann.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums versammelten die Millstätter Wirtschaftsgespräche über 500 Entscheidungsträger:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Im Fokus standen die Transformation der Weltordnung sowie die Notwendigkeit einer verstärkten europäischen Kooperation, um die industrielle Substanz und politische Handlungsfähigkeit zu wahren.

Unter dem Titel "Wirtschaft.Macht.Zukunft" diskutierten rund 60 Referent:innen in Millstatt über die Konsequenzen verschobener technologischer und politischer Machtgefüge. Ein zentraler Tenor der Gespräche war die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit als Schlüssel für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.

Strategien gegen die Deindustrialisierung

Gunter Deuber, Head of Research der RBI, plädierte für eine realistische Einschätzung des Standorts Österreich. "Wir haben eine industrielle Stärke, die wir trotz adverser Standortbedingungen halten konnten. Deindustrialisierung ist ein Risiko, aber nicht die Realität in Österreich. Es gibt eine Substanz, die es zu bewahren und auszubauen gilt", konstatierte er. Der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank-Gruppe (EIB), Karl Nehammer, hielt fest, dass Vertrauen, Orientierung und Handlungsfähigkeit nicht in Abwesenheit entstehen könnten. Offene Gespräche seien der Schlüssel, um Lösungen zu entwickeln – Dialog sei die "Voraussetzung dafür, dass Europa handlungsfähig bleibt". Ergänzend forderte der Historiker Andreas Rödder eine Stärkung der gesellschaftlichen Mitte sowie ein neues Narrativ, das auf Innovation und Leistung basiere. Brigitte Ederer, Aufsichtsratsvorsitzende der ÖBB-Holding, sowie Rainer Nowak von der Geschäftsführung der Presse betonten die Notwendigkeit von politischem Mut und Entscheidungskraft.

Geopolitische Aspekte

Die geopolitische Einordnung übernahm EU-Kommissar Magnus Brunner. Er führte aus, dass der Wandel der internationalen Ordnung kein vorübergehendes Phänomen sei und Europa sich stärker diversifizieren müsse. Dennoch bleibe die europäische Idee attraktiv. Im Bereich der Sicherheit unterstrichen Harald Vodosek (Bundesheer) und Milan Šlapák (Steyr Arms), dass politische Zusagen für Verteidigungsinvestitionen rascher in Budgetzahlen und konkrete Umsetzung münden müssten.

In den Panels zur Souveränität hob Michael Strugl (Verbund AG) hervor, dass Versorgungssicherheit primär über einen integrierten europäischen Strommarkt zu gewährleisten sei. Peter Weinelt (Wiener Stadtwerke) berichtete von massiven Cyberangriffen und forderte eine Erweiterung der EU sowie engere Partnerschaften. Andreas Matthä, CEO der ÖBB-Holding, plädierte unter dem Schlagwort "MEGA" dafür, Europa wieder groß zu machen und geeint aufzutreten.

Technologische Abhängigkeit

Zur technologischen Autonomie äußerte sich Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria. Europa müsse in strategischen Bereichen eine Exzellenz entwickeln, die Abhängigkeiten für andere Marktteilnehmer schaffe: "Wir müssen in Forschung und am Markt herausragende Stärken haben." Im digitalen Sektor mahnte Philipp Amann (EZB), dass aktuell fast 70 Prozent der Zahlungssysteme in Europa nicht-europäischen Ursprungs seien.

Die Initiatoren Alfons Helmel und Markus Gruber bilanzierten, dass europäische Kooperation angesichts der neuen Weltordnung alternativlos sei. Die nächsten Wirtschaftsgespräche sind für den Zeitraum vom 28. April bis 1. Mai 2027 projektiert.

www.mwg.or.at

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