Chat-Enthüllungen verschärfen Debatte
ORF-Krise weitet sich durch veröffentlichte Chats aus

| Redaktion 
| 21.04.2026

Einblicke in Chat-Auszüge zwischen der betroffenen Mitarbeiterin und Roland Weißmann verschärfen die Situation. Der Ex-Generaldirektor weist die Vorwürfe zurück, Ingrid Thurnher sieht sich bestätigt.

Beim ORF halten die Turbulenzen an. Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann und der Bestellung von Ingrid Thurnher zur Interims-Generaldirektorin (LEADERSNET berichtete hier und hier) läuft weiterhin eine umfassende Aufarbeitung. Gleichzeitig sorgen mehrere parallel verlaufende Entwicklungen für anhaltende Diskussionen: So hatten sich mehrere Personen um die Übergangsführung beworben (LEADERSNET berichtete), zudem rückten Gehälter und Abfertigungen im Top-Management in den Fokus (LEADERSNET berichtete).

Auch aus dem Inneren des Unternehmens kam Kritik. Der Redaktionsausschuss äußerte sich zuletzt zu einzelnen Mitgliedern des ORF-Stiftungsrates (LEADERSNET berichtete).

Veröffentlichte Chats im Zentrum der aktuellen Debatte

Neue Dynamik erhielt die Causa durch am Montag (20. April 2026) veröffentlichte Chat-Auszüge. Diese wurden von der Wochenzeitung Falter publik gemacht und von anderen Medien aufgegriffen.

Im Mittelpunkt steht die Kommunikation zwischen Roland Weißmann und jener Mitarbeiterin, die Anfang März Vorwürfe gegen den damaligen Generaldirektor erhoben hat. Laut den Chats und Medienberichten soll Weißmann dabei wiederholt versucht haben, die Beziehung über eine freundschaftliche Ebene hinaus zu entwickeln. Den veröffentlichten Auszügen zufolge habe die Frau mehrfach klargestellt, dass sie daran kein Interesse habe. Aus dem Umfeld Weißmanns wird diese Darstellung zurückgewiesen. Dort ist von "selektiv zusammengestellte Fragmente" die Rede.

Für ORF-Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher lassen die veröffentlichten Inhalte keinen Interpretationsspielraum. In einem Interview im Ö1-"Morgenjournal" äußerte sie sich deutlich zu den bekannt gewordenen Chats. "Die nun veröffentlichten Chatinhalte sind verstörend, schockierend und inakzeptabel. Vor allem natürlich für die betroffene Frau. Niemand sollte so etwas ausgesetzt sein", so Thurnher.

Aus ihrer Sicht unterstreichen die Nachrichten auch die bereits gesetzten Konsequenzen. Diese würden bestätigen, "dass mit der Beendigung des Dienstverhältnisses von Roland Weißmann der richtige Schritt gesetzt wird".

Juristische Schritte gegen den ORF

Parallel dazu geht Weißmann rechtlich gegen den ORF vor. Er fordert rund vier Millionen Euro (LEADERSNET berichtete). Sein Rechtsvertreter sieht die Verantwortung für die Eskalation beim Unternehmen und erklärte, "dass der ORF mit seiner Vorgangsweise selbst schuld an dem ausgelösten Flächenbrand" sei. Im Raum stehen dabei Forderungen aus dem Dienstverhältnis sowie mögliche Schadenersatzansprüche.

Lage bleibt angespannt

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass die Aufarbeitung der Causa weiterhin nicht abgeschlossen ist. Neben den veröffentlichten Chat-Inhalten und den rechtlichen Auseinandersetzungen bleiben auch strukturelle und personelle Fragen innerhalb des ORF offen. 

Die Entscheidung über die Generaldirektion für die verbleibende Funktionsperiode bis Ende 2026 soll am 23. April fallen. An diesem Tag berät der Stiftungsrat über die eingelangten Bewerbungen und trifft eine Auswahl. Parallel dazu laufen bereits die Vorbereitungen für die Ausschreibung der regulären Funktionsperiode ab 2027. Diese soll in den kommenden Wochen erfolgen, die Bestellung ist nach aktuellem Stand für den Sommer vorgesehen.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. 

www.orf.at

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