Relevanz der Gehaltstransparenz steigt
Warum acht Prozent der Unternehmen Talente bereits beim ersten Klick verlieren

| Tobias Seifried 
| 20.04.2026

Laut aktuellem Arbeitsmarktreport nimmt die Gehaltstransparenz in Österreich merklich zu. Während Gehaltsspannen an Bedeutung gewinnen, schrecken fehlende Zahlen potenzielle Bewerber:innen ab.

Im Zuge der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die bis Juni in nationales Recht überführt werden muss, rückt die Offenlegung von Gehältern verstärkt in den Fokus. Obwohl in Österreich bereits seit 2011 eine gesetzliche Verpflichtung zur Gehaltsangabe besteht, weisen aktuelle Daten des Arbeitsmarktreports 2026 von karriere.at darauf hin, dass diese Information noch immer in acht Prozent der Ausschreibungen fehlt. Dennoch sei ein positiver Trend erkennbar. Laut der Auswertung ist der Anteil der Inserate ohne Entgeltangabe in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken.

Die Relevanz der Entlohnung

Für die Mehrheit der Arbeitnehmer:innen stellt die finanzielle Kompensation das entscheidende Kriterium im Bewerbungsprozess dar. Eine repräsentative Erhebung unter mehr als 1.000 Erwerbsfähigen verdeutlicht die Prioritäten: Für neun von zehn Befragten ist das Gehalt die wesentlichste Information innerhalb eines Stelleninserats. Fehlen diese Angaben oder erweist sich das Angebot als nicht konkurrenzfähig, sehen viele Jobsuchende von einer Bewerbung ab.

Arbeitsmarktreport 2026 karriere.at Gehaltstransparenz© karriere.at

Zunahme von Gehaltsspannen

Die Auswertung für das Kalenderjahr 2025 zeigt eine differenzierte Landschaft: 78 Prozent der Stellenangebote führen das gesetzlich geforderte (Mindest-)Gehalt an, 14 Prozent der Inserate setzen bereits auf Gehaltsspannen, die sowohl Mindest- als auch Maximalbeträge definieren – eine Tendenz, die laut dem Bericht steigend ist –, und lediglich acht Prozent der Anzeigen verzichten gänzlich auf eine konkrete Summe.

Arbeitsmarktreport 2026 karriere.at Gehaltstransparenz© karriere.at

Georg Konjovic, CEO von karriere.at, betont die strategische Bedeutung dieser Entwicklung: "Eine transparente Gehaltsangabe ist für Arbeitgeber ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Talente." Unternehmen, die keine konkreten Zahlen nennen, würden potenzielle Kandidat:innen bereits nach wenigen Sekunden verlieren, so der Experte. Werden beim Sichten einer Anzeige keine Fakten ersichtlich, erfolge oft keine weitere Auseinandersetzung mit der Position.

Zudem gibt Konjovic zu bedenken, dass die bloße Verwendung von Floskeln wie "marktkonforme Bezahlung" oder der Verweis auf das "Mindestgehalt laut Kollektivvertrag" in der heutigen Zeit nicht mehr ausreichend sei, um den Anforderungen des Marktes und dem aktuellen Trend zu entsprechen.

www.karriere.at

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