Von der Fabrikhalle in den Alltag
Wie "Physical AI" den globalen Robotereinsatz revolutioniert

| Tobias Seifried 
| 21.04.2026

Laut einer Studie markiert die Technologie die nächste Evolutionsstufe der Industrie. 60 Prozent der Unternehmen sehen darin den Wendepunkt für rentable Robotik. Zudem soll sie die Resilienz am heimischen Standort stärken.

Expert:innen sind sich sicher, dass die Integration von Künstlicher Intelligenz in physische Systeme, sogenannte Physical AI, den Übergang von starr programmierten Prozessen hin zu autonomem Handeln in komplexen Umgebungen markiert. Eine aktuelle Untersuchung des Capgemini Research Institute mit dem Titel "Physical AI: Taking human-robot collaboration to the next level" belegt das enorme Potenzial, das Führungskräfte dieser Entwicklung zuschreiben.

Während in der High-Tech-Branche 93 Prozent der Befragten Physical AI als "Gamechanger" einstufen, teilen auch in der Logistik (69 Prozent) und der Landwirtschaft (59 Prozent) Mehrheiten diese Ansicht.

Technologische Treiber und ökonomischer Nutzen

Der aktuelle Optimismus gründet der Studie zufolge auf technologischen Durchbrüchen bei Foundation Models und Simulationstechnologien, welche die Trainingszyklen für Roboter signifikant verkürzen. Hinzu kämen sinkende Hardwarekosten sowie innovative Geschäftsmodelle wie "Robotics as a Service". 60 Prozent der Führungskräfte sind laut eigenen Angaben überzeugt, dass Physical AI Einsätze in Bereichen ermöglicht, die bislang als unpraktikabel oder unwirtschaftlich galten. Das Spektrum reiche dabei von Gefahreneinsätzen über die Mikrologistik bis hin zur Unterstützung im Gesundheits- und Pflegesektor.

Strategische Bedeutung für den Standort

Physical AI fungiere zudem als Katalysator für die Reindustrialisierung in Europa und den USA. 43 Prozent der Entscheider:innen geben an, dass das Interesse an dieser Technologie durch das Bestreben nach einer skalierbaren inländischen Produktion verstärkt werde. Zwei Drittel der Unternehmen haben Physical AI bereits eine hohe Priorität auf ihrer Automatisierungsagenda für die kommenden drei bis fünf Jahre eingeräumt. Als primärer Investitionstreiber werde dabei der Fachkräftemangel identifiziert, der noch vor den reinen Arbeitskosten rangiert.

Martina Sennebogen, Vorstandsvorsitzende bei Capgemini Österreich, ordnet die Entwicklung ein: "Robotik bedeutete bisher Fabrikhallen, geschützte Umgebungen sowie definierte und repetitive Aufgaben. An einen universellen Einsatz war nicht zu denken. Die technologischen Durchbrüche im Bereich der künstlichen Intelligenz, Rechenleistung und Mechanik markieren jetzt einen Wendepunkt." Die KI erlaube es Systemen nun, die Welt nicht nur optisch zu erfassen, sondern sie zu verstehen und adaptiv zu handeln. Physical AI könne sich in der Welt der Menschen zurechtfinden und natürlich mit diesen interagieren, so die Expertin.

Herausforderungen bei der Skalierung

Trotz der hohen Erwartungen – 79 Prozent der Unternehmen beschäftigen sich bereits mit der Thematik – bleibe die flächendeckende Umsetzung anspruchsvoll. Bisher operieren lediglich vier Prozent der Firmen im großen Maßstab, heißt es in der Studie. Insbesondere humanoide Roboter werden aufgrund technologischer Unreife, hoher Kosten und unklarer Rentabilität eher als langfristige Option betrachtet. 72 Prozent der Befragten sähen hier Hemmnisse in der Zuverlässigkeit und Geschicklichkeit.

Sennebogen betont diesbezüglich, dass der Hebel für den unmittelbar nutzenstiftenden Einsatz in traditionellen Bauformen wie automatisierten Transportsystemen oder kollaborativen Roboterarmen liege. Für die europäische Industrie sei es jetzt entscheidend, den Übergang von Demonstratoren hin zur breiten Anwendung zu vollziehen.

Zur vollständigen Studie kommen Sie hier.

www.capgemini.com

Methodik der Studie

Im Jänner und Februar 2026 führte das Capgemini Research Institute eine globale Befragung von 1.678 Führungskräften aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar durch. Die Befragung erstreckte sich den Angaben zufolge über 16 Länder in Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum sowie über 15 Branchen. Für die Branchen Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung und für den öffentlichen Sektor lag die Umsatzschwelle bei 500 Millionen US-Dollar. Die befragten Teilnehmenden waren demnach Führungskräfte auf Direktorenebene und darüber. 

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Methodik der Studie

Im Jänner und Februar 2026 führte das Capgemini Research Institute eine globale Befragung von 1.678 Führungskräften aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar durch. Die Befragung erstreckte sich den Angaben zufolge über 16 Länder in Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum sowie über 15 Branchen. Für die Branchen Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung und für den öffentlichen Sektor lag die Umsatzschwelle bei 500 Millionen US-Dollar. Die befragten Teilnehmenden waren demnach Führungskräfte auf Direktorenebene und darüber. 

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