Am 16. April stellte der Senat der Wirtschaft in den Räumlichkeiten von The Natural Gem die neue Ausgabe des Magazins Boom unter dem Titel "Weltmeister mit Fußfessel" vor. Im Zentrum standen Österreichs sogenannte Hidden Champions – international erfolgreiche Unternehmen, die häufig abseits der öffentlichen Wahrnehmung agieren.
Gastgeber Thomas Schröck, Eigentümer von The Natural Gem, eröffnete die Veranstaltung mit einem Verweis auf strukturelle Herausforderungen: "Wahre Werte entstehen unter Druck. Doch wenn der bürokratische Druck die unternehmerische Freiheit erstickt, gefährden wir das Kostbarste, was unser Standort hat: seine Substanz."
Auch Benita Ferrero-Waldner, Präsidentin des Senat der Wirtschaft, hob die Bedeutung dieser Unternehmen hervor. Österreichs Hidden Champions seien "unsere Botschafter in der Welt", würden jedoch durch "hausgemachte Lasten" ausgebremst. Zugleich betonte sie, es brauche Offenheit für Innovation ohne Ausgrenzung, um nachhaltige Erneuerung zu ermöglichen.
Die aktuelle Ausgabe von Boom widmet sich unter der Leitung des neuen Chefredakteurs Wolfgang Unterhuber der Situation heimischer Weltmarktführer. Diese stehen stellvertretend für einen Mittelstand, der zunehmend unter regulatorischer Verdichtung leidet. Zur Identifikation der Hidden Champions verwies Unterhuber auf die wissenschaftliche Prägung des Begriffs: Dieser gehe auf den Gründer von Simon-Kucher & Partners zurück, dessen Analysen weltweit als Referenz dienten. In enger Zusammenarbeit mit entsprechenden Netzwerken lasse sich daher klar bestimmen, welche Unternehmen zu dieser Gruppe zählen.
Bürokratie und staatliche Regularien
Unterhuber verwies zudem auf den erheblichen bürokratischen Aufwand: Rund 320 Millionen Arbeitsstunden würden jährlich in Österreich für administrative Tätigkeiten aufgewendet – das entspreche etwa 195.000 Vollzeitkräften. Besonders Ein-Personen-Unternehmen seien betroffen, die mehrere Wochen pro Jahr ausschließlich mit Verwaltungspflichten verbringen würden. "Boom wird das Magazin für jene, die den Stillstand nicht länger hinnehmen", so Unterhuber.
Carmen Treml, Ökonomin bei Agenda Austria, zeichnete in ihrer Keynote ein kritisches Bild staatlicher Eingriffe. Man verlasse sich in Österreich zu stark auf staatliche Lösungen und greife bei Problemen rasch regulierend ein, anstatt marktwirtschaftlichen Mechanismen Raum zu geben. Politische Maßnahmen würden häufig lediglich Symptome adressieren. Es brauche daher eine umfassende und strukturierte Staatsreform, für die ausreichend Potenzial vorhanden sei.
Paneldiskussion
In der anschließenden Diskussion forderte Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senat der Wirtschaft und Boom-Herausgeber, ein grundlegendes Umdenken: "Wir brauchen keine teuren Alibi-Gutachten, die den Stillstand nur noch schöner verwalten. Wir brauchen eine Allianz der Vernunft und den Mut der Rulebreaker." Es sei nicht überraschend, dass wirtschaftlicher Erfolg ausbleibe, wenn Unternehmen durch übermäßige Regulierung eingeschränkt würden.
Auch Christoph Feyerer, CEO von Komptech, kritisierte die bestehenden Rahmenbedingungen. Innovation entstehe vielfach trotz, nicht wegen der aktuellen Voraussetzungen. Unternehmen würden international konkurrenzfähig agieren, während sie im Inland mit administrativen Hürden konfrontiert seien. Ein "Weiter wie bisher" könne nicht zu neuen Ergebnissen führen.
Georg Zanger, Präsident der Austrian Chinese Business Association, lenkte den Blick auf internationale Wettbewerbsdynamiken. Gerade im Vergleich zu asiatischen Märkten sei Geschwindigkeit entscheidend, während bürokratische Strukturen in Österreich als "Tempokiller" wirkten. Zugleich unterstrich er die Bedeutung von Kompetenzen im Umgang mit neuen Technologien: Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gewönnen insbesondere soziale Fähigkeiten an Bedeutung.
Praxisnaher Einblick und neues Mitglied
Einen praxisnahen Blick auf die Vorteile der oft zurückhaltenden Positionierung von Hidden Champions gab Doris Bösmüller, Geschäftsführerin der Druckerei Bösmüller. Das Agieren im Hintergrund könne ein entscheidender Erfolgsfaktor sein: "Wahrscheinlich ist das auch das Geheimnis, weil man dann versteckt, ohne gesehen zu werden." Dadurch seien Unternehmen weniger angreifbar und besser vor Nachahmung geschützt, was eine dynamischere Entwicklung ermögliche. Sie führte aus, dass Betriebe auf diese Weise oft bereits eine beachtliche Größe erreichten, bevor sie breiter wahrgenommen würden.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde Thomas Schröck zudem offiziell in den Senat der Wirtschaft aufgenommen. Die Ernennung wurde von Benita Ferrero-Waldner und Hans Harrer vorgenommen. Mit seiner Aufnahme soll die Bedeutung unternehmerischer Expertise und nachhaltiger Wertschöpfung unterstrichen werden.
Fazit und Video-Interviews
Bei der Veranstaltung wurde deutlich, dass Österreich über leistungsfähige und international erfolgreiche Unternehmen verfügt, diese jedoch mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert sind. Die neue Boom-Ausgabe verstehe sich daher auch als Appell, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen zu überdenken und bestehende Hürden zu reduzieren.
Neben Hans Harrer, Wolfgang Unterhuber, Benita Ferrero-Waldner, Thomas Schröck, Christoph Feyerer, Carmen Treml, Georg Zanger und Doris Bösmüller holte LEADERSNET.tv noch Rudi Roth, Unternehmer und Ehrensenator im Senat der Wirtschaft, sowie Franz Kreuzer, Geschäftsführer KI industries, vor die Kamera.
Fotos von der Präsentation sehen Sie in unserer Galerie.
www.boom-magazin.at
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