Fotos Präsentation des neuen Austrian Startup Monitor
Österreichs Startups drängen verstärkt auf Weltmärkte

Wie der aktuelle Austrian Startup Monitor verdeutlicht, glänzen heimische Jungunternehmen zwar bei Schlüsseltechnologien und Internationalisierung, werden jedoch durch Kapitalmangel oftmals ausgebremst.

Das AIT Austrian Institute of Technology, AustrianStartups und das WU Entrepreneurship Center legten am Dienstag (21. April) die neueste Ausgabe des Austrian Startup Monitor (ASM) vor. Im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus erörterten Expert:innen und politische Entscheidungsträger:innen die aktuelle Lage der Szene.

An der Präsentation und Diskussion beteiligten sich Karl-Heinz Leitner, Studienleiter am AIT Austrian Institute of Technology und an der Universität Graz, Hannah Wundsam, Geschäftsführerin von AustrianStartups, Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Centers, Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus, Eva Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, sowie Kilian Kaminski, Gründer von refurbed.

Jungunternehmen als zentrale Innovationstreiber

Die erhobenen Daten zeichnen ein differenziertes Bild des Ökosystems. Zwar stagniert die Zahl der Neugründungen seit dem Boom im Jahr 2019, doch festigen Startups ihre Position als zentrale Innovationstreiber. Besonders hervorzuheben sei den Studienautor:innen zufolge die Relevanz von Schlüsseltechnologien: 71 Prozent der Unternehmen entwickeln demnach Lösungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Life Sciences, Biotech sowie Energie- und Umwelttechnologien. Karl-Heinz Leitner betonte in diesem Zusammenhang, dass die Startups einen entscheidenden Beitrag zur technologischen Transformation leisteten und das vorhandene Potenzial gezielt gestärkt werden müsse.

Innovationsminister Peter Hanke verwies auf die Industriestrategie 2035, die das Ziel verfolge, unter die Top 10 der Industrienationen aufzusteigen: "Das heimische Startup-Ökosystem spielt dafür eine entscheidende Rolle. Durch das Hinterfragen etablierter Geschäftsmodelle und der Entwicklung agiler Lösungen stärken Startups das Innovationspotenzial von 'Made in Austria'." Auch Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws, betonte diesen Konnex und merkte an, dass etwa ein Drittel der aws-Finanzierungsleistung jährlich an innovative Jungunternehmen fließen würde.

Ein historischer Höchststand wurde bei der Internationalisierung erreicht. So stieg der Anteil der Auslandsumsätze auf 42 Prozent, wobei rund 80 Prozent der Befragten weitere Expansionsschritte planten. Parallel dazu zeige sich der Sektor mit rund 35.000 Beschäftigten als stabiler Arbeitsplatzfaktor, wenngleich die Einstellungsdynamik im Vergleich zum Vorjahr nachgelassen habe. Dass dieser Weg oft über Förderungen führt, bestätigt Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG. Knapp zwei Drittel aller Startups nutzten demnach FFG-Programme – allein 2025 habe man Startups, Scaleups und Spin-offs mit mehr als 92 Millionen Euro unterstützt.

Nachholbedarf bei Gründungsdynamik

Kritisch bewertete Hannah Wundsam die aktuelle Entwicklung der Gründungsdynamik. Sie konstatierte, dass Unsicherheit und Investitionszurückhaltung die Szene bremsten. "Startups sind der Schlüssel für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft unseres Landes", so Wundsam. Der rückläufige Anteil an Gründerinnen – dieser sank auf 21 Prozent – verdeutliche zudem, dass Potenziale unzureichend genutzt würden.

Ein positiver Trend zeige sich hingegen bei akademischen Gründungen. Der Anteil der Spin-offs stieg auf 23 Prozent. Eva Maria Holzleitner hielt fest, dass dieser Anstieg die Relevanz des Technologietransfers aus der öffentlich finanzierten Forschung zeige. Diese Spin-offs stünden für hohe Deep-Tech-Intensität. Kritisch sah sie jedoch den gesunkenen Frauenanteil von 21 Prozent: "Wir brauchen mehr Frauen in technologieintensiven Gründungen, denn Diversität stärkt Innovation und schafft wichtige Vorbilder." Rudolf Dömötör sagte, dass unternehmerische Ambitionen oft früh entstünden. Es sei daher essenziell, unternehmerisches Denken bereits in Schulen und Universitäten zu fördern, damit Ideen aus der Forschung tatsächlich umgesetzt würden. Zudem verfolgen bereits 62 Prozent der Startups soziale oder ökologische Zielsetzungen, so der Experte.

Finanzierung als größte Herausforderung

Trotz einer leichten Verbesserung der allgemeinen Geschäftslage bleibe der Zugang zu Kapital die größte Hürde. Insbesondere in späten Wachstumsphasen bestehen der Analyse zufolge weiterhin Finanzierungslücken. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner unterstrich die Bedeutung von Instrumenten wie dem Scaleup-Fonds: "Hier entscheidet sich, ob aus guten Ideen auch große Unternehmen werden."

Kein Wunder, dass die politischen Forderungen der Branche unverändert bleiben und deutlich ausfallen: 56 Prozent der Befragten verlangen Steuererleichterungen bei den Lohnnebenkosten, 52 Prozent fordern stärkere Anreize für privates Risikokapital, und 46 Prozent mahnen unbürokratischere Förderprozesse ein. Der Bericht bilanziert somit einen erheblichen strukturellen Handlungsbedarf, um die langfristige Attraktivität Österreichs für Zukunftstechnologien zu sichern.

Fotos von der Präsentation sehen Sie in der Galerie.

www.austrianstartupmonitor.at

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