Beim ersten iab NETwork des Jahres drehte sich vergangenen Donnerstagvormittag alles um Karrierechancen und die Spielregeln einer Branche im Wandel. Unter dem Titel "Karriere-Booster im Digital Marketing" diskutierten führende Branchenvertreter:innen über neue Anforderungen, Karrierewege und Zukunftsperspektiven und machten deutlich, dass kontinuierliches Lernen, Anpassungsfähigkeit und ein starkes Netzwerk heute zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren zählen.
Was der Arbeitsmarkt heute verlangt
Den inhaltlichen Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Marcus Kleemann (Jobaffairs Personalmarketing), der zentrale Entwicklungen am Arbeitsmarkt einordnete. Dabei zeichnete er ein Bild eines Arbeitsmarkts, der trotz anhaltenden Fachkräftemangels zunehmend anspruchsvoller, selektiver und widersprüchlicher werde. Unternehmen würden bei Neueinstellungen zurückhaltender agieren, zugleich aber schneller produktive neue Mitarbeiter:innen erwarten, kürzere Einarbeitungsphasen ansetzen und Leistung stärker messbar machen. Parallel dazu würden fundiertes Branchenverständnis und der kompetente Umgang mit Künstlicher Intelligenz immer stärker zur Voraussetzung. Vor diesem Hintergrund rücke die kontinuierliche Weiterentwicklung ins Zentrum erfolgreicher Karrieren: "'Man lernt nie aus' ist die Devise des Digitalmarketings der Zukunft: stetige Weiterentwicklung ist die Zukunft. Nicht der perfekte Lebenslauf ist entscheidend, sondern Substanz – in Form von Branchenverständnis, KI-Kompetenz und echter Leistungsbereitschaft", so Kleemann.
Entscheidend seien dabei laut dem Experten vor allem Fähigkeiten, die über reines Fachwissen hinausgehen, darunter ein solides Business-Verständnis, sicherer Umgang mit Daten und Plattformen, klare Kommunikation ohne Buzzwords sowie die Fähigkeit, Strategien auch tatsächlich umzusetzen. Ergänzt werde dieses Profil durch das T-Shape-Modell aus breitem Überblickswissen und tiefer Spezialisierung sowie durch ausgeprägte Lernfähigkeit. Langfristiger Erfolg basiere zudem auf klugen Karriereentscheidungen, frühem Lernen von erfahrenen Persönlichkeiten, gezielter Spezialisierung und dem Aufbau eines starken Netzwerks samt glaubwürdiger Reputation, denn Vertrauen sei "die härteste und zugleich langlebigste Währung" im Markt. In der Praxis bedeute das, Weiterbildung aktiv einzuplanen, Verlässlichkeit als persönliches Markenzeichen zu etablieren, KI produktiv in den Arbeitsalltag zu integrieren und zugleich nah an Kund:innen, Produkten, Umsatztreibern und der Branche selbst zu bleiben.
Karrieren verlaufen immer individueller
Im anschließenden Panel erweiterten Lena Artes-Stockinger (Mediaplus Austria), Matthias Seiringer (ORF-Enterprise), Andrea Swift (e-Dialog) und Hannes Wurzwallner (cptr Austria) die zuvor skizzierten Entwicklungen um konkrete Praxiserfahrungen und machten zugleich deutlich, wie unterschiedlich und individuell Karrieren im Digital Marketing verlaufen können. Lena Artes-Stockinger schilderte dabei einen vergleichsweise klassischen Karriereweg vom Studium über Praktika bis zum Berufseinstieg und betonte, dass nachhaltige Entwicklung vor allem im Dialog entstehe: "Das Miteinander in der Branche – bewusst aufeinander zugehen, sich austauschen und voneinander lernen – ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Inspiration entsteht für mich dabei weniger aus Theorie als vielmehr aus persönlichen Begegnungen und echtem Austausch."
Matthias Seiringer, der seit mehr als 16 Jahren beim ORF tätig ist, stellte dem einen weniger geradlinigen, aber ebenso praxiserprobten Zugang gegenüber und verwies darauf, dass sich seine Erfahrungen aus früheren technologischen Umbrüchen unmittelbar auf die aktuellen Entwicklungen übertragen ließen: "Als vor über einem Jahrzehnt Programmatic aufkam, standen wir vor ganz ähnlichen Herausforderungen wie heute – auch damals war proaktives Lernen entscheidend. Umso wichtiger ist es, neugierig zu bleiben und Innovationen wie KI nicht nur zu beobachten, sondern aktiv anzuwenden." Gerade in vertriebsnahen Rollen bleibe darüber hinaus der persönliche Austausch ein zentraler Faktor, Netzwerken sei daher kein Nebenschauplatz, sondern essenzieller Bestandteil des beruflichen Alltags.
Auch Andrea Swift, deren Weg sie von einem Studium der Germanistik und Anglistik über Stationen im NGO-Bereich ins Digital Marketing führte, unterstrich, dass Karrierewege im Digital Marketing nicht zwingend linear verlaufen müssen. Sie verstehe Karriereentwicklung als bewusstes Zusammenspiel aus kollektivem Lernen und individueller Verantwortung. Weiterbildung entstehe aus ihrer Sicht weniger durch formale Angebote als vielmehr durch aktiven Austausch und Eigeninitiative. "Aufmerksam sein, zuhören, präsent bleiben: Netzwerken ist dabei für mich gelebte Routine – mit klaren Zielen und dem Anspruch, authentisch zu bleiben", erklärt Swift.
Hannes Wurzwallner hob abschließend hervor, dass nicht-lineare Lebensläufe in der Branche keine Hürde darstellten, sondern oft neue Perspektiven eröffneten. Sein eigener Weg, geprägt von Umwegen und praktischer Erfahrung, stehe exemplarisch für ein Umfeld, das Offenheit und Eigeninitiative belohne. Lernen verstehe er dabei als aktiven Prozess, der vor allem durch Ausprobieren und Austausch entstehe: "Learning by Doing – den Mut haben, Neues auszuprobieren und einfach mal machen!" Netzwerke fungieren Wurzwallner zufolge dabei als entscheidender Hebel – nicht nur für den Wissensaustausch, sondern auch für neue Karrierechancen.
LEADERSNET war dabei und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.
www.iab-austria.at
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