CFO Survey ortet Preisschocks und Inflation
Investitionsbereitschaft heimischer Finanzvorstände sinkt drastisch

Angesichts massiver Preisschübe bei Energie und einer steigenden Inflation blicken CFOs österreichischer Unternehmen pessimistisch auf das kommende Jahr. Sinkende Profitabilität macht neue Sparmaßnahmen notwendig.

Für den heimischen Wirtschaftsstandort gibt es eine weitere schlechte Nachricht. Denn die Stimmung in den Finanzabteilungen österreichischer Unternehmen hat sich massiv eingetrübt. Der aktuelle Deloitte CFO Survey, für den im April 2026 100 Top-Finanzvorständ:innen befragt wurden, verdeutlicht die tiefen Spuren, die die geopolitischen Umwälzungen hinterlassen. Vor allem die hohen Energiekosten erweisen sich als enorme Belastung für den Standort.

Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich, stellt fest, dass die Finanzvorständ:innen angesichts der aktuellen Lage überwiegend pessimistisch gestimmt seien. Zwei Drittel der Befragten gehen demnach von einer Verschlechterung des Investitionsklimas in den kommenden zwölf Monaten aus. Zudem zeigten sich 59 Prozent hinsichtlich der finanziellen Erfolgsaussichten ihres Unternehmens negativer als noch vor wenigen Monaten. Laut Marterbauer spiegelten diese Einschätzungen die wachsende Unsicherheit am Standort wider. 

Energiekosten als Profitabilitätskiller

Acht von zehn Befragten berichten von spürbar negativen Auswirkungen der hohen Energiekosten auf die Profitabilität ihrer Organisation. Die Sorge vor künftigen Preisschocks bei der Energieversorgung ist groß (52 Prozent), ebenso wie die Angst vor einer weiteren Eskalation des Konflikts im Nahen Osten (46 Prozent).

Besonders kritisch wird die Inflationsentwicklung bewertet. Für die kommenden zwölf Monate wird in Österreich mit einem Anstieg auf 3,3 Prozent gerechnet, während für die Eurozone lediglich 2,7 Prozent prognostiziert werden. Gerhard Marterbauer merkt hierzu an: "Die hohe Inflationserwartung im Inland im Vergleich zur Eurozone macht einmal mehr die starke Energieabhängigkeit Österreichs deutlich". Langfristig könne dieses Problem nur durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen gelöst werden. Interessanterweise unterstützen angesichts dieser Lage mittlerweile 60 Prozent der befragten CFOs auch einen zukünftigen Ausbau der Nuklearenergie in der EU. 

Fokus auf reaktive Absicherung

Um den Krisen entgegenzuwirken, setzen die Unternehmen primär auf kurzfristige Sicherungsmaßnahmen. Zu den am häufigsten genutzten Mitteln zählen der Umfrage zufolge Szenarioanalysen zur Einschätzung etwaiger Risikoeintritte (51 Prozent), interne Stresstests zur Evaluierung der Unternehmensresilienz (33 Prozent) und die Reduktion der Abhängigkeiten von Einkaufs- und Absatzmärkten (33 Prozent).

Für die Zukunft stehen vor allem Kostensenkungen (91 Prozent) und die Verringerung des Betriebsaufwandes (88 Prozent) ganz oben auf der Agenda der Finanzvorständ:innen. Ein wesentlicher Teil (38 Prozent) plant zudem, den Investitionsaufwand im eigenen Unternehmen zu reduzieren. Auch am Arbeitsmarkt sei keine Entspannung in Sicht. So geht die Hälfte der Befragten von einer sinkenden Mitarbeiterzahl in ihrem Unternehmen aus.

Tipps, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Abschließend warnt der Deloitte-Experte davor, die langfristige Transformation aus den Augen zu verlieren. Die Unternehmen priorisierten derzeit reaktive Maßnahmen, während strategische Neuausrichtungen wie Expansionen oder erhöhte Investitionen hintenangestellt würden. Marterbauer betont jedoch: "Die Unternehmen werden aber die Balance zwischen kurzfristiger Stabilisierung und langfristiger Transformation schaffen müssen, wenn Österreich wettbewerbsfähig bleiben soll."

www.deloitte.com

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