Wenn sich führende Vertreter:innen der österreichischen IT-Sicherheitsbranche in der Zentrale von A1 versammeln, geht es längst um mehr als klassische Abwehrmechanismen. Beim Ventum IT Security Expert Summit 2026 stand eine grundlegende Frage im Fokus: Wie können Unternehmen die Kontrolle bewahren, wenn KI-Agent:innen zunehmend autonom agieren?
Der Summit gilt mittlerweile als etablierter Treffpunkt für Sicherheits-Entscheider:innen. Auch in diesem Jahr lud Ventum gemeinsam mit A1 zum Austausch über die praktischen Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die digitale Identitätsprüfung. Dabei wurde deutlich, dass in einer Umgebung automatisierter Angriffe menschliche Reaktionsgeschwindigkeit allein nicht mehr ausreicht.
Digitale Souveränität als wirtschaftlicher Faktor
Den Auftakt bildete eine Keynote zur strategischen Bedeutung digitaler Souveränität in Europa. Martin Resel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von A1, betonte: "Wir stehen im systemischen Wettbewerb zwischen den USA und China. Nur wenn wir die Kontrolle über unsere Datenströme behalten, bleiben wir als Standort wettbewerbsfähig."
Souveränität bedeute heute, so Resel weiter, die Fähigkeit, selbst zu bestimmen, "wer unter welchen Bedingungen Zugriff auf unsere digitale Wertschöpfung hat". Es gehe darum, Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig innovationsfähig zu bleiben.
Identity Management im Zentrum der Sicherheitsstrategie
Die Rolle des Identity Managements habe sich grundlegend gewandelt, erklärte Steffen Sperling, CEO von Ventum Digital Identity Services. Dieses sei lange Zeit "ein stiller Mitläufer der Cybersecurity" gewesen, gewinne jedoch angesichts autonom agierender Systeme massiv an Bedeutung.
Mit dem Aufkommen von KI-Systemen und insbesondere autonomen KI-Agent:innen, so Sperling, müssten Unternehmen nicht mehr nur menschliche Nutzer:innen verwalten, sondern auch maschinelle Akteur:innen, die eigenständig handeln, Entscheidungen treffen und auf sensible Daten zugreifen können.
Die größten Risiken entstünden dort, wo KI unkontrolliert agiere – etwa durch fehlende Governance-Strukturen, unklare Berechtigungen oder sogenannte "Shadow AI"-Anwendungen. Unternehmen, die weiterhin auf manuelle Prozesse setzen, würden damit unbewusst Sicherheitslücken schaffen.
KI als ambivalente Technologie
Beim Summit wurde auch die doppelte Rolle von Künstlicher Intelligenz verdeutlicht. Sie fungiert sowohl als Werkzeug für Angreifer:innen als auch als Instrument zur Verteidigung.
Praxisnahe Einblicke lieferte etwa Praneet Chandra von Spar mit Erfahrungsberichten aus dem Identity- und Access-Management. Klaus Hild von Sailpoint zeigte, wie sich KI-Agent:innen gezielt steuern lassen, während Sadrick Widmann, CEO von cidaas, erläuterte, wie die Identitäten solcher Systeme – von experimentellen Entwicklungsansätzen bis hin zu autonomen Prozessen – abgesichert und authentifiziert werden können.
Josef Füricht, CEO von goodguys, skizzierte das Konzept einer "souveränen KI", das als Grundlage für digitale Selbstbestimmung verstanden werden könne. Jonas Link von Nexis GRC wiederum zeigte auf, wie KI-gestützte Software bestehende Silostrukturen in Organisationen aufbrechen könne.
Kooperation als Schlüssel zur Cyberresilienz
Abschließend waren sich die Expert:innen einig: Der Summit habe deutlich gemacht, dass moderne Sicherheitsarchitekturen – insbesondere im Sinne von Zero-Trust-Ansätzen – in Kombination mit automatisierter Rechteverwaltung für Menschen und Maschinen zunehmend unverzichtbar sind.
Neben den fachlichen Impulsen blieb Raum für Austausch und Vernetzung. Gerade in der Cybersecurity, so der Tenor der Veranstaltung, sei Zusammenarbeit ein entscheidender Erfolgsfaktor. Denn Herausforderungen ließen sich nicht isoliert bewältigen, sondern erforderten Kooperation und geteiltes Wissen.
www.a1.net
www.ventum-infosec.com
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