Die Energiepreise in Österreich stehen erneut unter Druck. Im März hat sich die Inflation spürbar erhöht, wobei insbesondere Treibstoffe und Heizöl als zentrale Treiber gelten. Laut Statistik Austria lag die Teuerungsrate zuletzt bei 3,1 Prozent (LEADERSNET berichtete), wobei der Anstieg maßgeblich auf höhere Energiepreise infolge geopolitischer Entwicklungen zurückzuführen ist.
Parallel dazu hat die Bundesregierung mit der Einführung einer Spritpreisbremse auf die Preisentwicklung reagiert. Die Maßnahme, die seit Anfang April gilt, soll unter anderem durch eine Begrenzung von Margen eine Entlastung von rund zehn Cent pro Liter ermöglichen, wobei ein flächendeckender Rückgang der Preise nicht garantiert ist (LEADERSNET berichtete hier und hier). Vor diesem Hintergrund warnt der Senat der Wirtschaft vor kurzfristigen Eingriffen in die Preisbildung und sieht Risiken für die langfristige Entwicklung der Energiepreise.
Kritik an kurzfristigen Eingriffen
Angesichts steigender Energiepreise im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt weist der Senat der Wirtschaft darauf hin, dass politische Maßnahmen mitunter zu unerwünschten Nebeneffekten führen können. Eingriffe in Marktmechanismen könnten langfristig zu höheren Kosten beitragen und die Belastung für Verbraucher erhöhen.
Im Fokus steht dabei insbesondere die Spritpreisbremse. Diese könne laut Senat zwar kurzfristig eine gewisse Entlastung bringen, gleichzeitig aber den Wettbewerb verzerren und strukturelle Probleme verstärken.
Auswirkungen der Tankstellenregelung
Seit März 2026 ist es Tankstellen in Österreich erlaubt, Preise nur mehr dreimal pro Woche anzuheben, während Preissenkungen jederzeit möglich sind (LEADERSNET berichtete). Nach Einschätzung des Senats führe diese Regelung dazu, dass Anbieter ihre Preise tendenziell höher ansetzen und nur begrenzt nach unten anpassen.
"Wären Kostensteigerungen frei und Senkungen limitiert, würden Preise tiefer starten und der Wettbewerb wirken, sprich Tarife würden sich auf dem niedrigstmöglichen Niveau einpendeln. Die tatsächliche umgekehrte Regelung verzerrt den Markt und blockiert natürliche Wettbewerbsmechanismen. Am Ende zahlen die Konsument:innen drauf", sagte der Senat-Vorsitzende Hans Harrer.
Merit-Order und Wettbewerb
Das Merit-Order-Prinzip legt fest, in welcher Reihenfolge Strom erzeugt wird. Günstige Energiequellen werden zuerst genutzt, während teurere Kraftwerke bei steigender Nachfrage zum Einsatz kommen. Der Preis orientiert sich dabei am teuersten noch benötigten Anbieter.
In der energiewirtschaftlichen Debatte stehen Eingriffe in dieses System zunehmend im Fokus. Vertreter:innen der Branche warnen davor, dass Maßnahmen zur Preisregulierung nicht isoliert betrachtet werden sollten, da sie Auswirkungen auf Versorgungssicherheit und Investitionsanreize haben können (LEADERSNET berichtete).
Der Senat der Wirtschaft betont, dass das System grundsätzlich zur Stabilität des Marktes beitragen soll. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Energieversorger nicht verpflichtet sind, günstigere Produktionskosten vollständig weiterzugeben. In Österreich sei der Wettbewerb zudem durch die Eigentümerstruktur geprägt, da viele Versorger im öffentlichen Besitz stehen. Dadurch würden bestehende Möglichkeiten zur Preisdifferenzierung nur eingeschränkt genutzt. Harrer führt dazu aus: "Die Merit-Order stabilisiert den Strommarkt, garantiert Versorgungssicherheit und schafft klare Investitionsanreize. In Krisenzeiten wie dem Nahost-Konflikt kann der teuerste Erzeuger den Strompreis jedoch stark nach oben treiben, obwohl der Großteil des Stroms aus günstigeren Quellen stammt. Hier spielt die Eigentümerstruktur eine Rolle: Sie muss entflochten und dadurch der Wettbewerb gestärkt werden, um vernünftige Tarife für den Standort auch in außergewöhnlichen Situationen zu gewährleisten."
Strukturelle Ursachen im Fokus
Der Senat der Wirtschaft sieht die Ursachen steigender Preise vor allem in strukturellen Faktoren. Dazu zählen unter anderem staatliche Verschuldung, eine hohe Abgabenquote sowie regulatorische Rahmenbedingungen, die Investitionen erschweren sollen.
Auch energiepolitische Aspekte wie Importabhängigkeit, langsame Genehmigungsverfahren und unzureichend ausgebaute Netze werden als relevante Einflussfaktoren genannt. Zusätzlich könne ein eingeschränkter Wettbewerb die Preisentwicklung beeinflussen.
Forderung nach Reformen
Statt kurzfristiger Maßnahmen plädiert der Senat der Wirtschaft für strukturelle Reformen, um nachhaltige Entlastungen zu erreichen. "Um stabile Preise und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ist eine Entflechtung der Eigentümerstruktur unserer Energieversorger und der konsequente Einsatz aller heimischen Energiepotenziale - von Gasvorkommen im Weinviertel über Wasserkraft, Wind, Solar, Biomasse bis Geothermie - dringend notwendig", betont Harrer abschließend.
www.senat.at
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