Interview zum Thema Unternehmensnachfolge
"Fortführung braucht immer die Würdigung des Bestehenden und den Willen, das Neue zuzulassen"

Im LEADERSNET-Interview sprechen der Geschäftsführer der NeuroPerformanceGroup GmbH, Gerald Krug-Strasshofer, der Geschäftsführer der Strauß Kälte-Klimatechnik, Peter Strauß, Erfolgsautor Bodo Janssen sowie die beiden Geschäftsführer von Ontime Logistics, Moritz Schäffner und Tassilo Posch, über die Komplexität der Unternehmensnachfolge und zeigen gemeinsam auf, wie eine erfolgreiche Weitergabe über Generationen hinweg realisiert werden kann.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Krug-Strasshofer, die NeuroPerformanceGroup GmbH ist ein bei Salzburg ansässiges Unternehmen, das sich auf die Begleitung für Unternehmensnachfolge und die erfolgreiche Weiterführung über Generationen hinweg spezialisiert hat. Ein wichtiger Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit ist das Thema "Unternehmensnachfolge und -fortführung". Was ist aus Ihrer Erfahrung der häufigste emotionale "blinde Fleck", an dem Übergaben scheitern?

Gerald Krug-Strasshofer: Ja, die Unternehmensnachfolge und erfolgreiche -fortführung scheitert selten an Zahlen, Verträgen oder Steuerthemen. Im Gegenteil: Es sind die unklaren Rollenbilder, Identitätsthemen und damit an den höchst emotionalen, menschlichen Themen.

LEADERSNET: Sowohl Sie Herr Krug-Strasshofer als auch Sie Herr Strauß haben die Nachfolge selbst durchlebt. Welches war in Ihren eigenen Prozessen das kritischste Thema, das zwischen Übergeber:in und Übernehmer:in geklärt werden musste, um die operative Fortführung nicht zu gefährden?

Peter Strauß: Ganz eindeutig – fehlende klare Vereinbarungen! Das Fehlen von klaren Vereinbarungen rückt Diskussionen und Streitgespräche in den Fokus – eine strategische Entwicklung ist nicht möglich!

Krug-Strasshofer: In der täglichen Praxis beobachten wir sehr oft, dass es bereits bei der Klarheit der "neuen" Rollen und gegenseitigen Erwartungen nach erfolgter Übergabe scheitert. Dabei hört man oft: "Die Nachfolge ist kein Problem, wir verstehen uns ja super" – und genau da liegt dann auch großes Konfliktpotenzial, wenn die gegenseitigen Vorstellungen dann nicht so eintreten.

LEADERSNET: Kommen wir zur Praxis: Ein Unternehmen lebt von Beziehungen. Wie überführt man eigentlich das exklusive Netzwerk des:r Übergebers:in, aber auch seine:ihre Belegschaft, systematisch in die Hände der nächsten Generation?

Strauß: Prinzipiell lebt jede:r Unternehmer:in von seinen/ihren eigenen Beziehungen – diese sind in vielen Richtungen verankert – zu Mitarbeiter:innen, Kund:innen, Lieferanten und weiteren Geschäftspartner:innen. Durch Zutrauen entsteht Vertrauen – das ist die beste Stärkung für bestehende und neue Beziehungen in allen Richtungen.

LEADERSNET: Wie viel "Altes" muss weg, damit "Neues" fließen kann? Und mit welchen Impulsen stellen Sie sicher, dass Schlüsselkräfte nicht aus Loyalität zum:r alten Chef:in oder Angst vor dem/der Neuen das Unternehmen verlassen?

Krug-Strasshofer: Für eine gelinge Fortführung braucht es immer die Würdigung des Bestehenden und den unbedingten Willen, das Neue zuzulassen und auszubauen. Wir arbeiten dabei mit unserem bewährten "2-Welten-Praxis-Modell", das diese Dynamik auf einen Blick für alle Beteiligten sichtbar macht.

Strauß: Klarheit schaffen – dies ist das zentrale Thema, um Unsicherheit und Angst den Nährboden zu entziehen! Weg muss nur, was den nachhaltigen Erfolg gefährdet – egal ob alt oder neu! In der Praxis ist es die achtsame und respektvolle Verbindung der alten und der neuen Welt, die Unternehmen beflügelt!

LEADERSNET: Im Juni haben Sie außerdem ein exklusives Event in Österreich mit dem Erfolgsunternehmer und Buchautor Bodo Janssen, der selbst den operativen Stab an zwei interne Geschäftsführinnen übergeben hat. Welche Praxis-Tipps haben Sie, Herr Janssen, für Übergeber:innen?

Bodo Janssen: Unternehmensnachfolge ist für mich weniger ein Abgeben als ein Rollenwechsel. Das Loslassen meiner Führungsaufgabe wurde erst möglich, als ich eine klare Perspektive hatte, mich künftig noch stärker dem zu widmen, was mir als Mensch und für die Menschen im Unternehmen wirklich wichtig ist. Das Bild einer Familie hilft mir dabei: Ich bin vom Vater zum Großvater geworden, verbunden und unterstützend, aber nicht mehr in der operativen Verantwortung. Genau darin liegt für mich die Kraft einer gelingenden Übergabe.

LEADERSNET: Welche Rolle spielt das gegenseitige Vertrauen in die Kompetenz der Nachfolger:innen, wenn man als Inhaber:in die Verantwortung abgibt?

Strauß: Eine ständige bewertende Haltung in Bezug auf richtig oder falsch bzw. gut oder schlecht ist wenig hilfreich. Vielmehr sind es gegenseitige Erinnerungen an z. B. getroffene Vereinbarungen, die Wertschätzung und Vertrauen wachsen lassen.

Krug-Strasshofer: Vertrauen ist die Basis für alles und den nachhaltigen Erfolg. Der bisherige Firmenlenker darf darauf vertrauen, dass der/die Nachfolger:in das Unternehmen kompetent weiterführt und dabei die Werte weiterträgt. Gleichzeitig braucht der/die Nachfolger:in das Vertrauen, dass der/die Übergeber:in loslassen kann und auch die notwendigen Entscheidungsfreiräume gibt.

LEADERSNET: Und zu guter Letzt: Lassen wir doch mal ganz im Sinne "Aus der Praxis, für die Praxis" die Nachfolgegeneration von einem Unternehmen selbst sprechen, das vor Kurzem genau diesen wichtigen Prozess erfolgreich gemeistert hat.

Moritz Schäffner und Tassilo Posch (Geschäftsführer Ontime Logistics): Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge ist kein Moment, sondern ein Prozess – und zwar einer, der Vertrauen, Offenheit und gegenseitiges Verständnis braucht. So haben wir es erlebt, als wir die Führung von unseren Vätern übernommen haben. Wir hatten das große Glück, auf einer stabilen Basis und einem engagierten Team aufzubauen. Uns war von Anfang an klar: Wir wollen das weiterführen, was Ontime ausmacht – Leidenschaft, Verlässlichkeit und den Mut, neue Wege zu gehen – und gleichzeitig unseren eigenen Zugang einbringen.

Die Unternehmensübergabe wurde bei uns nicht als abruptes Ereignis verstanden, sondern als bewusster, strukturierter Prozess. Unterstützt von Gerald Krug-Strasshofer und der NeuroPerformanceGroup gelang es, diesen Weg Schritt für Schritt zu gestalten: mit ehrlichen Gesprächen, klarer Verantwortung und viel gegenseitigem Respekt. Ein entscheidender Punkt dabei war, dass sich alle Beteiligten intensiv mit ihren Rollen auseinandersetzten – Vater, Eigentümer, Geschäftsführer, Sohn. Nur wenn man versteht, was jede dieser Rollen bedeutet, kann man als Team funktionieren. Für das Familienunternehmen bedeutet das: Stillstand ist keine Option – Veränderung gehört fest zur DNA der Firma: Ontime soll auch in Zukunft der Lieblingsspediteur und #yourbestchoice für Kunden, Partner und Mitarbeiter:innen sein und bleiben.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.npgroup.at

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