In einer komplexen und global vernetzten Welt fungiert der Wirtschaftsjournalismus als unverzichtbarer Kompass. So übersetzt er etwa abstrakte Zahlen und indem er Fakten einordnet, aber auch Hintergründe kritisch beleuchtet, befähigt er Bürger:innen sowie Entscheider:innen gleichermaßen, fundierte Urteile zu fällen. Das macht qualitativ hochwertigen Journalismus nicht nur zur Informationsquelle, sondern zu einem entscheidenden Fundament für das Verständnis unserer gesellschaftlichen und ökonomischen Stabilität.
Um ebendiese anspruchsvollen Übersetzungsleistungen zu würdigen, wurde der Journalismuspreis der Industrie ins Leben gerufen, der inzwischen einen festen Platz in der Medienlandschaft gefunden hat. Heuer wurde er bereits zum dritten Mal verliehen und würdigte damit erneut herausragende Arbeiten, die Licht ins Dickicht der Wirtschaftsthemen bringen.
Mehrere Kategorien und Milan Frühbauer-Preis
Die in mehreren Kategorien dotierte Auszeichnung wird durch die Industriellenvereinigung (IV) verliehen. Parallel dazu fand die feierliche Übergabe des Milan-Frühbauer-Preises statt, mit dem besondere Leistungen im Bereich des Wirtschaftsjournalismus gewürdigt werden. "Gerade in herausfordernden Zeiten ist fundierter und verständlicher Wirtschaftsjournalismus unverzichtbar. Er hilft, komplexe Entwicklungen einzuordnen und trägt wesentlich zu einer sachlichen öffentlichen Debatte bei", so Christoph Neumayer, IV-Generalsekretär.
Die Preisträger:innen des heurigen Journalismuspreises
In der Kategorie "Print & Online" wurde Sebastian Hofer prämiert, der seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur schreibt. Er erhielt die Auszeichnung für seinen Beitrag "Dotterdämmerung". Anknüpfend an die aktuelle Lage am Eiermarkt analysierte Hofer die Verflechtungen zwischen globaler Wirtschaft, Produktion und Kulturgeschichte. Der Text zeichnet sich dabei durch eine klare Sprache und eine strukturierte Darstellung aus, die auch komplexe Themenbereiche zugänglich macht.
In der Kategorie "Interview" durfte Matthias Auer den Preis entgegennehmen. Auer ist seit 2008 Teil des Wirtschaftsressorts der Presse und schreibt dort vor allem über Energie, Innovation und Klima bzw. Klimapolitik sowie über deren Folgen für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit im Land. Den Journalismuspreis erhielt er für seine Arbeit "In Österreich ist es oft am besten, wenn man nichts macht". Das Interview besticht dabei laut der Jury durch eine gelungene Auswahl des Gesprächspartners sowie durch eine präzise und stringente Gesprächsführung. So heißt es: klare, direkte Fragen treffen auf differenzierte und pointierte Antworten zu aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen und globalen Zusammenhängen.
Kathrin Pollak, Host des ZIB-YouTube Kanals und Moderatorin der ZIB-Sendungen in ORF1, wurde wiederum in der Kategorie "Bewegtbild, Radio & Podcast" prämiert. Ihr Explainer "Wie schlimm ist das Budgetloch wirklich?" hat ein komplexes und politisch hochrelevantes Thema verständlich und strukturiert aufbereitet, wodurch die wirtschaftlichen Hintergründe auch für ein jüngeres Publikum nachvollziehbar gemacht wurden. Die Reihe habe sich insgesamt durch präzise Sprache und ausgewogene Einordnung unterschiedlicher Perspektiven ausgezeichnet.
Ebenfalls Preisträger in diesem Jahr ist Aloysius Widmann, der den Preis in der Kategorie "Kurzbeitrag & Kommentar" erhielt. Er arbeitet als Redakteur bei der Tageszeitung Die Presse in Wien und schreibt über Innovation, Digitalisierung sowie Wirtschaft. Sein Kommentar "Der wahre Gegner unseres Wohlstands" konnte durch eine klare Sprache und gedankliche Präzision überzeugen, die das komplexe Thema auf den Punkt brachten. Zudem formulierte der 1990 Geborene eine zugespitzte, doch zugleich nachvollziehbare These, die zum Weiterdenken angeregt habe.
Und schließlich wurde der Preis auch in der Kategorie "Newcomer" vergeben – und zwar an Hannah Müller, vom Nachrichtenmagazin profil. Ihr Beitrag "Grazer Mietpreiszuckerl" basiert auf einer fundierten Recherche, beleuchtet mit einem klaren Zugang die Entwicklungen am Wohnungsmarkt und arbeitet präzise die Spannungsfelder zwischen politischen Zielsetzungen und tatsächlicher Entwicklung heraus. Ebenfalls in der Kategorie ausgezeichnet wurde auch Nicolas Dworak von der Tageszeitung Der Standard für seinen Beitrag "Das böse China gängelt den Westen? Warum die Erzählung einen Haken hat". Der Text besticht laut der Jury durch einen differenzierten Zugang zu einem geopolitisch relevanten Thema, analytische Schärfe und die Fähigkeit, neue Perspektiven aufzuzeigen.
Verleihung des Milan Frühbauer-Preises
Der Titel als "Wirtschaftsjournalistin des Jahres" ging heuer an Madlen Stottmeyer, die dafür den Milan Frühbauer-Preis erhielt. Mit ihrer Berichterstattung setzt sie Maßstäbe in der Einordnung eines der zentralen wirtschaftlichen Ereignisse der jüngeren Vergangenheit – insbesondere rund um die Signa-Thematik. Dabei verbindet ihre Arbeit analytische Tiefe mit verständlicher Aufbereitung und einem klaren Blick auf das große Ganze, so die Jury. Zudem ist sie seit Kurzem Chefreporterin bei der Presse (LEADERSNET berichtete).
Über die Jury
Über die Vergabe der Preise entschied eine unabhängige Fachjury. Dem Gremium gehörten die langjährige ORF-Journalistin Hannelore Veit, Meret Baumann (Präsidentin der Auslandspresse in Wien) und Monika Köppl-Turyna (Direktorin von EcoAustria) an. Seitens der Industriellenvereinigung komplettierten Generalsekretär Christoph Neumayer, Chefökonom Christian Helmenstein sowie Dominik Futschik (Bereichsleiter Strategie & Kommunikation) die Expertenrunde.
Einen Eindruck von der Preisverleihung können Sie sich mittels Galerie verschaffen.
www.journalismuspreis.at
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