Fotos der "Wiener Wachstum"-Präsentation
Neuer Fördertopf soll Abwanderung innovativer KMU stoppen

| Tobias Seifried 
| 09.04.2026

Wien und die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien starten mit "Wiener Wachstum" ein neues Finanzierungsmodell für den Mittelstand, um die Eigenkapitalbasis in Zukunftssektoren zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. 

Zur Schließung struktureller Finanzierungshürden in der Expansionsphase lancieren die Stadt Wien und die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien die Initiative "Wiener Wachstum". Das Instrument ist darauf ausgerichtet, etablierten Klein- und Mittelunternehmen (KMU) den Übergang zu größeren Markteinheiten zu erleichtern. Ab 2027 werden sieben Millionen Euro bereitgestellt. Die operative Leitung übernimmt die Wachstum Wien GmbH im Auftrag der Wirtschaftsagentur Wien in Zusammenarbeit mit der Raiffeisen-Holding.

Unterstützung bei der Weiterentwicklung

Michael Höllerer, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, betonte im Rahmen einer Pressekonferenz die Absicht des Instituts, als stabiler Partner die Unternehmensentwicklung aktiv mitzugestalten. Es sei das klare Ziel der Holding, Investitionen dort zu tätigen, "wo Zukunft entsteht". Die Kooperation mit der Stadt Wien stelle laut Höllerer eine wertvolle Option dar, KMU bei ihren nächsten Skalierungsschritten zu begleiten.

Bürgermeister Michael Ludwig verwies auf die ökonomische Bedeutung der Bundeshauptstadt und den jüngsten Gründungsrekord (LEADERSNET berichtete). Angesichts erschwerter Rahmenbedingungen durch die geopolitische Lage schaffe man nun ein Instrument, das Gründer:innen gezielt im nächsten Entwicklungsschritt unterstütze. Laut Ludwig sei es von zentraler Bedeutung, dass KMU als Beschäftigungsmotoren ihre Expansion in der Heimatstadt realisieren könnten. Dies sichere langfristig das Wirtschaftswachstum in Wien, so der Bürgermeister.

Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak führte aus, dass mit "Wiener Wachstum" eine spezifische Lücke im Finanzierungssystem geschlossen werde. Das Ziel sei eine Erhöhung der Wertschöpfung am Standort sowie die Unterstützung bei der Internationalisierung und technologischen Weiterentwicklung. Man stelle sieben Millionen Euro zur Verfügung, um KMU "rasch und flexibel" zu fördern.

Struktur und Zielsektoren des Modells

Das Kapital wird in Tranchen von 100.000 bis 500.000 Euro vergeben. Im Gegensatz zu herkömmlichen Förderungen basiert das Modell auf einem nachhaltigen Finanzierungskreislauf: Die Mittel werden vollständig ausgezahlt, wobei künftige Gewinne anteilsmäßig an die Wachstum Wien GmbH zurückfließen, um neue Investitionen zu ermöglichen.

Der Fokus liegt dabei auf Branchen mit hoher strategischer Relevanz. In der Gesundheitswirtschaft, die in Wien über 50 Prozent der österreichischen Life-Science-Unternehmen umfasst und für mehr als ein Drittel der städtischen Warenexporte verantwortlich zeichnet, sieht die Stadt massives Potenzial. Ebenso werden Unternehmen der Digitalwirtschaft adressiert, wobei insbesondere Softwareentwicklung, Quantentechnologie und künstliche Intelligenz als wesentliche Treiber für hochqualifizierte Arbeitsplätze identifiziert wurden.

Abwanderung verhindern

Die Initiative soll zudem verhindern, dass innovative Betriebe aufgrund von Kapitalmangel ins Ausland abwandern. Die operative Tätigkeit der Gesellschaft wird im Herbst 2026 aufgenommen, wobei erste Finanzierungstranchen für das Kalenderjahr 2027 avisiert sind. Durch diese Kooperation zwischen öffentlicher Hand und privatem Bankwesen soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit Wiens in technologischen Zukunftsfeldern gefestigt werden.

LEADERSNET war bei der Pressekonferenz. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.wirtschaftsagentur.at/wiener-wachstum

www.raiffeisenholding.com

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