Bank Austria Einkaufsmanagerindex
Österreichs Industrie wächst trotz steigendem Kostendruck

| Redaktion 
| 29.03.2026

Der aktuelle Anstieg des EinkaufsManagerIndex wurde von einer Verbesserung aller Umfragewerte getragen. Jetzt erhöht der Iran-Krieg aber die Kosten und belastet die Aussichten.

Am Freitag veröffentlichte die UniCredit Bank Austria ihren Einkaufsmanagerindex für März. Dieser zeigt, dass die österreichische Industrie am Ende des ersten Quartals den Aufwärtstrend fortgesetzt hat. 

"Der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex stieg im März auf 52,4 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit fast vier Jahren. Der Indikator signalisiert damit eine Festigung der laufenden Erholung", sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: "Hoffentlich erweist sich die positive Entwicklung nicht als Ruhe vor dem Sturm. Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten waren im März bereits in Form von Störungen der Lieferketten und starken Kostenanstiegen für die österreichischen Betriebe spürbar."

Der Anstieg des Index wurde durch Verbesserungen in allen abgefragten Bereichen getragen. Teilweise dürften diese Entwicklungen jedoch auch auf Reaktionen der Unternehmen auf erwartete Belastungen zurückzuführen sein.

UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex © S&P Global/UniCredit Bank Austria 

Nachfrage und Produktion steigen

Im März konnte die Industrie ihre Produktion stärker ausweiten als im Vormonat. Ausschlaggebend dafür war laut dem Experten vor allem ein deutlicher Anstieg der Neuaufträge aus dem In- und Ausland. "Im März steigerte die österreichische Industrie ihre Produktionsleistung stärker als im Vormonat, nachdem das Neugeschäft auch wegen Vorziehkäufen aus Sorge um Lieferunterbrechungen spürbar zunahm. Der gestiegene Druck auf die Lieferketten machte sich bereits in einer massiven Verlängerung der Lieferzeiten sowie in einem deutlichen Kostenanstieg bemerkbar. Die Beschäftigung in der Industrie ging erneut zurück, jedoch zumindest mit geringerem Tempo", fasst Bruckbauer die wichtigsten Umfrageergebnisse zusammen.

Auch im europäischen Vergleich zeigte sich eine ähnliche Entwicklung. Der Einkaufsmanagerindex im Euroraum lag im März bei 51,4 Punkten, wobei insbesondere Deutschland zur Verbesserung beitrug. "Der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex übertraf im März erstmals in diesem Jahr die entsprechenden Indikatoren für den Euroraum und für Deutschland. Dabei stach die heimische Industrie mit einer stärkeren Produktionsausweitung und höheren Auftragszuwächsen als der Euroraum hervor. Allerdings zeigte sich eine empfindlichere Reaktion auf den Iran-Krieg in Form von höheren Kostensteigerungen und einer deutlich stärkeren Verlängerung der Lieferzeiten", meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Vorzieheffekte verzerren die Entwicklung

Die gestiegene Nachfrage wurde teilweise durch Vorziehkäufe beeinflusst. Unternehmen stockten ihre Bestellungen auf, um möglichen Lieferengpässen und weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. "Das zweite Auftragsplus in Folge war im März so hoch wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Der Index für die Neuaufträge kletterte auf 52,4 Punkte, gestützt auf eine anhaltend steigende Nachfrage aus dem Inland und erstmals seit längerer Zeit auch wieder einem Auftragszuwachs aus dem Ausland", so Pudschedl und ergänzt: "Neben der laufenden konjunkturellen Erholung zog die Nachfrage auch aufgrund des Krieges im Nahen Osten an. Einige Betriebe zogen Bestellungen vor, um mit volleren Lagern möglichen Lieferunterbrechungen und weiteren Preissteigerungen besser begegnen zu können."

Erstmals seit Mitte 2022 wurden auch die Einkaufsmengen wieder erhöht. Gleichzeitig verlängerten sich die Lieferzeiten deutlich, was den Druck auf die Lieferketten weiter verstärkte.

Kostenanstieg belastet Margen

Die zunehmenden Lieferprobleme und die Entwicklung auf den Energiemärkten führten zu einem deutlichen Anstieg der Einkaufspreise. Insbesondere Energie- und Transportkosten verteuerten sich spürbar, ebenso verschiedene Rohstoffe. Zwar wurden auch die Verkaufspreise angehoben, jedoch in geringerem Ausmaß als die Kosten. Dadurch verschlechterte sich die Ertragslage der Unternehmen.

"Angesichts des sehr starken Kostenanstiegs, der nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werden konnte, hat sich die Ertragslage der heimischen Betriebe im Durchschnitt deutlich verschlechtert. Der im Wesentlichen seit über einem Jahr anhaltende Trend sinkender Margen beschleunigte sich im März deutlich. Das Indexverhältnis Input- zu Outputpreisen fiel auf den ungünstigsten Wert seit fünf Jahren", meint Pudschedl.

Beschäftigungsrückgang hält an

Trotz steigender Produktion und höherer Nachfrage setzte sich der Beschäftigungsabbau in der Industrie fort, wenn auch in abgeschwächter Form. "Mit zunehmender Dauer des Iran-Kriegs wird die erwartete Entspannung der Arbeitsmarktlage in der heimischen Industrie im Jahresverlauf 2026 immer unwahrscheinlicher. Nach durchschnittlich 4,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025 gehen wir für 2026 mittlerweile von einem leichten Anstieg auf 4,4 Prozent aus. Damit wird die Arbeitslosenquote in der Sachgütererzeugung aber weiter deutlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft mit voraussichtlich 7,4 Prozent bleiben", sagt der Experte.

UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex und Teilindizes © S&P Global/UniCredit

Ausblick bleibt gedämpft

Trotz der aktuellen Verbesserung dürfte der Aufschwung nicht nachhaltig sein. Steigende Energiepreise und anhaltende Störungen der Lieferketten belasten die weiteren Perspektiven der Industrie.

"Die Geschäftserwartungen der heimischen Industriebetriebe auf Jahressicht haben sich angesichts der Unsicherheiten infolge des Iran-Kriegs deutlich eingetrübt. Der Rückgang gegenüber dem Vormonat war der stärkste seit der russischen Invasion in der Ukraine zu Beginn des Jahres 2022. Dennoch zeugt der Erwartungsindex mit 57,7 Punkten weiterhin von zumindest leichtem Optimismus", meint Bruckbauer und ergänzt abschließend: "Letztlich hängt der Ausblick für die heimische Industrie stark von der Dauer des Krieges und den Auswirkungen auf die Energiemärkte und Lieferketten ab. Eine rasche Lösung des Konflikts scheint mittlerweile unwahrscheinlicher geworden zu sein, was Verwerfungen auf den Energiemärkten und Beeinträchtigungen der Lieferketten über das gesamte Jahr 2026 erwarten lässt. Wir sind jedoch optimistisch, dass die heimische Industrie selbst unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen eine erneute Rezession vermeiden kann."

www.bankaustria.at

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