Hoch über den Dächern Wiens wurde am Dienstagabend erstmals der "Leaders of Transformation-Barometer" (siehe Infobox) präsentiert. Die von Business Gladiators gemeinsam mit Leitbetriebe Austria durchgeführte Erhebung gilt als bislang größte Stimmungsanalyse unter Österreichs Top-Entscheidungsträger:innen.
Insgesamt 215 CEOs, Eigentümer:innen und C-Level-Führungskräfte zeichnen ein einheitliches Bild: Die wirtschaftliche Lage wird überwiegend kritisch beurteilt, gleichzeitig steigt der Druck zur Transformation deutlich.
Stimmung "extrem angespannt"
Laut Studienleiter und Business Gladiators Managing Partner Alexander Zauner sei die wirtschaftliche Stimmung "extrem angespannt" und der Transformationsdruck nehme "rasant" zu. Gastgeber Philipp Maderthaner, Gründer von Business Gladiators, betonte, die Fähigkeit zur Anpassung entscheide über Erfolg oder Scheitern.
Lediglich neun Prozent der Befragten bewerten die wirtschaftliche Lage als gut, während 91 Prozent diese nur als neutral oder schlecht einschätzen. Mehr als die Hälfte sieht einen hohen bis sehr hohen Veränderungsbedarf im eigenen Unternehmen. Gleichzeitig messen 96 Prozent Nachhaltigkeit und ökologischer Verantwortung derzeit keine Priorität bei.
© Business Gladiators
Zwischen Anpassungsdruck und operativer Realität
Diese Einschätzungen spiegelten sich auch in der von Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, moderierten Podiumsdiskussion wider. Michael Hempt, Geschäftsführer Würth, Ulrike Retter, Geschäftsführerin Retter Bio-Natur-Resort, sowie ASFINAG-Vorstandsdirektor Hartwig Hufnagl erörterten die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Österreich aus unternehmerischer Perspektive.
Michael Hempt führte aus, in Zeiten hoher Unsicherheit sei es entscheidend, klar zu kommunizieren, Chancen aktiv zu nutzen und die eigene Organisation kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ulrike Retter verwies auf eine zunehmende Zurückhaltung bei Firmenkunden, kurzfristigere Buchungszyklen sowie steigenden Kostendruck. Gleichzeitig betonte sie, Transformation könne auch als Chance verstanden werden, Prozesse zu vereinfachen und die Qualitätsorientierung zu stärken.
Transformation zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Trotz des klar erkannten Handlungsbedarfs bleibt die Umsetzung vielfach hinter den Erwartungen zurück. Für 28,7 Prozent der Befragten stellt das Tagesgeschäft den größten Hemmschuh für Transformation dar. Hinzu kommen strukturelle und kulturelle Faktoren wie Silodenken, mangelndes Alignment im Management sowie fehlende Verankerung von Veränderungsprozessen in der Unternehmenskultur.
Hartwig Hufnagl verwies in diesem Zusammenhang auf bestehende Belastungen wie hohe Kosten und fragile Lieferketten. Zugleich betonte er, klare Zielbilder sowie die Aussicht auf effizientere Prozesse seien zentrale Hebel, um Transformation voranzutreiben. Entscheidend sei jedoch, die Mitarbeiter:innen einzubinden – andernfalls bleibe Veränderung wirkungslos.
Auch Alexander Zauner unterstrich die Bedeutung kultureller Faktoren und hielt fest: "KI und Digitalisierung nützen wenig, wenn die Kultur nicht mitzieht."
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Technologischer Fortschritt trifft auf kulturelle Hürden
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz wird von der überwiegenden Mehrheit der Führungskräfte positiv bewertet: 81 Prozent stehen ihr offen gegenüber, vielfach wird sie bereits in zentralen Unternehmensprozessen genutzt. Anwendungen reichen von datenbasierter Steuerung bis hin zu Optimierungen in Vertrieb und Wissensmanagement.
Gleichzeitig zeigt sich eine Diskrepanz zwischen strategischer Bereitschaft und operativer Umsetzung. Während sich rund zwei Drittel der Führungskräfte als transformationsbereit einschätzen, wird die Motivation der Mitarbeiter:innen deutlich kritischer beurteilt.
Für Monica Rintersbacher ist daher klar, dass technologische Initiativen allein nicht ausreichen. "Technologie allein reicht nicht – entscheidend ist, wie konsequent Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen einbinden und Verantwortung im gesamten Unternehmen verankern." Produktivität und nachhaltige Transformation entstünden nur, wenn Verantwortung breit getragen werde, so Rintersbacher.
Fazit
Die Ergebnisse der Studie deuten weniger auf ein Erkenntnis- als vielmehr auf ein Umsetzungsproblem hin. Österreichs Unternehmen sind sich der Notwendigkeit von Veränderung bewusst – die Herausforderung liegt jedoch darin, diese konsequent in den organisationalen Alltag zu integrieren und kulturell zu verankern. Betriebe, die auch in Zukunft erfolgreich sein sollen, werden langsam aber sicher ins Tun kommen müssen.
Mit dabei waren
Der Einladung ins Business-Gladiators-Office im 21. Stock des Icon Vienna folgten unter anderem Anne Aubrunner (FMTG Invest), Christine Catasta (Multiaufsichtsrätin), Thomas Dittrich (REIWAG), Lukas Hackl (Dr. Richard), Reinhard Karl (Raiffeisen NÖ-Wien), Martin Kriks (Jungheinrich), Lisa Sigl (SiNe Hospitality Group), Michael Nell (SiNe Hospitality Group), Ulrike Rabmer-Koller (Rabmer Group), Wolfgang Layr (Volksbank Wien), Manuela Lindlbauer (LP Experts), Tobias Seifried (LEADERSNET) oder Aurélie Tournan (Donau Soja).
LEADERSNET war bei der Präsentation. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.
www.leitbetriebe.at
www.businessgladiators.com
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