Zum Auftakt spannte Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, den Bogen von geopolitischen Spannungen bis hin zu strukturellen Problemen im heimischen Markt. Er verwies auf steigende Energiepreise, zunehmende Unsicherheiten in den Lieferketten und die wachsende regulatorische Belastung. "Wir dürfen uns in Europa nicht länger mit Bürokratie verzetteln. Mit steigenden Energiepreisen und geopolitischen Konflikten stehen neue Verwerfungen bevor", so Will. Allein die Bürokratie koste den Standort jährlich rund 15 Milliarden Euro.
Auch Staatssekretär Sepp Schellhorn griff dieses Thema auf. Er betonte die Bedeutung des stationären Handels für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und forderte strukturelle Reformen: "Wir müssen schneller, schlanker und einfacher werden", so Schellhorn.
Künstliche Intelligenz als Treiber der Transformation
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Künstlichen Intelligenz im Handel. Zukunftsforscher Dietmar Dahmen stellte dabei den Faktor Mensch in den Mittelpunkt. "Wir haben in Europa das Wissen, wir haben die Talente, wir haben Innovationskraft. Was uns oft fehlt, ist die Fähigkeit, Ressourcen entschlossen in Tempo zu übersetzen. Dabei geht es darum, jetzt zu handeln: Kapital klug einsetzen, Infrastruktur modernisieren, Daten nutzbar machen. Unternehmen, die in diesen Bereichen Geschwindigkeit aufnehmen, verschaffen sich Luft und Sichtbarkeit", ist Dahmen, der auch Ehrenmitglied im Bundesverband für Künstliche Intelligenz ist, überzeugt.
Diskutiert wurde auch die konkrete Anwendung im Handel. Robert Zniva, Experte für digitalen Handel an der FH Salzburg und Christian Kaupa, Kyndryl, Manager im IT- und Beratungsbereich, beleuchteten die Auswirkungen von KI auf das Einkaufserlebnis. Gerald Eder-Schmidinger, Executive Director Sales bei Crif Austria, verwies auf Risiken in den Lieferketten und die Bedeutung von Compliance und Daten.
Innovation und neue Geschäftsmodelle im Fokus
Im Rahmen des Innovation-Zappings präsentierten mehrere Start-ups ihre Lösungen. Peter Buchroithner, Gründer des AI-Startups Findable, Chris Newman, Co-Founder von crewhub, Dominik Frey, Geschäftsführer von Leads & Content, sowie Jan-Peter Ruhso, CEO von nurdu, und Eve-Maria Trotberger, wissenschaftliche Leiterin von nurdu, zeigten neue Ansätze für den Handel. Moderiert wurde der Pitch von Markus Kuntke, Head of Trend and Innovation bei der Rewe Group sowie Leiter des Fachforums "Innovation, Künstliche Intelligenz & Start-ups“ im Handelsverband.
Auch Themen wie New Leadership standen im Fokus. Utho Creusen, Experte an der Universität St. Gallen, verwies auf die Bedeutung von Unternehmenskultur und Teamzusammenhalt für die Generation Z.
Im Zukunftstalk diskutierten Theresa Schleicher, Zukunftsforscherin bei The Future:Project, Adel Hafizovic von NEOH, Herman Konings, Trend- und Zukunftsforscher bei nXt, und Victor Vecsei, Gründer von Marswalk, über neue Handelskonzepte.
Europa im Umbruch und neue Wettbewerbsrealitäten
Einer der Höhepunkte des Tages war ein hochkarätig besetzter Wirtschaftstalk. Alexander Schallenberg, ehemaliger Bundeskanzler und Außenminister, und Gerhard Drexel, langjähriger Spar-Vorstandsvorsitzender und aktueller Aufsichtsratsvorsitzender des LEH-Marktführers, diskutierten über geopolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf den Handel. Alexander Schallenberg, sichtlich gelöst von der Last des permanenten politischen Krisenmanagements, plädierte für mehr Optimismus. "Was mich in Europa am meisten bedrückt, ist die Schwarzmalerei. Wofür ich plädiere: Wir müssen an uns arbeiten und diese selbst-heruntermachende Stimmung endlich ablegen, so der Altkanzler. Gerhard Drexel wies hingegen mit gewohnt deutlichen Worten auf ungleiche Wettbewerbsbedingungen durch Onlinehändler aus Fernost hin. Auch die österreichische Politik nahm Drexel ins Visier. Das Gesetz gegen Shrinkflation bezeichnete er etwa als kontraproduktiv, weil es die Inflation noch zusätzlich anheizen würde.
Auch die so kritisierte Bundesregierung war in der Person von Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, vertreten. Holzleitner überreichte im Rahmen der Veranstaltung den mit 14.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis für herausragende wissenschaftliche Publikationen. In ihrer Rede betonte sie die Bedeutung von Forschung für Europa.
FMCG-Award: Auszeichnungfür Manner, Stiegl und Werner & Mertz
Ein weiteres Highlight des Handelskolloquiums war die Verleihung der FMCG-Awards an Manner, Stiegl und Werner & Mertz. Die Awards wurden von Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbandes, Rainer Will und Davide Falzone, Geschäftsführer von Bring! Labs Deutschland, verliehen. Der Markenartikelverband hatte die Schirmherrschaft der Awards übernommen, die der Handelsverband jährlich auslobt. Manner-Marketingleiterin Julia Hrabal und Manner-Vertriebsleiter Manuel Sieber freuten sich über den ersten Platz: "Den FMCG-Award 2026 zu gewinnen, ist eine großartige Bestätigung für uns und unsere 800 Beschäftigten. Der Preis steht für die langjährige, starke und respektvolle Partnerschaft von Manner mit dem Handel."
Zu den Top-10 FMCG-Partnern des Landes, die heuer das Finale erreichten, zählten neben den drei Gewinnern Berglandmilch, Brau Union, fritz kola, Haubis, NEOH, Seeberger und Tante Fanny Frischteig.
KEYaccount/LEADERSNET war vor Ort. Fotos finden Sie in unserer Galerie.
www.handelsverband.at
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