LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Scheibelberger, was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit – die Technik, das Regelwerk oder die Möglichkeit, Systeme effizienter zu machen?
Daniel Scheibelberger: Mich begeistert vor allem die Verbindung von Landwirtschaft und moderner Technik. Viele Betriebe arbeiten heute mit hochtechnischen Maschinen und digitalen Systemen. Wenn diese Technologien richtig eingesetzt werden, können sie Landwirten helfen, ihre Flächen genauer zu bewirtschaften und Arbeitsabläufe besser zu strukturieren. Es freut mich, wenn Technik im Betrieb wirklich einen praktischen Nutzen bringt.
LEADERSNET: Ihr Büro ist auf digitale Lösungen in der Landwirtschaft spezialisiert. Erklären Sie uns bitte ein wenig Ihren Tätigkeitsbereich. Welche Entwicklungen beobachten Sie in diesen Bereichen besonders genau?
Scheibelberger: Mit meinem Ingenieurbüro unterstütze ich landwirtschaftliche Betriebe bei der Einführung und Nutzung digitaler Technologien. Dazu gehören beispielsweise die Beratung und technische Unterstützung für automatische Lenksysteme, die digitale Flächenerfassung sowie Vermessungen mit Drohnen. Auch die Verarbeitung und Auswertung von Geodaten spielt eine wichtige Rolle. Besonders spannend finde ich, wie sich Präzisionslandwirtschaft immer stärker im Alltag der Betriebe etabliert.
LEADERSNET: Wie können Ihre Leistungen dazu beitragen, landwirtschaftliche Bau- oder Infrastrukturprojekte nachhaltiger und zukunftssicher zu gestalten?
Scheibelberger: Durch digitale Vermessung und genaue Flächendaten lassen sich landwirtschaftliche Flächen sehr präzise darstellen. Das erleichtert die Planung von Wein- und Obstbauanlagen, Bewirtschaftungsflächen oder Infrastrukturleitungen. Gleichzeitig hilft eine gute Fahrspurplanung dabei, Maschinen effizient einzusetzen und zu häufige Überfahrten zu vermeiden.
LEADERSNET: In welchen Bereichen ist Ihr Ingenieurbüro aktuell besonders gefragt – und wo steckt Ihrer Meinung nach noch ungenutztes Potenzial?
Scheibelberger: Viele Betriebe interessieren sich derzeit für automatische Lenksysteme und digitale Flächendaten. Hier gibt es großen Bedarf an Unterstützung bei der Einrichtung und Anwendung dieser Systeme. Gleichzeitig sehe ich noch viel Potenzial bei der Nutzung der vorhandenen Daten – viele Maschinen liefern bereits Informationen, die in der Praxis noch stärker genutzt werden könnten.
LEADERSNET: Mit welchen Tools oder Methoden unterstützen Sie Ihre Kund:innen bei der Umsetzung komplexer technischer Entscheidungen?
Scheibelberger: Ich arbeite unter anderem mit Geoinformationsdaten, digitalen Geländemodellen und Drohnenvermessungen. Diese Informationen helfen dabei, Flächen genauer zu analysieren und technische Anwendungen besser zu planen. Besonders bei der Einrichtung von Lenksystemen ist eine präzise Datengrundlage entscheidend.
LEADERSNET: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Automatisierung generell in Ihrer Branche – wo liegen die Chancen bzw. wo sehen Sie dabei die größte Gefahr?
Scheibelberger: Digitalisierung bietet große Chancen für die Landwirtschaft, weil sie Abläufe präziser planbar macht und den Einsatz von Maschinen effizienter gestaltet. Gleichzeitig ist wichtig, dass die Systeme auch wirklich verstanden werden. Technik allein reicht nicht – sie muss zum jeweiligen Betrieb passen und sinnvoll eingesetzt werden.
LEADERSNET: Welche technologischen Entwicklungen beobachten Sie derzeit mit besonderem Interesse – und bei welchen glauben Sie, dass sie Ihre Branche in den nächsten Jahren grundlegend verändern könnten?
Scheibelberger: Besonders spannend ist die Weiterentwicklung der Präzisionslandwirtschaft. Technologien wie Drohnen, digitale Flächendaten oder automatische Lenksysteme entwickeln sich laufend weiter und eröffnen neue Möglichkeiten für eine genauere Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen.
LEADERSNET: Ihr Unternehmen ist regional stark verankert. Wie gelingt es Ihnen, Nähe zur Kundschaft und technisches Know-how zu verbinden?
Scheibelberger: Der persönliche Kontakt zu den Betrieben ist sehr wichtig. Viele meiner Leistungen bestehen darin, Landwirte direkt vor Ort bei der Anwendung neuer Technologien zu unterstützen. So lassen sich Lösungen entwickeln, die wirklich zum jeweiligen Betrieb passen.
LEADERSNET: Können Sie ein aktuelles Projekt nennen, das sinnbildlich für Ihre Arbeitsweise und Ihr Innovationsverständnis steht?
Scheibelberger: Eines der umfangreichsten Projekte war die Zusammenarbeit mit der Firma E.H.W. Agrar OG, welche sich aus drei landwirtschaftlichen Betrieben im Gebiet um Zwettl zusammensetzt. Die Anforderungen an mein Ingenieurbüro waren die exakte Geodatenerfassung aller landwirtschaftlichen Nutzflächen für zahlreiche Anwendungen in automatischen Lenksystemen und auch SectionControl-Anwendungen für Anbau, Pflanzenschutz und Düngung.
Die Rückmeldung der drei Betriebsführer zeigt die hohe Zufriedenheit der durchgeführten Dienstleistung: "Wir starteten nach der Ernte mit der Vermessung unserer Feldstücke, konnten die Daten für den Herbstanbau schon verwenden und sind damit sehr zufrieden. Während beim Herbstanbau die Saatguteinsparung (geringe-keine Überlappung) und der Komfort (dank Spurführungssystem) überwiegen, ist es beim Pflanzenschutz vor allem die Zeit. Hier wurden 20 bis 25 Prozent an Zeit eingespart."
Und auch nach dem durchgeführten Projekt wird mein Ingenieurbüro für sämtliche Feldvermessungen zur Anwendung in den diversen Traktoren und Geräten der E.H.W. Agrar OG beauftragt.
LEADERSNET: Wie gelingt es Ihnen, innovative Lösungen mit gesetzlichen Vorgaben in Einklang zu bringen – ohne dabei an Dynamik zu verlieren?
Scheibelberger: Digitale Anwendungen müssen immer an die praktischen Anforderungen der Betriebe angepasst werden. Wichtig ist, dass neue Technologien zuverlässig funktionieren und sich in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen.
LEADERSNET: Der Leitsatz "Ingenieurbüros: Motor für Innovation und Technik" – wo sehen Sie sich konkret in diesem Antriebssystem? Zahnrad, Zündfunke oder vielleicht sogar als Navigationssystem?
Scheibelberger: Ich sehe meine Rolle am ehesten als Navigationssystem. Mein Ziel ist es, Landwirten zu zeigen, welche Technologien für ihren Betrieb sinnvoll sind und wie sie diese effektiv nutzen können. Gerade in der Landwirtschaft ist es wichtig, Innovation praxisnah umzusetzen.
LEADERSNET: Wie beurteilen Sie die Zukunftsperspektiven für junge Menschen in Ihrem Berufsfeld?
Scheibelberger: Die Landwirtschaft verändert sich technisch sehr stark. Themen wie Digitalisierung, präzise Geodaten oder automatisierte Maschinensteuerung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dadurch entstehen neue Tätigkeitsfelder an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Technik. Also durchaus positive Zukunftsperspektiven.
www.ib-agrar.at
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