In Europa bis 2030
KI-Agenten eröffnen ein neues Marktsegment von 109 Milliarden Euro

| Tobias Seifried 
| 31.03.2026

Laut Studie befinden sich die autonomen Systeme mit enormem Tempo im Vormarsch. Während Produktivität steigt und Kosten sinken, wächst zugleich der Druck auf den europäischen Handel, im globalen Wettbewerb aufzuholen.

KI-Agenten, die Aufgaben autonom ausführen und eigenständig Entscheidungen treffen, könnten den europäischen Handel grundlegend verändern. Laut einer Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, entsteht dadurch bis 2030 ein neues Marktsegment im E-Commerce mit einem Volumen von bis zu 109 Milliarden Euro. Bis zu 15 Prozent des europäischen Onlinehandels könnten künftig durch sogenannte Agentic AI abgewickelt werden.

Diese Systeme agieren im Auftrag von Verbraucher:innen und Unternehmen gleichermaßen. Und zwar indem sie Angebote vergleichen, Preise verhandeln und eigenständig Käufe tätigen. Damit etabliere sich eine neue Form des Handels mit eigenen Regeln, Wertschöpfungsstrukturen und Wettbewerbsdynamiken, so die Studienautor:innen.

Enormes Tempo

Auffällig sei die Geschwindigkeit der Entwicklung. Demnach verbreite sich Agentic AI im Handel rund viermal schneller als der klassische E-Commerce. Bereits etwa die Hälfte der Händler:innen prüft der Analyse zufolge konkrete Einsatzmöglichkeiten, rund 20 Prozent haben entsprechende Systeme entlang zentraler Wertschöpfungsstufen implementiert. Zwei Drittel der US-Unternehmen berichten von Produktivitätsgewinnen durch den Einsatz von KI-Agent:innen. Gleichzeitig könnten die operativen Kosten im Kundenservice bis 2029 um bis zu 30 Prozent sinken.

Matthias Schlemmer, Studienautor und Partner bei Strategy& Österreich, betont: "Agentic AI verspricht mehr Umsatz, höhere Produktivität und gleichzeitig sinkende Kosten – eine Kombination, die dem klassischen Handel neue Wachstumspotenziale bietet." Um diese Potenziale zu realisieren, reiche es jedoch nicht aus, neue Software einzuführen. Unternehmen müssten ihre gesamte Wertschöpfung auf agentische KI ausrichten, so der Experte. Arbeitsprozesse würden künftig verstärkt in Teams aus Menschen und KI-Agent:innen organisiert, was neue Kompetenzen und Führungsmodelle erfordere. Voraussetzung sei zudem eine moderne Datenarchitektur, die systemübergreifende Entscheidungen in Echtzeit ermögliche.

Europas Handel unter Zugzwang

Im internationalen Vergleich zeige sich jedoch ein Rückstand Europas. Während in China bereits 51 Prozent der Unternehmen Umsatzsteigerungen durch KI-Anwendungen melden und in den USA 21 Prozent, liegt Europa bei lediglich 14 Prozent. Gleichzeitig treiben große US-Technologiekonzerne die Entwicklung entsprechender Lösungen und Ökosysteme voran, wodurch sich der Wettbewerb weiter verschärfen dürfte.

Strategy&-Europachef Andreas Späne sieht darin "Chance und Warnsignal zugleich". Das wirtschaftliche Potenzial sei erheblich, allerdings hätten Unternehmen aus China und den USA bereits einen Vorsprung. Europäische Unternehmen müssten daher zeitnah beginnen, geeignete Einsatzfelder zu identifizieren und Pilotprojekte umzusetzen. Insbesondere in Bereichen wie Einkauf, Warenversorgung oder Kundenservice könnten kurzfristig Effekte erzielt und diese anschließend skaliert werden, so Späne.

www.strategyand.pwc.com

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