Angesichts geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und der fortschreitenden Klimakrise rücken Innovationen immer stärker in den Mittelpunkt, wenn es darum geht, den österreichischen und europäischen Standort zukunftsfit aufzustellen. Vor allem im Energiebereich gelten neue technologische Lösungen als entscheidender Hebel, um Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Dass die Bundesregierung diesen Weg strategisch forcieren will, zeigt etwa die kürzlich vorgestellte Industriestrategie, mit der Österreich bis 2035 zu den Top-10-OECD-Ländern in der Industrieproduktion aufschließen soll (LEADERSNET berichtete unter anderem hier und hier). Darin wurden insgesamt neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder definiert, in denen Österreich schon jetzt zur Weltspitze zählt oder das Potenzial hat, weiter aufzusteigen – darunter auch Luftfahrtechnologien.
Um in der Luftfahrt eine Dekarbonisierung zu erreichen, sind sogenannte Sustainable Aviation Fuels (SAF) ein zentraler Baustein. Sie sollen konventionelles, fossiles Kerosin schrittweise ersetzen, ohne dass dafür Flugzeuge oder Infrastruktur grundlegend umgerüstet werden müssen. Dass das die Zukunft ist, zeigen aktuelle Prognosen der SAF Roadmap: Selbst unter moderaten Annahmen für die Entwicklung des Flugaufkommens könnte der Bedarf an SAF bis 2030 auf rund 58.000 Tonnen, und bis 2050 auf rund 700.000 Tonnen steigen – und das gilt nur für Flüge mit Start in Österreich. Um dementsprechend Forschung, Entwicklung und Produktion solcher nachhaltigen Flugtreibstoffe gezielt voranzutreiben und Österreich zukunftsfähig aufzustellen, wurde nun am Montag, dem 23. März, auf dem Gelände der Montanuniversität Leoben eine neue SAF-Miniplant offiziell eröffnet.
Kooperation zwischen Politik, Wissenschaft und Industrie
Die neue Anlage wurde von einem Konsortium aus OMV und Montanuniversität Leoben errichtet, wobei die Leitung beim Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes der Uni liegt. Zudem wurde das insgesamt 2,4 Millionen Euro schwere Projekt zu 50 Prozent vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) gefördert.
Für Innovationsminister Peter Hanke, der aufgrund der Sondersitzung des Nationalrates nicht an der Eröffnung teilnehmen konnte, ist die neue Anlage dementsprechend "ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft unseres Landes und zugleich dafür, was gelingen kann, wenn Politik, Wissenschaft und Industrie an einem Strang ziehen", wie er in seinen übermittelten Grußworten betonte. "Diese Art der Kooperation zur Lösung zentraler Herausforderungen wird auch von meinem Ministerium unterstützt: Wir haben bei diesem Projekt über die FFG (Anm.: Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) die Hälfte der Kosten übernommen und mit 1,2 Millionen Euro gefördert."
"Multi-Purpose"-Laboranlage
Laut den Verantwortlichen sei die Miniplant in ihrer Form und Größe einzigartig in Europa und wurde als "Multi-Purpose"-Laboranlage konstruiert. Konkret soll die Anlage als Pilot- und Demonstrationsinfrastruktur für Forschung, Entwicklung und Skalierung neuer Treibstoffe dienen und somit zur Weiterentwicklung, Optimierung sowie Effizienzsteigerung neuer Herstellungsprozesse für SAF beitragen.
Bei der Herstellung biobasierter Sustainable Aviation Fuels kommen übrigens grundsätzlich unterschiedliche Verfahren infrage: Sie können auf Basis von Ölen und Fetten entstehen, wobei hier die Rohstoffbasis stark begrenzt ist, oder durch die Vergasung von Biomasse, was prozesstechnisch aufwendig ist und bisher nur im Demonstrationsmaßstab umgesetzt wurde. Als besonders vielversprechender Ansatz gilt hingegen die Produktion auf Basis von Bio-Alkoholen. Genau hier setzt das Projekt an: Vorgesehen ist die Konzeption und Anschaffung eines Multi-Purpose-Reaktorsystems mit maßgeschneiderter Analytik im vergrößerten Labormaßstab, um sämtliche Prozessschritte eines Alcohol-to-Jet-Verfahrens experimentell untersuchen zu können.
www.bmimi.gv.at
www.unileoben.ac.at
www.omv.at
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