Ölpreis-Schock durch Hormus-Blockade
Iran-Krieg lässt die Inflation in Österreich deutlich steigen

Die Eskalation im Nahen Osten führt zu massiven Verwerfungen am Energiemarkt. Heimische Ökonomen korrigieren ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum und warnen vor weiter steigenden Spritpreisen – für Dieselfahrer fallen die Mehrbelastungen besonders hoch aus.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten nach den Angriffen auf den Iran sowie die De-facto-Sperre der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus zeigen unmittelbare Auswirkungen auf die Weltmärkte. Insbesondere die Preise für Rohöl und Erdgas verzeichneten zuletzt deutliche Zuwächse. Laut Analysen der Bank Austria stieg der Ölpreis bereits um 55 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn, was sich direkt an den heimischen Zapfsäulen bemerkbar macht.

Treibstoffpreise als Inflationstreiber

Während die Preise für Haushaltsenergie erfahrungsgemäß zeitverzögert reagieren, ist der Anstieg bei Diesel und Superbenzin unmittelbar eingetreten. Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria, erläutert dazu: "Die Eskalation im Nahen Osten und die Gegenschläge auf die Energieinfrastruktur haben einen deutlichen Anstieg der Gas- und Rohölpreise ausgelöst. Dadurch wird auch die Inflation ab März in Österreich wieder ansteigen."

Zwar gehen die Expert:innen davon aus, dass die militärischen Operationen zeitlich begrenzt bleiben, dennoch sei bis weit in das Jahr 2026 mit Preisverwerfungen zu rechnen. In der Folge wurde die Inflationsprognose für das laufende Jahr von 1,9 Prozent auf 2,5 Prozent angehoben. Auch für 2027 wird nun mit einer Teuerung von 2,2 Prozent gerechnet.

Finanzielle Mehrbelastung für Haushalte

Für die österreichischen Autofahrer:innen bedeutet die aktuelle Entwicklung eine spürbare Zusatzbelastung. Die Nettopreise für Diesel spiegeln den Rohölpreisanstieg nahezu vollständig wider. Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl führt aus, dass ein durchschnittlicher Haushalt mit Dieselfahrzeug im Jahr 2026 mit Mehrkosten von etwa 80 Euro im Vergleich zum Vorjahr rechnen müsse. Bei Benzinern belaufe sich die Mehrbelastung aufgrund geringerer Fahrleistungen auf rund 30 Euro. Besonders betroffen seien Pendler:innen in Bundesländern mit hoher durchschnittlicher Fahrleistung, wie etwa Kärnten oder dem Burgenland.

Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum

Die revidierten Energiepreise hinterlassen auch in der Konjunkturprognose Spuren. So senkten die Ökonomen ihre Erwartungen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um jeweils 0,1 Prozentpunkte. Demnach werde für 2026 ein Wachstum von 0,9 Prozent und für 2027 von 1,4 Prozent erwartet. Bruckbauer hält fest, dass die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum moderat ausfallen dürften, da eine Verringerung der Sparquote die Konsumeinbußen teilweise ausgleichen könnte.

Trotz der aktuellen Preisspitzen bleibt die Bank Austria bei einer vorsichtig optimistischen Einschätzung für das zweite Halbjahr. Pudschedl merkt an, dass das steigende Angebot an Flüssiggas (LNG) aus den USA und Katar den Markt stabilisieren sollte. Er betont zudem, dass die derzeitigen Forderungen nach staatlichen Markteingriffen oder Steuererleichterungen (LEADERSNET berichtete) angesichts der voraussichtlich temporären Natur des Konflikts zum jetzigen Zeitpunkt überzogen erscheinen.

www.bankaustria.at

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