Strategiewechsel bei der Staatsholding
ÖBAG will Fokus stärker auf Innovation und Infrastruktur richten

Die neue Strategie der Staatsholding sieht eine aktivere Rolle für den Wirtschaftsstandort vor. Neben Dividenden sollen standortpolitische Aufgaben und internationale Kooperationen stärker in den Mittelpunkt rücken.

Mit einer strategischen Neuausrichtung soll die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) künftig über ihre Rolle als Dividendenlieferant hinausgehen und verstärkt zur Entwicklung des Wirtschaftsstandorts beitragen. Gleichzeitig bleiben zentrale strukturelle Herausforderungen bestehen.

Seit dem Zuständigkeitswechsel vom Finanz- ins Wirtschaftsministerium wird die ÖBAG politisch neu positioniert (LEADERSNET berichtete). Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte im Zuge einer Präsentation am Donnerstag, dass sich mit der veränderten Ressortzuordnung auch die Erwartungshaltung gewandelt habe. Die Beteiligungen der Staatsholding sollen "mehr als ein Dividendenbringer sein" und künftig eine aktivere Rolle einnehmen.

Standortpolitische Aufgaben & internationale Kooperationen

Laut eigenen Angaben verwaltet die ÖBAG aktuell Beteiligungen im Wert von rund 32 Milliarden Euro und generierte zuletzt Dividenden in Höhe von rund 1,26 Milliarden Euro für den Staat. Neben dieser fiskalischen Funktion sollen die Unternehmen künftig stärker standortpolitische Aufgaben erfüllen. Ziel sei es laut Hattmannsdorfer, dass sich rund um zentrale Beteiligungen leistungsfähige Ökosysteme aus Start-ups und Scale-ups entwickeln.

Inhaltlich definiert die neue Strategie mehrere Handlungsfelder. Dazu zählen unter anderem die Sicherstellung einer kosteneffizienten Energieversorgung, der Ausbau kritischer Infrastruktur sowie die Stärkung der wirtschaftlichen Resilienz. Zudem soll Innovation – insbesondere in Schlüsseltechnologien und im Bereich Künstliche Intelligenz – gezielt vorangetrieben werden. Geplant sei etwa eine Plattform, die Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups vernetzt.

Ein weiterer Fokus liegt auf internationalen Kooperationen. Bestehende Partnerschaften, etwa mit internationalen Industriekonzernen, könnten laut Ministerium als Türöffner für heimische Unternehmen dienen und den Zugang zu neuen Märkten erleichtern.

Strukturelle Einschränkungen

ÖBAG-Vorständin Edith Hlawati verwies darauf, dass das Beteiligungsportfolio historisch gewachsen sei und bislang nicht primär strategischen Kriterien gefolgt habe. Sie begrüße daher die stärkere inhaltliche Ausrichtung. Gleichzeitig betonte sie, die ÖBAG müsse "unabhängig von Partei- und Tagespolitik sowie kurzfristigen Zielen agieren".

Hlawati machte jedoch auch strukturelle Einschränkungen deutlich. So verfüge die Staatsholding über begrenzte finanzielle Spielräume für neue Beteiligungen, da ein erheblicher Teil der Erträge als Dividende an den Staat abgeführt werde. Ob sich daran künftig etwas ändern könne, ließ Wolfgang Hattmannsdorfer offen und verwies auf die budgetäre Gesamtsituation.

Zudem erschwerten gesetzliche Rahmenbedingungen eine flexiblere Beteiligungspolitik. Beteiligungsverkäufe bedürfen einstimmiger Beschlüsse im Ministerrat, was potenzielle Kooperationen – etwa mit Private-Equity-Investoren – erschweren könnte.

Auch die Weiterentwicklung des Portfolios bleibt politisch sensibel. Während einzelne Beteiligungen nur bedingt zu den definierten strategischen Zielen beitragen würden, komme ein Verkauf zur Budgetkonsolidierung für den Minister nicht infrage. Denkbar seien jedoch Anpassungen im Sinne einer stärkeren Ausrichtung auf Zukunftstechnologien.

www.oebag.gv.at

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