KHM goes Rome
Wien reist nach Rom und nimmt fünf Jahrhunderte mit

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 10.03.2026

Das Kunsthistorische Museum macht 2026 ganz Italien zum Spielfeld: mit Habsburger-Meisterwerken am Tiber, ägyptischen Schätzen in Triest und drei spektakulären Sonderausstellungen in Wien.

Das Kunsthistorische Museum in Wien schlägt ein kulturelles Kapitel auf, das das ganze Jahr 2026 prägen wird. Erstmals reisen mehr als 100 Meisterwerke aus den Habsburger-Sammlungen nach Rom und Triest. Gleichzeitig holt Wien drei hochkarätige Sonderausstellungen ins Haus.

Große Bühne in Rom: Wenn Velázquez den Tiber überquert

Den Auftakt des Italia-Jahres macht die Schau "Von Wien nach Rom. Meisterwerke der Habsburger aus dem Kunsthistorischen Museum", die ab 6. März 2026 im Palazzo Cipolla am Via del Corso zu sehen ist. Über fünfzig Gemälde und Objekte aus der Kunstkammer – darunter Werke von Rubens, Velázquez, Tizian, Tintoretto und Arcimboldo – sind hier erstmals überhaupt in Italien zu erleben. Eröffnet wurde die von Kuratorin Cäcilia Bischoff gestaltete Ausstellung in Anwesenheit von Bundespräsident Alexander van der Bellen und dem italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella – ein Zeichen, welches diplomatisches Gewicht diese Kulturbrücke trägt.

Bemerkenswert ist auch der architektonische Dialog, den die Schau herstellt: Die monumentale Ringstraßen-Architektur von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer tritt in Zwiesprache mit dem Design des Palazzo Cipolla – zwei Gebäude, zwei Städte, eine gemeinsame europäische Tradition.

khm
Der Besuch auf dem Pachtgut, Jan Brueghel d. Ä., um 1597, Öl auf Kupfer © KHM-Museumsverband

"Diese Ausstellung ist viel mehr als eine Leihgabe außergewöhnlicher Kunstwerke: Sie verkörpert einen kulturellen Dialog zwischen Wien und Rom.", sagt Jonathan Fine, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums. 

Canaletto, Bellotto & Tiepolo: Venedig kommt nach Wien

Wenige Tage nach der Romepremiere eröffnet am 24. März in Wien die Sonderausstellung "Canaletto & Bellotto". Die beiden venezianischen Vedutenmaler des 18. Jahrhunderts haben eine ganz eigene Bildsprache der Stadt erfunden – zwischen dokumentarischer Präzision und poetischer Überhöhung. Besonderes Highlight: Canalettos London-Bilder sind erstmals in Österreich zu sehen.

Zeitgleich beginnt auch die schrittweise Umhängung der Gemäldegalerie, die ihren Schwerpunkt auf Renaissance und Barock legt. Den Auftakt machen zwei frisch restaurierte Monumentalgemälde von Giovanni Battista Tiepolo – Szenen aus der antiken römischen Geschichte, die nach Jahren im Depot endlich wieder ins Licht treten.

khm
Diego Rodríguez de Silva y Velázquez, 1659, Öl auf Leinwand © KHM-Museumsverband

Ägypten in Miramare: Maximilians Schätze kehren heim

Am 2. April öffnet in Triest die Ausstellung "Ancient Egypt in Miramare". Erzherzog Maximilian von Habsburg (1832–1867) hatte fast 2.000 ägyptische Objekte in Schloss Miramare gesammelt; nach seinem frühen Tod gingen die Bestände ans KHM. Nun kehrt eine Auswahl von rund 60 Exponaten an ihren ursprünglichen Ort zurück – ergänzt durch Leihgaben aus dem Städtischen Antiquitätenmuseum Triest, die zeigen, wie tief die "Ägyptomanie" des 19. Jahrhunderts auch im bürgerlichen Leben verwurzelt war.

Kleopatra, Caesar & ein vergessener Bernini

Den Herbst prägt ab 20. Oktober die Ausstellung "Tatort Ephesos. Kleopatra und Rom" in der Neuen Hofburg. Ausgangspunkt ist die Ermordung von Kleopatras Schwester Arsinoë in Ephesos – ein historischer Krimi, der die Machtkämpfe zwischen Caesar, Marc Anton und Augustus aus einer neuen Perspektive beleuchtet. Die pulsierenden Metropolen Rom, Alexandria und Ephesos werden dabei als die politischen Bühnen ihrer Zeit sichtbar.

Den fulminanten Abschluss des Italien-Jahres bildet ab 2. Dezember die Ausstellung "Bernini. Malerei und Marmor" im Palais Lobkowitz. Im Zentrum steht eine Sensation: ein Porträt aus dem KHM-Bestand, das erstmals dem bedeutendsten Künstler Italiens im 17. Jahrhundert, Gian Lorenzo Bernini, zugeschrieben wird. Bernini als Maler war stets eine Randnotiz der Kunstgeschichte – diese Ausstellung rückt ihn ins Zentrum.

www.khm.at

leadersnet.TV