Fotos & Video vom Banking Summit Vienna 2026
Who's Who der Finanzbranche vermittelte eine neue Aufbruchsdynamik in Wien

Beim achten Banking Summit Vienna diskutierten über 200 Führungskräfte die Transformation des Finanzsektors. LEADERSNET.tv sprach mit den Branchenprofis über geopolitische Resilienz, KI-Strategien sowie eine schlankere Regulierung und fragte nach, wie Europa aus dem Windschatten der USA treten kann.

Ein fundiertes Resümee nach zwei intensiven Kongresstagen im Wiener Palais Niederösterreich verdeutlicht, dass sich der Finanzsektor inmitten einer tiefgreifenden Transformation befindet und die wirtschaftliche Zukunft Europas aktiv mitgestalten möchte. Der von Business Circle organisierte achte Banking Summit Vienna brachte heuer mehr als 200 Senior Executives aus DACH-Banken sowie hochrangige Vertreter:innen aus Politik, Aufsichtsbehörden und Technologieunternehmen zusammen. Unter dem Motto "Recharging Europe – Banken als Treiber einer neuen Aufbruchsdynamik" wurde evident, dass der europäische Finanzsektor vor der zentralen Aufgabe steht, Stabilität, Innovation und globale Wettbewerbsfähigkeit strategisch neu zusammenzuführen.

Gerhard Pichler, CEO von Business Circle und Initiator des Banking Summit Vieanna, sagte zum heurigen Schwerpunkt: "Unser Leitthema in diesem Jahr lautet 'Recharging Europe'. Im Zentrum der Debatten steht die fundamentale Frage, welche Rolle die Banken bei der Transformation der Wirtschaft einnehmen." Es erfülle ihn angesichts der gegenwärtigen geopolitischen und geoökonomischen Spannungen mit besonderer Freude, dass die überwiegende Mehrheit der geladenen Expert:innen eine dezidiert optimistische Zukunftsvision teile.

Balanceakt zwischen Stabilität und Dynamik

In der Agenda spiegelte sich die gesamte Breite der aktuellen makroökonomischen und geopolitischen Herausforderungen wider. Im Zentrum der Debatten standen die Bankenaufsicht und die Geldpolitik in multipolaren Zeiten. Dabei wurde die Frage erörtert, wie Europas Institute angesichts geopolitischer Spannungen, multipler Krisen und technologischer Disruption resilient bleiben können. Insbesondere das geplante "Small Banking Regime" – ein vereinfachtes Regulierungssystem für kleinere Banken – sowie Forderungen nach mehr Proportionalität und einer schlankere Regulierung zur Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen wurden intensiv debattiert.

Bezüglich der LEADERSNET.tv-Frage, wie die Eckpfeiler des Bankenwesens in dieser neuen geopolitischen Realität zu definieren seien, betonte Martin Hauer, Vorstand der Raiffeisen-Holding NÖ Wien, den inhärenten Chancencharakter der aktuellen Lage. Laut ihm seien die vor der Branche liegenden Herausforderungen zweifelsohne enorm. Das Wesentliche bestehe jedoch darin, diese anzunehmen und sich vollends darauf einzulassen. "Wenn man sich in schwierigen Phasen auf die eigenen Kernkompetenzen fokussiert und sich konsequent engagiert, lässt sich aus komplexen Situationen oft das Beste herausholen – nicht ohne Grund sind die besten Innovationen historisch in Krisenzeiten entstanden", so Hauer.

Kann Europa von den USA lernen?

Ein besonderer Schwerpunkt lag zudem auf der Frage, wie Europa aus dem Windschatten der USA treten kann. In einem Kamingespräch bezogen Andreas Treichl, Chairman des Aufsichtsrats der Erste Stiftung, und Monika Rosen, Börsenexpertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft (ÖAG), hierzu dezidiert Stellung.

Treichl plädierte gegenüber LEADERSNET.tv für ein eigenständiges europäisches Selbstbewusstsein: "Wir bedürfen keineswegs des Austritts aus dem Windschatten der USA. Es ist vielmehr an uns, einen eigenen Weg zu beschreiten, anstatt den Versuch zu unternehmen, die Vereinigten Staaten zu kopieren." Europa müsse in seinen Kernkompetenzen schlichtweg exzellenter werden und jene Potenziale, die gegenwärtig feststeckten, wieder reaktivieren. Es gelte, so Andreas Treichl weiter, die Politik davon zu überzeugen, dass ein wettbewerbsfähiges Europa vonnöten sei, welches für junge Talente aus aller Welt nicht nur als Lebensraum, sondern explizit auch als Arbeitsplatz eine hohe Attraktivität besitze.

Monika Rosen ergänzte diese Perspektive um konkrete strategische Handlungsfelder. Die Börsenexpertin konstatierte, dass Europa eine Vielzahl an drängenden Aufgaben zu lösen habe, und nannte in diesem Kontext die Bereiche der Sicherheit, der Energie sowie der digitalen Souveränität. Als exzellente Grundvoraussetzung für die Bewältigung dieser Herausforderungen erachte sie eine vertiefte Kooperation auf dem Kapitalmarkt. Dies sei jener dezidierte Punkt, an dem Europa am ehesten von den Vereinigten Staaten lernen könne.

Bilanzen, Risiken und neue Märkte

Im Rahmen der verschiedenen Fachpanels wurden die strategischen Weichenstellungen für die kommenden fünf Jahre diskutiert. Das CFO/CIO-Panel widmete sich der Steuerung, den Bilanzen und der digitalen Transformation vor dem Hintergrund potenziell fehlender Erträge in Kreditportfolios, rezessiver Tendenzen und steigender Risikokosten. Parallel dazu analysierte das CRO-Panel das "Comeback der Risiken". Die Risikolandkarte müsse aufgrund von geopolitischen Unsicherheiten, Klimarisiken und atypischen Portfoliorisiken völlig neu definiert werden, um einer negativen Spirale aus sinkenden Erträgen und steigenden Risikokosten entgegenzuwirken.

Einen neuen wirtschaftlichen Faktor stelle den Expert:innen zufolge zudem der Wachstumsmarkt "Defense & Security" dar. In diesem Zusammenhang beleuchteten die Teilnehmer:innen die künftige Rolle der Banken zwischen Finanzierung, Risiko und Nachhaltigkeit sowie die Frage, wie sich die Kreditpolitik verändert, wenn Verteidigungsprojekte politisch gewollt sind. Finanzierungszugänge und strategische Prioritäten werden hierbei entscheidend sein, um Europas Sicherheits- und Verteidigungsindustrie nachhaltig zu stärken.

Transformation durch Technologie und Künstliche Intelligenz

Großen Raum nahm die Debatte um technologische Innovationen ein. Künstliche Intelligenz (KI) wurde dabei nicht bloß als Instrument zur Effizienzsteigerung, sondern als strukturelle Transformationskraft eingestuft. Die Implikationen erstrecken sich über Geschäftsmodelle, das Risikomanagement, Kreditprozesse und die Kundeninteraktion bis hin zur Datenarchitektur und dem Leadership. Als wesentliche Erkenntnis kristallisierte sich heraus, dass technologische Innovationen ohne valide Daten, klare Entscheidungslogiken und qualifizierte Business-Teams hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. KI erweise sich somit primär als Führungs- und Umsetzungsthema, welches auch veränderte Talent-Strategien erfordere. Diskutiert wurde in diesem Kontext unter anderem die Etablierung eines "Board Member for AI" auf Führungsebene sowie die Frage, wie sich Institute durch globale Talentstrategien die besten Köpfe sichern können.

Auch im Risikomanagement zeichnet sich dadurch ein neues Rollenbild ab: Risikomanager:innen der Zukunft müssen demnach neben klassischen Modellen zunehmend die Datenqualität beurteilen und KI-gestützte Analysen kritisch begleiten. Damit rücke das Risiko von einer reinen Verwaltungsaufgabe hin zu einer strategischen Steuerungsfunktion. Zudem stand die Frage im Raum, ob KI neuen Akteur:innen, FinTechs, Challenger-Banken und internationalen Tech-Investor:innen den Markteintritt ebnen und traditionelle Institute herausfordern wird.

Währungshoheit und digitale Infrastrukturen

Ein weiteres Kernthema bildeten neue Zahlungsformen und digitale Währungen, insbesondere die Koexistenz und Konkurrenz von Stablecoins und dem digitalen Euro, welcher im Jahr 2026 gesetzlich verankert wird. Da europäische Banken vermehrt eigene Coins entwickeln und Stablecoins den Zahlungsverkehr nachhaltig verändern, wurden sowohl die Chancen für gesteigerte Effizienz und europäische Souveränität als auch komplexe Fragen der Regulierung, Akzeptanz und staatlichen Kontrolle beleuchtet.

Auf die Frage, welche Rolle Wero (Echtzeit-Bezahlsystem der European Payments Initiative) und der digitale Euro künftig spielen werden, sagte Christoph Kuban, Country Manager von Revolut Deutschland, zu LEADERSNET.tv: "Meiner Meinung nach können der digitale Euro und Wero zum Gamechanger werden. Bei Revolut glauben wir, dass das zusätzliche Zahlungsmethoden sind, die zukünftig definitiv einen großen Einfluss und auch Änderungen im Bankgeschäft hervorrufen können."

Fazit und Ausblick

Nach den beiden Tagen fiel das Resümee des Banking Summit Vienna 2026 eindeutig aus: Die kommenden Jahre dürften von jenen Instituten geprägt werden, welche Regulierung nicht als reine Belastung adaptieren, KI strategisch einordnen und ein neues Wachstumsmethode ("Growth Mindset") etablieren. Von Wien ging somit das Signal aus, das Bankgeschäft neu zu denken – weg von reiner Risikoaversion hin zu partnerschaftlicher Gestaltungsfreude und der Finanzierung der Zukunft. Business Circle bedankte sich abschließend bei allen Referent:innen, Partnern und Teilnehmer:innen für die fundierten Impulse und das vertiefende Networking.

Der nächste Banking Summit Vienna ist für den 29. und 30. April 2027 angesetzt.

Interview-Partner:innen

Neben Gerhard Pichler, Martin Hauer, Andreas Treichl, Monika Rosen und Christoph Kuban holte LEADERSNET.tv noch Envar Sirucic, CFO & Deputy CEO Bawag Group, Walburga Seidl, CFO Steiermärkische Sparkasse, Martin Stotter, Member of the Board/CRO Raiffeisenbank Czech Republic, Lars P. Feld, Ökonom und ehem. Wirtschaftsweiser, Universität Freiburg, Lydia Goutas, Managing Partner Lehner Executive Partners, Gerald Resch, Generalsekretär Bankenverband, Andrea Gaal, Member oft he Supervisory Board & Chairwoman Digital Committee RBI, Manuel Klein, Managing Director Squer, Benjamin Levit, CEO & Co-Founder Bluechip, Zoran Radke, Director BearingPoint, und Thomas Gebhard, Managing Director Nagler & Company, vor die Kamera.

Fotos vom 8. Banking Summit sehen Sie in der Galerie.

www.businesscircle.at

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