Paukenschlag in der heimischen Medienlandschaft: ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist zurückgetreten. Das gab der Stiftungsrat, das Kontrollgremium des öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens, am Montagvormittag per Aussendung bekannt.
In den vergangenen Tagen hatte eine Mitarbeiterin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Weißmann weist die Anschuldigungen zurück.
Ingrid Thurnher springt zwischenzeitlich ein
Die interimistische Führung des Medienunternehmens übernimmt vorläufig die amtierende Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher. Die Wahl einer neuen Generaldirektorin bzw. eines neuen Generaldirektors soll laut Stiftungsrat wie geplant stattfinden. Die künftige Leitung des ORF soll mit Jänner 2027 ihre Funktion antreten.
Heinz Lederer, Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats sagte: "Es ist die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats, nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können und die reibungslose Fortführung der Geschäftsführung garantiert ist. Mit der von uns als Generaldirektorin vorgeschlagenen Ingrid Thurnher ist dies sichergestellt."
Gregor Schütze, Stellvertretender Vorsitzender des ORF-Stiftungsrates, fügte hinzu: "Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, dass er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt." Thurnher werde den ORF mit ihrer großen Erfahrung souverän durch diese herausfordernden Zeiten führen, so Schütze.
Das sagt Weißmanns Anwalt
Kurz nach dem Bekanntwerden des Rücktritts äußerte sich Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum wie folgt: "Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird. Ihm wurde seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt, um seinen Rücktritt zu erklären, obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte."
Weißmann liege bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch sei er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit gewesen und trat daher am Sonntag 8. März 2026 um 11:45 Uhr mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück.
Abschließend heißt es in der Weiter heißt es in Scherbaums Stellungnahme: "Die mediale Verbreitung der nicht aufgeklärten Vorwürfe kann nur als überschießende Reaktion interpretiert werden, obwohl mittlerweile sogar eine Einigung mit der betreffenden Mitarbeiterin gefunden wurde. Diese Vorgehensweise, wie auch die Wiedergabe der Vorwürfe durch Dritte, verletzen massiv die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten und werden zu entsprechenden rechtlichen Konsequenzen führen."
So fallen die politischen Reaktionen auf den Rücktritt aus
Der Rücktritt von Roland Weißmann hat auch in der Politik rasch Reaktionen ausgelöst. Ruth Manninger, Bundesfrauengeschäftsführerin der SPÖ-Frauen, begrüßte das rasche Handeln des Stiftungsrats und betonte: "Null Toleranz bei sexueller Belästigung – unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Direktor oder einen Arbeiter handelt." Transparenz bei der Aufklärung sowie der Schutz der Betroffenen müssten nun im Vordergrund stehen. Ein sicheres Arbeitsumfeld frei von Gewalt und Übergriffen müsse selbstverständlich sein, so Manninger, übergriffiges Verhalten dürfe – auch in Machtpositionen – nicht geduldet werden.
ÖVP-Generalsekretär und Mediensprecher Nico Marchetti erklärte, "volle Aufklärung und Transparenz aller Umstände" seien nun "das Gebot der Stunde". Die Entscheidung Weißmanns nehme man zur Kenntnis, nun liege es am Stiftungsrat, die nächsten Schritte festzulegen. Wichtig seien Stabilität sowie ein geordneter Übergang im ORF und das Vertrauen der Bürger:innen zu wahren.
Die stellvertretende Klubobfrau und Mediensprecherin der Grünen, Sigi Maurer, bezeichnete den Rücktritt als "richtigen und notwendigen Schritt, um weiteren Schaden vom ORF abzuwenden". Gleichzeitig brauche ein moderner öffentlich-rechtlicher Rundfunk Strukturen und eine Unternehmenskultur, die Machtmissbrauch verhindern, Betroffene schützen und ein sicheres Arbeitsumfeld gewährleisten.
NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos betonte, die Beurteilung der Vorwürfe obliege den zuständigen Stellen – nicht der Politik. Nun brauche es ein transparentes und professionelles Verfahren bei der Bestellung einer neuen Generaldirektorin beziehungsweise eines neuen Generaldirektors. "Für uns NEOS kann jetzt nur ein transparenter und gesetzeskonformer Prozess im Rahmen der Neubestellung Vertrauen schaffen", so Hoyos.
Kritik kam von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker, der den Rücktritt zum Anlass nahm, erneut grundlegende Reformen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu fordern. Der ORF müsse seine Rolle als "zwangssteuerfinanzierter Regierungslautsprecher" ablegen und sich wieder stärker seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag widmen.
ESC-Talk als letzter offizieller Auftritt
Seinen letzten öffentlichen Auftritt als ORF-Generaldirektor hatte Roland Weißmann vergangenen Donnerstag bei der Diskussionsveranstaltung "12 Points for Vienna" (LEADERSNET berichtete). Fotos sehen Sie in unserer Galerie.
www.orf.at
Chance, den ORF qualitativ voran zu bringen.
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