Insolvenz-Ursachenstatistik
Das sind die Hauptgründe für Firmenpleiten

Eine aktuelle Ursachenstatistik des KSV1870 zeigt, weshalb österreichische Betriebe 2025 in die Insolvenz geschlittert sind. 

Im vergangenen Jahr hat die anhaltende schwierige Wirtschaftslage zahlreiche Unternehmen in Österreich unter Druck gesetzt. Laut dem KSV1870 mussten 2025 etwas mehr als 6.800 Betriebe Insolvenz anmelden. Für die aktuelle Auswertung – die "Ursachenstatistik" – wurden rund 3.800 eröffnete Firmenpleiten untersucht. Das sind die Hauptgründe für Firmenpleiten. 

Operative Probleme als häufigste Ursache

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den operativen Ursachen. Sie waren 2025 mit 47,2 Prozent für beinahe jede zweite Unternehmensinsolvenz verantwortlich. Gegenüber dem Jahr 2024 entspricht das einem Anstieg um 4,9 Prozentpunkte und gleichzeitig dem höchsten Wert der aktuellen Krisenphase. 2022 lag dieser Anteil noch bei 29 Prozent.

Innerhalb dieser Kategorie spielten vor allem Schwächen bei Finanzierung, Liquidität und Forderungsbetreibung mit 15,1 Prozent eine wesentliche Rolle. Absatzschwächen machten 12,6 Prozent aus, während eine schlechte Kostenstruktur mit 10,9 Prozent zu Buche schlug. Weitere acht Prozent entfielen auf mangelhaftes Controlling beziehungsweise Planungsschwächen. Fehler in der Auswahl oder Führung von Mitarbeiter:innen waren hingegen mit 0,6 Prozent vergleichsweise selten ausschlaggebend.

"Zwar weisen laut unserer jüngsten Austrian-Business-Check-Umfrage in Österreich knapp 70 Prozent der Unternehmen nach wie vor eine solide Finanzstruktur auf, dennoch ist für viele das Ende der Fahnenstange erreicht. Sie können den Kostenberg nicht mehr bewältigen und müssen Insolvenz anmelden", sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Der KSV1870 sieht in der anhaltenden Krisensituation eine zunehmende Belastung für die betriebliche Basisarbeit. "Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass viele Betriebe aufgrund des anhaltenden Krisenmodus ihre Basisarbeit im Tagesgeschäft vernachlässigen. Daraus resultieren Fehlentscheidungen, die sich im Nachhinein kaum noch korrigieren lassen", so Götze.

Gründungsfehler bleiben bedeutender Faktor

18,4 Prozent aller Firmenpleiten waren auf Fehler bei der Unternehmensgründung zurückzuführen. Im Vergleich zu 2024 ging dieser Wert leicht zurück, blieb aber weiterhin hoch. Besonders häufig fehlte es an branchenspezifischem oder betriebswirtschaftlichem Know-how. Dieser Punkt machte 9,1 Prozent aller Insolvenzen aus.

Insolvenzursachen bei Unternehmen 2025 © KSV1870 

Zu wenig Eigenkapital bei der Gründung war in 4,8 Prozent der Fälle ausschlaggebend. Weitere 4,5 Prozent entfielen auf mangelnde Eignung zur Unternehmensführung.

"Die aktuelle Marktlage verzeiht keine Wissenslücken rund um eine Gründung. Wer aktuell plant, einen Betrieb aus der Taufe zu heben, sollte über sehr viel Know-how verfügen", erklärt Götze.

Strategische Fehlentscheidungen weiter relevant

11,2 Prozent der Insolvenzen wurden auf strategische Ursachen zurückgeführt. Dabei standen vor allem verspätete oder fehlende Reaktionen auf Marktveränderungen im Mittelpunkt. Dieser Bereich machte 7,9 Prozent aus. Überzogene Expansionen oder Investitionen waren für 2,5 Prozent verantwortlich, Streitigkeiten unter Gesellschaftern oder Betriebsleitern für 0,8 Prozent.

"In diesen Fällen wurde entweder zu spät oder – im schlimmsten Fall – gar nicht auf aktuelle Marktentwicklungen oder auch Krisen reagiert, stattdessen wurde nach dem Prinzip Hoffnung weitergearbeitet", sagt der Experte. 

Fahrlässigkeit und strafbare Handlungen

Weitere neun Prozent der Firmenpleiten standen im Zusammenhang mit persönlichem Verschulden beziehungsweise Fahrlässigkeit. Die Vernachlässigung der Geschäftsführung machte dabei vier Prozent aus. Strafbare Handlungen wurden in 3,1 Prozent der Fälle genannt. Zu hohe Entnahmen oder Einlagenrückgewähr spielten bei 1,1 Prozent eine Rolle, Spekulationen ohne betriebliche Veranlassung bei 0,8 Prozent.

Rückgang bei unbeherrschbaren Umständen

Der Anteil jener Insolvenzen, die auf unbeherrschbare Umstände zurückzuführen waren, sank weiter. Nachdem dieser Bereich im Zuge der Corona-Krise 2022 noch einen Höchststand von 28 Prozent erreicht hatte, lag der Wert 2025 nur noch bei 7,2 Prozent. Damit setzte sich der rückläufige Trend bereits das dritte Jahr in Folge fort.

Naturkatastrophen, Kriegshandlungen, Terrorismus oder Pandemien waren in 3,1 Prozent der Fälle ausschlaggebend. Krankheiten oder persönliche Unglücksfälle im Umfeld der Betroffenen machten hingegen 4,1 Prozent aus und wurden damit erstmals seit 2019 häufiger genannt als globale Krisenereignisse.

Externe Entwicklungen gewinnen an Bedeutung

Auch externe Vorkommnisse spielten zuletzt häufiger eine Rolle. Ihr Anteil stieg von fünf auf sieben Prozent. Besonders stark wirkten sich plötzliche Änderungen des Finanzierungsrahmens, etwa beim Zinsniveau, aus. Dieser Bereich machte 4,5 Prozent aus. Insolvenzfälle von Abnehmern oder Lieferanten waren für 2,1 Prozent verantwortlich. Plötzliche rechtliche Änderungen wie Verbote oder Embargos lagen bei 0,4 Prozent.

www.ksv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV