Schwerpunkt Nachhaltigkeit
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Österreichische Produzenten gehen vermehrt dazu über, nicht nur nachhaltig zu produzieren, sondern das auch aktiv zu dokumentieren: So tüfteln derzeit zahlreiche Hersteller an Nachhaltigkeitsberichten – obwohl sie dazu nicht verpflichtet wären.

Diese Erkenntnis ist längst auch in weiten Teilen der Industrie angekommen: Produzieren wie einst, als gäbe es kein Morgen, funktioniert nicht mehr – wenn es ein Morgen geben soll. Daher versuchen Hersteller zunehmend, trotz wachsender wirtschaftlicher Herausforderungen, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen.

Woerle: Nachhaltigkeit mit System

Im Salzburger Land zeigt sich das beispielhaft bei Woerle. Wie Nachhaltigkeitsmanagerin Diana Reuter berichtet, hat das Unternehmen das Thema in den vergangenen Jahren systematisch im Unternehmen verankert. Seit 2019 gibt es ein eigenes Nachhaltigkeitsmanagement – angesiedelt direkt bei der Geschäftsführung. "Der Fokus liegt auf Klimaschutz, Biodiversität, Tierwohl, Kreislaufwirtschaft und gesellschaftlicher Verantwortung. Dazu zählen Projekte zur Förderung der Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen, Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduktion von Emissionen in der Milcherzeugung." In den kommenden Jahren sollen diese Schwerpunkte weiterentwickelt und mit messbaren Zielen und Kennzahlen unterlegt werden.

Das bestehende Datenmaterial soll in einem umfassenden Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2025 dokumentiert werden – auf freiwilliger Basis: Woerle orientiert sich am VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs), dem freiwilligen EU-Berichtsstandard für nicht-börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen.

Stiegl: Pionierarbeit seit 1990

In der Stadt Salzburg wird nachhaltige Berichterstattung schon seit Jahrzehnten betrieben: Die Privatbrauerei Stiegl veröffentlicht seit über 35 Jahren freiwillig Nachhaltigkeitsberichte – obwohl sie gesetzlich nicht dazu verpflichtet ist. "1990 wurde der erste Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht", erzählt Chefbraumeister Christian Pöpperl. Auch heuer ist eine weitere Ausgabe geplant. "Denn wir sind überzeugt, dass Transparenz Vertrauen schafft. Der Anspruch, nachhaltig zu wirtschaften, zieht sich durch alle Bereiche der Brauerei." Bierbrauen sei nämlich untrennbar mit der Umwelt verbunden: "Wasser, Getreide, Hopfen und Hefe sind Naturprodukte, deren Qualität direkt von einem gesunden Ökosystem abhängt."

Berger Schinken: Regional-Optimal und CO₂-Bilanz

In Sieghartskirchen (Niederösterreich) plant auch Berger Schinken die Veröffentlichung eines umfassenden Nachhaltigkeitsberichts – voraussichtlich bis Sommer. Geschäftsführer und Eigentümer Rudolf Berger fasst die bisherigen Initiativen so zusammen: "Mit dem Klimaschutzprogramm Regional-Optimal setzt Berger seit über zehn Jahren auf regionale Wertschöpfung, gentechnikfreies Futter und den konsequenten Verzicht auf Import-Soja – wodurch laut Studien bis zu 45 Prozent CO₂ eingespart werden können."

Rund ein Viertel des verarbeiteten Schweinefleisches stammt bereits aus diesem Programm. Seit 2020 bietet das Unternehmen zertifizierte Tierwohl-Produkte im Groß- und Einzelhandel an. Parallel wird laufend in erneuerbare Energien, CO₂-neutrale Kältetechnik, ressourcenschonende Verpackungen und pflanzliche Alternativen investiert. "Ziel ist es, ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Stabilität und die Zukunft kommender Generationen nachhaltig miteinander zu verbinden", so Berger.

Staud's: Bericht bis Ende März geplant

In Wien-Ottakring arbeitet auch Staud's an einer strukturierten Nachhaltigkeitsdokumentation. Geschäftsführer Stefan Schauer kündigt an: "Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette und der zunehmenden Bedeutung strukturierter Nachhaltigkeitsberichterstattung erstellen wir aktuell im Rahmen des KMU-Nachhaltigkeitskompasses einen Bericht nach dem VSME-Standard." Das Unternehmen sammelt seit 2019 zentrale Nachhaltigkeitskennzahlen im Rahmen des ÖkoWIN-Programms der Stadt Wien. Nun sei es an der Zeit, die Ergebnisse in strukturierter Form sichtbar zu machen.

www.woerle.at

www.stiegl.at

www.berger-schinken.at

www.stauds.com

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