Fotos von HKSÖL-Top Talk
Wie chronische Schlaflosigkeit Produktivität und Wirtschaft beeinflusst

Beim ersten Top Talk diskutierten Expert:innen über die wachsende Bedeutung von Schlafgesundheit für Unternehmen, Gesellschaft und Politik. Insomnie betrifft nämlich rund jeden fünften Erwachsenen in Österreich und verursacht erhebliche Produktivitätsverluste.

Nach der 41. Ausgabe der Friends 4 Friends, die zugleich auch die Premiere der Eventreihe in Graz darstellte (LEADERSNET berichtete), der 33. "Top Speakers Lounge" (LEADERSNET berichtete) und einem der Highlights des letzten Jahres, einer rund einstündigen Simulation einer echten Verhandlungssituation vor dem Einheitspatentgericht (LEADERSNET berichtete), folgte vor einigen Tagen der HKSÖL Top Talk zum Thema Schlafgesundheit.

"Wirtschaft braucht Schlaf"

Unter dem Titel "Wirtschaft braucht Schlaf" diskutierten Expert:innen aus Medizin, Forschung und Medien über die wachsende Bedeutung von Schlafgesundheit, auch für Betriebe und den Arbeitsmarkt.

Im Rahmen der Veranstaltung sprachen Marco Hafner (Senior Research Leader, RAND Europe), Bruno Pramsohler (Neurologe und Schlafmediziner im Bleib Berg), Daniela Schmidt (Ö3-Moderatorin) sowie Andreas Uttenweiler (Idorsia).

Milliardenverluste durch Schlafstörungen

In Österreich ist etwa jeder fünfte Erwachsene von chronischer Insomnie betroffen. Die Auswirkungen reichen dabei deutlich über individuelle Beschwerden hinaus. Schlafprobleme schlagen sich laut aktuellen Studien auch massiv in der Wirtschaft nieder.

"Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter:innen für das Thema sensibilisieren", betont Marco Hafner, der Raum für Verbesserungen sieht. Zudem präsentierte er Zahlen aus seiner Studie "The societal and economic burden of Insomnia": "Allein in Österreich entstehen jährlich Produktivitätsverluste von rund 2,6 Milliarden Euro durch Schlafstörungen", so Hafner. Betroffene verlieren laut den vorgestellten Ergebnissen bis zu 54 Arbeitstage pro Jahr. Das sei ein Faktor, der Unternehmen zunehmend vor Herausforderungen stellt, so der Experte.

Gesundheit und Leistung hängen zusammen

Auch in der darauffolgenden Diskussionsrunde, moderiert von News-Chefredakteurin Kathrin Gulnerits, wurde betont, dass Gesundheit und Leistung eng zusammenhängen. Schlaf ist eine zentrale Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Produktivität. Schlafgesundheit müsse daher ähnlich ernst genommen werden wie Ernährung oder Bewegung.

Der Neurologe und Schlafmediziner Bruno Pramsohler brachte die Bedeutung des Themas mit einem einfachen Bild auf den Punkt: "Das Gehirn ist schlafbereit, wenn man sich beim Lesen den letzten Satz nicht mehr merken kann." Pramsohler erklärte, dass sowohl Schlafbereitschaft als auch typische Anzeichen von Insomnie auf vier zentrale Ursachen zurückzuführen sind. Stressbedingte Insomnie nimmt dabei ebenso wie Depressionen, das Restless-Legs-Syndrom und Schlafapnoe jeweils den gleichen Anteil ein.

Offener Umgang statt Stigmatisierung

Auch die gesellschaftliche Dimension wurde bei der Veranstaltung thematisiert. Ö3-Moderatorin Daniela Schmidt sprach darüber, wie wichtig Bewusstsein und Offenheit im Umgang mit Schlafproblemen sind. "Um Verantwortung für mich selbst übernehmen zu können, muss mir das Problem bewusst sein und ich muss offen dazu stehen können und nicht stigmatisiert werden", so Schmidt. 

Langer Weg zu konkreten Maßnahmen

Zum Abschluss wurde deutlich, dass Handlungsbedarf sowohl in Unternehmen als auch auf politischer Ebene besteht. Andreas Uttenweiler von Idorsia verwies abschließend darauf, dass Veränderungen Zeit brauchen: "Es gibt Handlungsempfehlungen, bis etwas passiert, ist noch ein langer Atem notwendig."

LEADERSNET war bei der Veranstaltung. Einen Eindruck können Sie sich hier machen. 

www.hk-schweiz.at

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