Editorial des Herausgebers
Marktverteilung statt Märchenstunde

| Wolfgang Zechner 
| 04.02.2026

Wenn die vergangenen Wochen eines gezeigt haben, dann dies: Die Marktverhältnisse im heimischen Lebensmittelhandel sind längst im Wandel. Das Aus von Unimarkt war kein Betriebsunfall, sondern ein logischer Schritt in einer Branche, die sich brutal konsolidiert.

Das Aus von Unimarkt war erst einmal eine Zäsur. Was folgte, war ein stiller Showdown um die Übernahme der Standorte. Er erzählt viel über die Kräfteverhältnisse im österreichischen Lebensmittelhandel und darüber, wohin die Reise heuer geht. Spar darf 23 Unimarkt-Standorte übernehmen, Rewe bekommt 20 Märkte. KEYaccount/LEADERSNET berichtete hier und hier. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat beide Deals genehmigt, allerdings mit klaren Auflagen. Ein Großteil der neuen Standorte muss künftig von selbstständigen Kaufleuten geführt werden. Die Idee dahinter ist gut gemeint: mehr unternehmerische Verantwortung vor Ort, mehr Vielfalt, mehr Wettbewerb im regionalen Raum. Doch im großen Bild zeigt sich vor allem eines: Die Großen sichern sich die Filetstücke. Und das mit voller Rückendeckung der Struktur.

Spar zeigt dabei klare Kante. Während man sich von der Sporthandelskette Hervis trennt (KEYaccount/LEADERSNET berichtete hier) und sich strategisch auf das Kerngeschäft konzentriert, wird die Position im Lebensmittelhandel gezielt ausgebaut. Rewe zieht mit und stärkt seine Adeg-Schiene. Was wir sehen, ist keine Machtverschiebung, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen. Wer nicht zugreift, verliert. Wer zögert, bleibt zurück.

Und trotzdem gibt es sie noch. Die Stimmen, die in Interviews oder Kommentaren lautstark einen angeblich fehlenden Wettbewerb im Lebensmittelhandel beklagen. Als würde nicht längst ein Verdrängungswettbewerb toben, der härter ist als in fast jeder anderen Branche. Wer heute in Österreich ein Lebensmittelgeschäft betreibt, steht unter Dauerdruck: täglicher Preiskampf, laufende Sortimentsanpassungen, steigende Kosten und ein Mitbewerb, der immer offensiver agiert. Das ist die Realität am Markt.

Der Wettbewerb ist da. Er ist vielleicht nicht perfekt, aber erbarmungslos real. Und wer in diesem Umfeld bestehen will, benötigt mehr als Struktur und Strategie. Er muss dort überzeugen, wo es zählt: bei den Kund:innen.

 

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