Überraschung im Generationenvergleich
Warum Österreichs Senioren digital fitter sind als die Jugend

| Larissa Bilovits 
| 11.01.2026

In einigen Kompetenzbereichen übertreffen ältere Österreicher:innen ihre jüngeren Mitbürger:innen laut einer aktuellen Studie deutlich. Und auch der Ländervergleich mit Deutschland stellt der heimischen Jugend ein ernüchterndes Zeugnis aus. 

Wie gut eine Gesellschaft digital aufgestellt ist, zeigt sich nicht nur an der vorhandenen Infrastruktur, sondern vor allem daran, wie sicher Menschen mit den Technologien umgehen können. Wie sich Österreich hier im Vergleich zu unserem Nachbarland Deutschland positioniert, hält eine aktuelle Auswertung des D21-Digital-Index fest, der vergangenen Sommer in Zusammenarbeit mit A1 durchgeführt wurde. Dabei zeigt sich, dass Österreich bei den Onliner:innen mit 65 von 100 Indexpunkten insgesamt zwar leicht vor Deutschland (62 Punkte) liegt und vor allem beim Zugang zur digitalen Welt, der Nutzungsintensität digitaler Angebote und der digitalen Kompetenz punkten kann. Geht es um die allgemeine Einstellung zur Digitalisierung, sind die österreichischen Onliner:innen allerdings insgesamt etwas kritischer. 

Senior:innen in Österreich digital besser aufgestellt als in Deutschland

Mit Blick auf die Gesamtbevölkerungen der beiden Länder ergibt sich zunächst ein ähnliches Bild – doch unter Betrachtung der verschiedenen Altersgruppen zeigt sich, dass sich digitale Kompetenzen, Einstellungen und Resilienz in Österreich und Deutschland sehr unterschiedlich über die einzelnen Generationen verteilen.

Konkret zeigt sich ein klarer Vorsprung der österreichischen Generation 65+: In nahezu allen erfassten Bereichen verfügen Senior:innen hierzulande über deutlich stärkere digitale Fähigkeiten als Gleichaltrige in Deutschland. Je nach Kompetenzfeld beträgt der Abstand bis zu 20 Prozentpunkte, im Schnitt liegt er zwischen 10 und 15 Punkten. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei den digitalen Basiskompetenzen, wo Österreich um rund 15 Prozentpunkte vorne liegt. Dieser Kompetenzvorsprung wirkt sich auch auf die Widerstandsfähigkeit im digitalen Wandel aus: Ältere Menschen in Österreich gelten als insgesamt resilienter, mit einem Plus von etwa fünf Prozentpunkten gegenüber Deutschland.

Ein wesentlicher Treiber dafür dürfte die höhere Lernaktivität sein. Senior:innen in Österreich bilden sich nämlich laut Umfrage deutlich öfter zu digitalen Themen weiter – sowohl informell als auch über strukturierte Angebote wie etwa die seit über zehn Jahren bestehende A1 Seniorenakademie. Während in Deutschland laut der Erhebung vom Juli 2024 rund 30 Prozent der über 65-Jährigen im vergangenen Jahr keinerlei neues digitales Wissen erworben haben, lag dieser Anteil in Österreich bei der Befragung im Mai 2025 nur bei 18 Prozent. Begünstigt wird diese Entwicklung durch eine langfristige Strategie, denn mit Initiativen wie der Digitalen Kompetenzoffensive und gezielten Bildungsprogrammen für ältere Menschen schafft Österreich seit Jahren ein Umfeld, das die souveräne Nutzung digitaler Angebote unter Senior:innen unterstützt.

Junge Menschen schwächeln bei digitalen Fähigkeiten

Während sich bei den älteren Generationen also ein klarer Kompetenzvorsprung Österreichs zeigt, kehrt sich das Bild bei den Jüngeren teilweise um. So schneiden 14- bis 29-Jährige in Österreich in mehreren Bereichen schwächer ab als Gleichaltrige in Deutschland – vor allem bei alltagsnahen digitalen Fähigkeiten und bei der Nutzung von Online-Behördendiensten. Auch bei den digitalen Basiskompetenzen liegt Österreich in dieser Altersgruppe um acht Prozentpunkte zurück, hinzu kommen eine deutlich kritischere Haltung gegenüber der Digitalisierung und eine geringere Resilienz im digitalen Wandel mit einem Minus von elf Punkten. Während in Deutschland also meist "je jünger, desto digitaler" gilt, ist die Entwicklung in Österreich wesentlich vielschichtiger. Hier übertreffen ältere Menschen die Jüngeren in Bereichen wie digitaler Sicherheit und Wohlbefinden teils klar, während die junge Generation vor allem bei komplexen, technisch anspruchsvollen und berufsbezogenen Kompetenzen ihre Stärken ausspielt.

Zielgruppengerechte Digitalstrategien statt "One Size fits all"

Aus dem Ländervergleich lässt sich vor allem eines ableiten: Erfolgreiche digitale Bildung braucht maßgeschneiderte Ansätze statt allgemeiner Lösungen á la "One Size fits all". Die Erfahrungen aus Österreich zeigen, dass zielgruppengerechte Programme messbare Wirkung entfalten – vorausgesetzt, sie orientieren sich an den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Generationen. Während ältere Menschen vor allem Unterstützung bei alltagsnahen Anwendungen benötigen, braucht es für Jüngere Angebote, die über bloße Nutzung hinausgehen und digitale Mündigkeit fördern. Dabei darf der Aufbau digitaler Kompetenzen nicht mit der Schulzeit enden, sondern muss eine kontinuierliche Aufgabe bleiben, um allen Altersgruppen eine selbstbestimmte und aktive Teilhabe an der digitalen Gesellschaft zu ermöglichen.

"Deutschland verschenkt digitales Potenzial in allen Altersgruppen. Österreichs systematische Förderung älterer Menschen räumt mit dem Mythos auf, dass Senior:innen per se digital weniger kompetent wären – sie zeigt: Mit den richtigen Programmen können Ältere digital souveräner werden als unsere Jugend", meint Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21. "Gleichzeitig brauchen auch junge Deutsche mehr als nur Smartphone-Skills. Die Bundesregierung sollte ihre Kompetenzoffensive generationenübergreifend ausrollen – sonst bleibt Deutschland digital gespalten."

Dem pflichtet Natascha Kantauer-Gansch, Vorständin bei A1 und Initiatorin der D21-Digital-Index-Erhebung für Österreich, bei und betont: "Der Ländervergleich zeigt, wie wichtig generationenübergreifende digitale Bildung ist." Hier trage man als größter Telekommunikationsanbieter Österreichs eine Mitverantwortung und treibe entsprechende Initiativen für Jung und Alt voran – dazu zählen unter anderem der A1 digital.campus, der Kindern und Jugendlichen frühzeitig digitale Kompetenzen vermittele, sowie die A1 Seniorenakademie, die älteren Menschen den sicheren Umgang mit digitalen Technologien erleichtern soll. "Nur wenn alle Generationen mitgenommen werden, können alle vom digitalen Fortschritt profitieren", so die A1-Vorständin abschließend.

Mehr Informationen zur Studie finden Sie hier.

www.a1.net

www.initiatived21.de

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