Trotz geopolitischer Spannungen und anhaltender Unsicherheiten an den Kapitalmärkten fällt der Ausblick der Erste Group für das Anlagejahr 2026 differenziert aus. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (8. Jänner) präsentierten Fritz Mostböck, Chefökonom der Erste Group, Rainer Hauser, Chief Investment Officer der Erste Group, sowie Gerold Permoser, Veranlagungschef der Erste Asset Management, ihre Einschätzungen zu Konjunktur, Kapitalmärkten und geopolitischen Risiken. Übereinstimmend betonten die Expert:innen, dass die derzeitige Stimmung an den Märkten deutlich schlechter sei als die wirtschaftliche Lage.
Starker Euro und geopolitische Konflikte
Auf LEADERSNET-Nachfrage sei die hohe Staatsverschuldung der USA laut Einschätzung der Erste-Analyst:innen nicht der alleinige zentrale Belastungsfaktor für den US-Dollar. Vielmehr würden erwartete Zinssenkungen sowie fiskalische Rahmenbedingungen – etwa hohe Verteidigungs- und Infrastrukturinvestitionen – auf die US-Währung drücken, so Fritz Mostböck. In der Folge könnte sich der Euro weiter aufwerten, was die europäische Exportwirtschaft weiter belasten dürfte.
Gleichzeitig wurde auf die oft überschätzten Effekte geopolitischer Konflikte verwiesen. Zwar werde es auch künftig zu politischen Verwerfungen kommen, doch Anleger:innen sollten Ruhe bewahren. Die tatsächlichen Auswirkungen auf die Finanzmärkte seien in der Vergangenheit geringer ausgefallen als vielfach befürchtet. Weder die Situation in Venezuela, wo Machthaber Maduro von den USA "gekidnappt" und vor ein Gericht in New York gebracht wurde, noch Diskussionen rund um Grönland hätten bislang nachhaltige negative Effekte gezeigt. Entscheidend sei ein langfristiger Blick und eine breite Diversifikation. Das würde auch dann helfen, falls die Auswirkungen in den kommenden Monaten doch intensiver ausfallen sollten.
CEE-Wirtschaftsboom positiv für Österreich
Als klarer Vorteil für Österreich wurde erneut die starke Position in der CEE-Region hervorgehoben. Die Volkswirtschaften Zentral- und Osteuropas wie beispielsweise Polen wiesen weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsraten auf, wovon österreichische Unternehmen und Investor:innen profitierten. Der private Konsum bleibe in vielen Ländern der Region ein stabilisierender Faktor, auch wenn sich das Verbrauchervertrauen zuletzt leicht eingetrübt habe.
In der Eurozone könnte zusätzlicher fiskalischer Spielraum neue Impulse setzen. Programme wie "Bereitschaft 2030" oder das deutsche Infrastrukturpaket dürften ab 2026 positive Wachstumseffekte entfalten. Insbesondere Deutschland könne nach Jahren der Stagnation wieder an Dynamik gewinnen.
Inflation, Gold und Aktien
Auch für die Inflation erwarten die Expert:innen eine weitere Entspannung. In den meisten CEE-Ländern dürfte sie 2026 innerhalb der Zielbandbreiten der jeweiligen Zentralbanken liegen. Eine Ausnahme bilde Rumänien, wo steuerpolitische Maßnahmen kurzfristig für höhere Teuerungsraten sorgen könnten.
Vor diesem Hintergrund seien die Aussichten für Anleger:innen im Jahr 2026 "nicht schlecht", betonte Gerold Permoser. Insbesondere bei US-Unternehmen seien weitere Gewinnzuwächse zu erwarten, wobei der Auftrieb von wenigen Sektoren getragen werde. Dazu zählten vor allem Kommunikationsdienstleistungen und die IT-Branche, primär KI-nahe Geschäftsmodelle. Als stabiler Faktor in einem volatilen Umfeld wurde Gold genannt. Zinssenkungen in den USA, geopolitische Unsicherheiten sowie anhaltende Käufe durch Zentralbanken stützten den Preis, der laut Prognose im ersten Quartal 2026 weiter steigen könnte.
"Risk on, aber nicht all in", laute die Einschätzung für das laufende Jahr. Anleger:innen könnten demnach durchaus auch in risikoreichere Anlageklassen wie Aktien investieren. Nach drei sehr starken Jahren an den Aktienmärkten sei jedoch mit einer moderateren Performance zu rechnen. Gleichzeitig verwies der Investmentexperte der Erste Group, auf eine breite Diversifizierung zu achten und kurzfristig ausgerichtete Anlagemodelle zu vermeiden.
LEADERSNET war bei der Pressekonferenz. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.
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