LEADERSNET: Herr Heindl, wir sind heute in Ihrer Produktion. Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre Lebensgeschichte und die Anfänge Ihres Unternehmens.
Andreas Heindl: Meine Eltern haben 1953 in einem kleinen Souterrainlokal begonnen, Pralinen zu machen. Alles entstand aus dem Nichts, direkt nach dem Krieg, als große Nachfrage herrschte. Mein Vater hat die Ware anfangs mit der Straßenbahn ausgeliefert. Schritt für Schritt ist das Unternehmen gewachsen, mehrfach übersiedelt und schließlich im 23. Bezirk angekommen. Später haben mein Bruder Walter und ich die Firma übernommen und weiter ausgebaut. Ein wichtiger Meilenstein war auch der Bau des Schoko-Museums im Jahr 2001. Heute begrüßen wir dort rund 60.000 Besucher jährlich. 2006 konnten wir die traditionsreiche Marke Pischinger übernehmen und nach Inzersdorf übersiedeln. Damit einher ging die Expansion in die Wiener Innenstadt – inzwischen betreiben wir fünf Standorte, darunter am Graben und am Kohlmarkt.
LEADERSNET: Welche Produkte sind bei Ihren Kundinnen und Kunden besonders beliebt?
Heindl: Insgesamt haben wir rund 270 Produkte. In der Innenstadt laufen Klassiker wie Mozartkugeln, Sissi-Taler oder unsere feinen Törtchen besonders gut. In unseren Heindl-Filialen sind die Schoko-Maroni der Renner – 60 Tonnen Maroni verarbeiten wir jährlich. Daneben sind Orangenspalten in Edelbitterschokolade und unsere Schokoladentafeln sehr gefragt.
LEADERSNET: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?
Heindl: Wir produzieren ausschließlich hier im 23. Bezirk, mit 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Produktion sowie rund 100 Verkäuferinnen für die Filialen.
LEADERSNET: Die letzten Jahre waren von Krisen geprägt. Wie hat sich das auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?
Heindl: Die Pandemie hat uns hart getroffen, weil der Tourismus weggebrochen ist. Unsere Innenstadtgeschäfte mussten schließen, auch der Flughafenverkauf brach ein. Zum Glück hat uns der Lebensmittelhandel stark unterstützt. Mit staatlichen Hilfen konnten wir die Krise überstehen. Kaum war das vorbei, folgte 2022 die Energiekrise. Unsere Stromkosten stiegen von 18.000 auf 105.000 Euro pro Monat. Dazu kamen explodierende Kakaopreise. Wir mussten Preise anpassen, ohne Abstriche bei Qualität oder Packungsgrößen zu machen. Ehrlichkeit gegenüber den Kunden war uns immer wichtig. Das hat uns durch diese schwierigen Zeiten getragen.
LEADERSNET: Was macht den Erfolg von Heindl aus?
Heindl: Zum einen unsere Unabhängigkeit. Über 50 Prozent des Umsatzes machen wir in eigenen Filialen. Zum anderen die Balance aus Tradition und Innovation. Seit 2014 produzieren wir ausschließlich mit Fairtrade-Schokolade. Wir setzen auf nachhaltige Qualität, auf Spezialitäten wie Likörpralinen, und wir entwickeln regelmäßig neue Ideen. Sehr erfolgreich sind wir auch mit unseren Pischinger-Produkten bei QVC in Deutschland. Dort kommen Klassiker wie die Haselnussecken besonders gut an.
LEADERSNET: Ihre Produktpalette umfasst auch ungewöhnliche Kreationen. Was sind Highlights?
Heindl: Wir haben österreichische Mehlspeisen in Pralinenform umgesetzt: Knödel, Salzburger Nockerl, Germknödel oder Milchreis-Pralinen. Diese Spezialitäten stoßen auf enorme Resonanz.
LEADERSNET: Wie hoch ist Ihre Exportquote?
Heindl: Rechnet man Deutschland mit, liegen wir bei etwa zwölf Prozent, sonst bei sieben bis acht Prozent.
LEADERSNET: Welche Wünsche hätten Sie an die Politik?
Heindl: Vor allem eine Senkung der Lohnnebenkosten. Preisregulierungen im Lebensmittelhandel halte ich hingegen für nicht zielführend. Außerdem sollte man die Menschen stärker motivieren, Vollzeit zu arbeiten – das würde die Fachkräfteproblematik entschärfen.
LEADERSNET: Und wie gehen Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um?
Heindl: Sehr familiär. Naschen ist bei uns erlaubt, wir organisieren Ausflüge und Feiern, und zu Weihnachten gibt es Geschenke. Unser Betriebsklima ist ausgezeichnet. Das ist uns sehr wichtig.
LEADERSNET: Zum Abschluss eine philosophische Frage: Dürfen wir positiv in die Zukunft blicken?
Heindl: Absolut. Ich bin Optimist und überzeugt, dass die Zukunft positiv ist. Wir haben ein schönes Land und ein stabiles Unternehmen. Meine älteste Tochter arbeitet bei uns, aber die Nachfolge wird ein langjähriger, sehr kompetenter Prokurist übernehmen. Damit ist das Weiterbestehen unseres Familienunternehmens gesichert.
www.heindl.co.at
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