Die Digitalisierung der österreichischen Unternehmenslandschaft verzeichnet eine kontinuierliche Dynamik. Aktuellen Daten zufolge erreichen mittlerweile fünf Prozent der heimischen Betriebe den Status als "digitale Champions" und damit die höchste Reifestufe. Gleichzeitig schrumpft die Gruppe der Nachzügler, während das digitale Mittelfeld sukzessive aufholt. Dies geht aus der fünfjährigen Bilanz der Studie "Die digitale Dividende" hervor, die gemeinsam von Accenture, der Industriellenvereinigung (IV) und Economica erhoben wurde.
Signifikante Wachstumsvorteile für Vorreiter
Laut den Studienautor:innen verdeutlicht die Analyse, dass sich technologische Fortschritte unmittelbar in den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen widerspiegeln. Michael Zettel, Country Managing Director bei Accenture Österreich, sagt dazu: "Die digitale Dividende wirkt nachhaltig auf Umsatz, Beschäftigung und Produktivität. Das durchschnittliche Umsatzwachstum ist bei den digitalen Champions um 6,2 Prozentpunkte, das Beschäftigungswachstum 1,2 Prozentpunkte und das Produktivitätswachstum um 6,1 Prozentpunkte höher als bei Digitalisierungsnachzüglern."
Zudem betont Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV) und Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung Economica, dass digitale Champions innovative Technologien mit einer höheren Geschwindigkeit implementieren würden. Sie bauten ihren Vorsprung stetig weiter aus, wobei der Nutzungsunterschied insbesondere im Bereich der generativen KI (GenAI) bei rund zwölf Prozent liege.
Potenziale bei KMU und internen Prozessen
Obwohl der Anteil der digitalen Nachzügler seit 2021 von 73 Prozent auf 65 Prozent gesunken ist, bestehen weiterhin ungenutzte Reserven. Laut Helmenstein nutzen Großunternehmen digitale Technologien zwar intensiver als kleine und mittlere Unternehmen (KMU), doch er betont: "Jeder kann digitaler Champion werden – egal ob groß, klein, Industrie, Handwerk oder Dienstleistung. Die Chancen gilt es zu ergreifen. Hier stecken die größten ungenutzten Potenziale."
Wie die Ergebnisse der Analyse zeigen, liegt der Fokus der Digitalisierung aktuell primär auf internen Abläufen. So setzen 66 Prozent der befragten Unternehmen auf Prozessautomatisierung in Planung und Produktion, während 63 Prozent diese in der Administration nutzen. Vergleichsweise geringer fällt die Digitalisierungsquote in der Kunden- und Marktkommunikation aus, die bei 49,5 Prozent liegt.
Österreich im europäischen KI-Vergleich
Im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) positioniert sich Österreich mit einer Nutzungsquote von 30 Prozent im oberen EU-Mittelfeld und liegt damit deutlich über dem Unions-Schnitt von 20 Prozent. Nur die Vorreiter Dänemark und Finnland weisen höhere Werte auf. Die technologische Basis sei laut Christian Helmenstein gelegt. So habe die Nutzung von Daten für KI-Anwendungen seit 2021 um 66 Prozent zugenommen. Er erläutert zudem, dass der Einsatz von KI bei den Champions um 26 Prozent und bei Cloud-Lösungen um 24 Prozent höher ausfalle als bei den Nachzüglern.
Isabel Eichinger, Senior Researcher bei Accenture Österreich, verweist ebenfalls auf die positive Entwicklung: "Österreich ist auf technologischer Ebene im EU-Vergleich auf einer ausgezeichneten Position – das Spitzenfeld ist in Sichtweite und auch die Entwicklung verläuft positiv. Allein im Vorjahr sind wir bei der KI-Nutzung in Unternehmen um zehn Prozentpunkte aufgerückt."
Rascher Return on Investment durch KI
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Effizienz der eingesetzten Technologien. Philipp Krabb, Leiter Research bei Accenture Österreich, hält fest, dass Advanced AI mittlerweile Einzug in sämtliche Unternehmensbereiche halte. 57 Prozent der Betriebe hätten KI bereits implementiert oder planten dies zeitnah.
Besonders bemerkenswert sei der schnelle wirtschaftliche Erfolg dieser Maßnahmen. "39 Prozent geben heute schon einen positiven Return on Investment an. Das ist für eine vergleichsweise junge Technologie bemerkenswert", unterstreicht Krabb. Neben einer höheren Arbeitsqualität und sinkenden Fehlerquoten sorge der KI-Einsatz für eine massive Zeitersparnis: Im Durchschnitt werden pro Arbeitstag 1,25 Stunden eingespart. Ein konsequenter AI-Einsatz ermögliche somit rechnerisch ein zusätzliches Drittel der eigenen Arbeitskraft.
Video-Interviews
Was Michael Zettel, Christian Helmenstein, Philipp Krabb und Isabel Eichinger im Rahmen der Präsentation der Studie "Die digitale Dividende" noch gesagt haben, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.
Fotos von der Veranstaltung sehen Sie in unserer Galerie.
Die gesamte Studie finden Sie hier.
www.accenture.com
www.iv.at
www.economica.eu
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