Interview mit Markus Schröcksnadel
"KI wird die Menschen im Tourismus nicht ersetzen – aber sie kann Zeit für echte Gastfreundschaft schaffen"

| Larissa Bilovits 
| 17.03.2026

Im LEADERSNET-Interview spricht Markus Schröcksnadel, Vorstandsvorsitzender von feratel, unter anderem darüber, welche Chancen Künstliche Intelligenz für Destinationen, Betriebe und Gäste eröffnet und warum sich die digitale Kommunikation im Tourismus derzeit grundlegend wandelt. Außerdem erklärt er, weshalb die Qualität touristischer Daten zur entscheidenden Grundlage moderner KI-Lösungen wird und wie sich Informationen dadurch schneller, gezielter und verlässlicher bereitstellen lassen.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Schröcksnadel, Künstliche Intelligenz wird derzeit in vielen Branchen intensiv diskutiert. Welche Rolle spielt sie bereits heute im Tourismus?

Markus Schröcksnadel: Künstliche Intelligenz spielt im Tourismus schon heute eine Rolle, auch wenn sie für den Gast oft noch im Hintergrund arbeitet. Viele Systeme nutzen KI bereits für Datenanalysen, Prognosen oder die Aufbereitung von Inhalten. Was sich jetzt aber deutlich verändert, ist die Kommunikation mit dem Gast. Menschen erwarten heute schnelle Antworten auf ihre Fragen, und zwar rund um die Uhr. Genau hier kann KI helfen. Sie kann Informationen sofort bereitstellen und damit Betriebe und Destinationen deutlich entlasten. Ich bin überzeugt davon, dass KI im Tourismus in den nächsten Jahren zu einer ganz normalen Infrastruktur wird, ähnlich wie Buchungssysteme oder Destinationsplattformen.

LEADERSNET: Viele Unternehmen experimentieren derzeit mit KI-Chatbots oder automatisierten Textsystemen. Wo sehen Sie im Tourismus die größten Chancen – und wo noch Grenzen solcher Anwendungen?

Schröcksnadel: Die größte Chance liegt ganz klar im Gästeservice. In Tourismusregionen kommen jeden Tag unzählige ähnliche wiederkehrende Fragen: Was kann ich heute machen? Wann öffnet die Bergbahn? Welche Veranstaltungen gibt es? Usw. usf. Solche Informationen kann KI sehr gut bereitstellen. Die Grenze sehe ich dort, wo die Daten nicht stimmen. Generative KI kann sehr gut formulieren, aber sie weiß nicht automatisch, was in einer Region tatsächlich passiert. Deshalb ist es entscheidend, dass sie mit den richtigen Daten arbeitet.

LEADERSNET: Sie sprechen davon, dass Gäste Informationen zunehmend direkt erfragen, statt sie selbst zu suchen. Wie verändert das die digitalen Angebote von Destinationen?

Schröcksnadel: Früher mussten Gäste, wie gesagt, Informationen aktiv suchen, auf Websites, in Apps oder über Suchmaschinen. Heute stellen sie einfach eine Frage und erwarten sofort eine Antwort. Diese Entwicklung verändert die digitalen Angebote von Destinationen deutlich. Informationen werden nicht mehr nur dargestellt, sondern aktiv bereitgestellt. Das führt zu einer viel direkteren Interaktion zwischen Gast und Destination.

LEADERSNET: Sie sagen, dass KI im Tourismus nur so gut sein kann wie die Daten dahinter. Warum ist die Datenqualität hier so entscheidend?

Schröcksnadel: Tourismus lebt von sehr konkreten Informationen. Gäste wollen wissen, was heute stattfindet, welche Angebote es gibt oder ob eine Anlage geöffnet ist. Wenn diese Daten nicht aktuell oder nicht sauber strukturiert sind, kann auch die beste KI keine verlässlichen Antworten geben. Deshalb ist eine gute Datenbasis im Tourismus eigentlich die Voraussetzung für jede sinnvolle KI-Anwendung.

LEADERSNET: Unter "feratel AI plus", der gemeinsamen Innovationsmarke von feratel, Onlim, pixelpoint/datacycle und intermaps, haben Sie vor kurzem der Presse Ihre KI-Lösungen vorgestellt, die ausschließlich mit kuratierten Destinationsdaten arbeiten. Worin unterscheidet sich dieser Ansatz von klassischen generativen KI-Systemen?

Schröcksnadel: Viele generative KI-Systeme greifen auf allgemeines Wissen aus dem Internet zurück. Wir verbinden generative KI mit den kuratierten Daten einer Destination. Das heißt, die KI formuliert Antworten, greift dabei aber auf geprüfte Informationen aus der Region zu wie zum Beispiel zu Veranstaltungen, Gastronomie, Infrastruktur, Angeboten, oder Live-Wetterdaten etc. Dadurch werden die Antworten deutlich verlässlicher.

LEADERSNET: Ein zentraler Bestandteil Ihrer Lösung ist ein Datenhub, der touristische Inhalte bündelt – etwa Veranstaltungen, Gastronomie oder Schneehöhen. Welche Vorteile bringt eine solche strukturierte Datenbasis für KI-Anwendungen im Tourismus?

Schröcksnadel: Wenn alle relevanten Informationen einer Destination an einem Ort gebündelt sind, entsteht im Grunde eine digitale Wissensbasis der Region. Für die KI ist das ideal, weil sie gezielt auf diese Inhalte zugreifen kann. Sie kann daraus Antworten generieren, Empfehlungen geben oder Informationen zusammenführen. Und je besser die Daten strukturiert sind, desto besser funktioniert auch die KI.

LEADERSNET: Ihre KI-Agenten sind nicht als externer Chatbot gedacht, sondern direkt in Websites oder Apps der Destination integriert. Warum ist dieser Ansatz wichtig?

Schröcksnadel: Destinationen haben ihre eigenen digitalen Plattformen aufgebaut, wie zum Beispiel Websites, Apps oder Informationssysteme. Dort informieren sich Gäste. Deshalb war uns wichtig, dass KI direkt in diese Systeme integriert wird und nicht außerhalb davon stattfindet. Die Destination bleibt damit die zentrale Informationsquelle für ihre Gäste. Gleichzeitig kann die KI die vorhandenen Inhalte intelligenter nutzbar machen.

LEADERSNET: Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wenn KI künftig stärker Teil der touristischen Infrastruktur wird, was bedeutet das dann konkret für Destinationen und Betriebe – und wie könnte sich dadurch die Interaktion mit Gästen verändern?

Schröcksnadel: Ich glaube, dass sich die Kommunikation im Tourismus stark verändern wird. Gäste werden Informationen immer häufiger direkt erfragen, über Sprache oder Chat. Für Destinationen bedeutet das vor allem eines: Ihre Daten werden noch wichtiger. Wer seine Inhalte sauber pflegt und strukturiert bereitstellt, kann diese mit KI sehr gut für den Gästeservice nutzen. KI wird den persönlichen Kontakt im Tourismus nicht ersetzen. Aber sie kann Routinefragen übernehmen und damit mehr Zeit für das schaffen, was im Tourismus wirklich zählt: echte Gastfreundschaft. 

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.feratel.at

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