Lässt Sachverhalt strafrechtlich prüfen
Roland Weißmann bringt mit Strafanzeige neue Brisanz in ORF-Causa

| Tobias Seifried 
| 17.03.2026

Der Ex-ORF-Generaldirektor lässt seinen Anwalt eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien einbringen. Eine rechtliche Prüfung habe den Verdacht strafbaren Verhaltens mehrerer involvierter Personen ergeben.

Die Causa rund um den überraschenden Rücktritt von Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann nimmt eine neue, juristisch brisante Wendung: Wie am Dienstag bekannt wurde, hat sein Rechtsvertreter eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht.

Verdacht auf strafrechtlich relevantes Verhalten

Konkret wurde der renommierte Strafrechtsexperte Norbert Wess von Weißmann beauftragt, die Ereignisse rund um dessen Rücktritt umfassend rechtlich zu prüfen. Diese Analyse habe nun ergeben, dass der Verdacht strafrechtlich relevanten Verhaltens mehrerer involvierter Personen bestehe. Um wen es sich dabei handelt, wurde nicht mitgeteilt. Aber auch für sie gilt die Unschuldsvermutung.

In weiterer Folge habe Weißmann die Einbringung einer Strafanzeige veranlasst. Die Bewertung des Sachverhalts solle nun ausschließlich durch die zuständige Ermittlungsbehörde erfolgen. Unabhängig davon würden auch zivilrechtliche Schritte geprüft.

Neue Dynamik nach heftig diskutiertem Rücktritt

Damit erreicht die Affäre eine neue Eskalationsstufe. Bekanntlich hatte Weißmann Anfang März nach Vorwürfen aus dem Jahr 2022 überraschend seinen Rücktritt erklärt. Bereits damals hatte sein Umfeld betont, dass dieser Schritt auch gesetzt worden sei, um weiteren Schaden vom ORF abzuwenden.

Gleichzeitig wies Weißmann die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wiederholt zurück und kritisierte eine aus seiner Sicht vorschnelle öffentliche und interne Bewertung der Situation (LEADERSNET berichtete).

Diskussion um Verfahren und Transparenz

Die aktuellen Entwicklungen greifen auch zentrale Kritikpunkte auf, die bereits in den vergangenen Tagen intensiv diskutiert wurden. So stand insbesondere die Frage im Raum, inwieweit interne Abläufe, Entscheidungsprozesse und die Prüfung von Vorwürfen im ORF ausreichend transparent und sorgfältig erfolgt sind.

Der ORF-Stiftungsrat hatte in diesem Zusammenhang bereits eine umfassende Aufklärung gefordert und mögliche externe Untersuchungen angeregt. (LEADERSNET berichtete)

ORF unter Druck – Interimslösung im Fokus

Nach dem Rücktritt übernahm Ingrid Thurnher interimistisch die Leitung des ORF und kündigte an, für Stabilität sowie vollständige Transparenz sorgen zu wollen (LEADERSNET berichtete). Angesichts der jüngsten Entwicklungen gewinnt dieser Anspruch weiter an Gewicht.

Die Reaktionen auf Weißmanns Rücktritt hatten zuvor ein breites Spektrum umfasst – von politischer Kritik über Forderungen nach strukturellen Reformen bis hin zu grundsätzlichen Debatten über Compliance und Unternehmenskultur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. (LEADERSNET berichtete)

Causa verlagert sich auf rechtliche Ebene

Mit der nun eingebrachten Sachverhaltsdarstellung verlagert sich die Causa zunehmend auf eine strafrechtliche Ebene. Während die Ermittlungsbehörden nun prüfen werden, ob sich der Verdacht bestätigt, bleibt die medienpolitische Dimension weiterhin bestehen.

Die Entwicklungen rund um Roland Weißmann und den ORF sind um ein weiteres, brisantes Kapitel reicher – und ein rasches Ende der Causa ist derzeit nicht in Sicht.

www.orf.at

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