Im Rahmen der neuen gemeinsamen Veranstaltungsreihe "People. Law. Trust. The Afterwork Connection for Leaders" haben Great Place To Work und LeitnerLaw Rechtsanwälte am Dienstag, dem 17. März, in Kooperation mit LEADERSNET erstmals zu einem Expert-Talk mit anschließendem Networking geladen. Mehr als 100 Gäste, darunter zahlreiche HR- und Legal-Leaders sowie C-Level-Manager:innen, folgten der Einladung zum Auftakt, der unter dem Motto "Lohntransparenz: Rechtspflicht oder Unternehmenskultur?" stand und damit ein Thema in den Mittelpunkt rückte, das derzeit viele Unternehmen beschäftigt.
Unternehmen müssen schon jetzt an ihrer Vergütungskultur arbeiten
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion beschäftigten sich namhafte Expert:innen mit der Frage, welche Auswirkungen das Gehaltstransparenzgesetz auf HR-Strategien und Führungskultur haben wird, und erläuterten, worauf es bei einer rechtssicheren Umsetzung in der Praxis ankommt. Moderatorin Karin Bauer (langjährige Ressortleiterin Karriere, Der Standard) sprach dazu mit Martina Ernst (Fair-Equal-Pay-Expertin), Manuel Mayr (Rechtsanwalt, LeitnerLaw), Katharina Straub (HR-Expertin), Reinhard Pachner (RAG Austria AG) und Christian Trübenbach (Great Place To Work).
Zum Start klärte Manuel Mayr, Arbeitsrechtsexperte bei LeitnerLaw, über die rechtlichen Rahmenbedingungen auf. Zwar tritt die Richtlinie "erst" am 7. Juni in Kraft, Unternehmen müssten sich jedoch schon jetzt intensiv mit ihrer Vergütungsstruktur auseinandersetzen. Entscheidend sei, die eigene Vergütungskultur genau zu kennen und sowohl Gehaltszahlen als auch Durchschnittswerte transparent darlegen zu können. Als gesetzlichen Ausgangspunkt nannte Mayr den Grundsatz des gleichen Lohns für gleichwertige Arbeit – eine Vorgabe, die gesellschaftlich noch längst nicht überall eingelöst sei. Dabei, so Mayr, gehe es nicht in erster Linie um Sanktionen, sondern um eine große Chance für mehr Transparenz und Fairness. Gleichzeitig bringe die Umsetzung auch Verantwortung und organisatorischen Aufwand für Unternehmen mit sich. Klare und nachvollziehbare Prozesse seien dafür unverzichtbar – und letztlich für alle Beteiligten gewinnbringend.
Handlungsbedarf in heimischen Unternehmen groß
Christian Trübenbach, Kulturexperte bei Great Place To Work, unterstrich anschließend, wie groß der Handlungsbedarf in österreichischen Unternehmen derzeit ist. Getrieben von der hohen Inflation der vergangenen Jahre, aber auch von strukturellen Ungleichheiten wie dem Gender Pay Gap, sei aktuell nur rund jede:r zweite Beschäftigte mit dem eigenen Gehalt zufrieden. Besonders deutlich zeige sich dabei ein Unterschied zwischen den Geschlechtern: Frauen seien um zehn Prozentpunkte unzufriedener mit ihrem Lohn als Männer.
Dass es auch anders gehen könne, zeige laut Trübenbach ein Blick auf die von Great Place To Work ausgezeichneten "Best Workplaces for Women 2026" (LEADERSNET berichtete). Dort liege die Zufriedenheit mit dem Gehalt bei beiden Geschlechtern gleichermaßen bei 90 Prozent und damit auf sehr hohem Niveau. Voraussetzung dafür sei vor allem eine faire und vertrauensvolle Unternehmenskultur, die von den Führungskräften aktiv geprägt werde. Das zahle sich auch wirtschaftlich aus: Mit steigender Resilienz wachse auch die Performance eines Unternehmens. Entsprechend plädierte Trübenbach dafür, gesetzliche Lohntransparenz nicht als Bürokratiemonster, sondern als Chance zu begreifen.
Dass sich ein konsequenter Fokus auf faire Bezahlung und transparente Kommunikation in der Praxis auswirken kann, zeigte auch das Beispiel der RAG Austria AG. Das Unternehmen wurde als eines der "Best Workplaces" ausgezeichnet und verankert das Prinzip Fair Equal Pay bereits seit längerer Zeit in seiner Strategie. Reinhard Pachner, Leiter Personal und Betriebsleiter Wien der RAG Austria AG, betonte, dass vor allem transparente Kommunikation und ein klarer Fairnessgedanke die Grundlage für eine vertrauensvolle Unternehmenskultur geschaffen hätten.
Kulturarbeit hört nie auf
Wie sich ein solcher Wandel in Unternehmen konkret gestalten lässt, schilderte auch HR-Expertin Katharina Straub. In ihrer Funktion als Global HR Business Partner und Team Lead Schweiz in der Research Division von Novartis begleitete sie ein internationales Equal-Pay-Projekt. Zentral seien dabei eine umfassende Begleitung von Führungskräften und Mitarbeitenden sowie der regelmäßige Abgleich mit Benchmarks gewesen. Zugleich machte Straub deutlich, dass faire Entlohnung kein einmal abgeschlossenes Vorhaben ist, sondern ein laufender Prozess bleibt, weil sich sowohl Rahmenbedingungen als auch externe Einflüsse stetig verändern.
Martina Ernst, Expertin für Fair Equal Pay, ordnete die Entgelttransparenz darüber hinaus als weitreichenden kulturellen Einschnitt ein. Erstmals entstünden damit ein Recht auf Auskunft, objektive Kriterien für Gehaltsfestlegung und Beförderung sowie ein klarer Anspruch auf gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit. Werden Gehälter nachvollziehbarer und fällt die bisherige Verschwiegenheit weg, eröffne das auch neue Möglichkeiten für einen offeneren und sachlicheren Austausch innerhalb von Organisationen.
Aus ihrer Sicht geht der Nutzen dabei über die rechtliche Ebene hinaus. Transparenz könne Vertrauen, Fairness und Engagement stärken, während Unternehmen von stabileren Teams, höherer Bindung und messbaren Produktivitätseffekten profitierten. Gleichzeitig lasse sich die Arbeitgeberattraktivität steigern, Gehaltsstrukturen besser planen und schwer begründbare Gehaltsunterschiede vermeiden. Letztlich, so Ernst, würden beide Seiten gewinnen: Mitarbeitende durch mehr Nachvollziehbarkeit und Fairness, Unternehmen durch mehr Stabilität, Verlässlichkeit und Leistungsfähigkeit. Voraussetzung dafür seien klare und nachvollziehbare Kriterien – genau hier setze Entgelttransparenz an.
Mehr als eine juristische Verpflichtung
"Lohntransparenz ist weit mehr als eine gesetzliche Pflicht, sie ist eine Chance zu strategischer Unternehmensführung und Stärkung der Unternehmenskultur. Echte Transparenz und Rechtssicherheit stärkt auch die Attraktivität als Arbeitergeber:in. Das zeigen auch die Erfahrungswerte der Expert:innen aus der Praxis deutlich", betont Barbara Gruszkiewicz, LeitnerLaw Rechtsanwälte.
"Der heutige Abend hat gezeigt, dass Lohntransparenz weit mehr ist als eine juristische Verpflichtung. Wenn Unternehmen offen über Bezahlung sprechen, entsteht Vertrauen – und Vertrauen ist die Grundlage für starke Unternehmenskultur und nachhaltige wirtschaftliche Performance. Umso wertvoller sind Formate wie dieses, bei denen Führungskräfte, Expert:innen und HR-Verantwortliche offen darüber diskutieren können", resümiert Jörg Spreitzer, Managing Partner Great Place To Work den Austausch und das gelungene Event.
Afterwork-Networking mit inspirierendem Austausch
Im Anschluss an die Expertendiskussion hatten die rund 100 interessierten Gäste, darunter zahlreiche HR- und Legal-Leaders und C-Level-Manager:innen, die Möglichkeit, beim entspannten Afterwork-Networking in den persönlichen Austausch zu kommen. Drinks, Snacks und Beats gaben den passenden Rahmen dafür.
Angesichts des großen Zuspruchs ist eine Fortsetzung der Eventreihe "People. Law. Trust." bereits in Planung. Die nächste Ausgabe ist für den 23. Juni 2026 angesetzt.
LEADERSNET war vor Ort und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.
www.greatplacetowork.at
www.leitnerlaw.eu
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