Wegen Iran-Krieg
Finanzexperten passen Investmentstrategie für 2026 an

| Tobias Seifried 
| 18.03.2026

Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten veranlasst die Erste Group zur Anpassung ihres heurigen Investmentausblicks. Im Fokus stehen Energiepreise, Inflation und zwei mögliche Marktszenarien.

Angesichts der geopolitischen Eskalation im Nahen Osten hat die Erste Group ihren Investmentausblick für 2026 überarbeitet. Das aktualisierte "Erste Insights 2026"-Update analysiert insbesondere die Auswirkungen auf Energiepreise, Inflation und Kapitalmärkte und skizziert zwei mögliche Entwicklungsszenarien.

Rainer Hauser, Chief Investment Officer der Erste Group, verweist auf die unmittelbaren Folgen geopolitischer Konflikte: "Konflikte dieser Art beeinflussen Energiepreise, Inflationserwartungen und das Risikosentiment der Anleger." Für Investor:innen stelle sich daher die Frage, ob es sich um fundamentale Veränderungen oder vorübergehende Marktverwerfungen handle.

Zentrale Annahmen bleiben erhalten

Trotz der aktuellen Unsicherheiten hält das Chief Investment Office (CIO) an zentralen makroökonomischen Annahmen fest. Die Eurozone dürfte weiterhin moderat wachsen, gestützt durch eine robuste Binnennachfrage, während die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank weitgehend stabil bleiben sollte. Auch global bleiben die Grundtendenzen intakt: Die US-Wirtschaft entwickle sich weiterhin solide, wenn auch bei anhaltender Inflation, während sich das Wachstum in China verlangsamt und Indien von starker Inlandsnachfrage profitiert.

Unverändert bleiben zudem langfristige, strukturelle Investmentthemen. Dazu zählen insbesondere Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Investitionen in die Energiewende sowie der Ausbau kritischer Infrastruktur. Ergänzend wirken demografische Entwicklungen und die Re-Regionalisierung von Lieferketten als langfristige Treiber für einzelne Branchen.

Energiepreise im Fokus

Im Fokus des Updates steht jedoch die Entwicklung der Energiepreise. Entscheidend sei, ob der jüngste Preisanstieg nur kurzfristig wirke oder länger anhalte. Davon hänge ab, ob die Märkte rasch zum Basisszenario zurückkehren oder sich ein stagflationäres Umfeld entwickle.

Im ersten Szenario gehen die Investmentprofis davon aus, dass sich die Energiemärkte stabilisieren. In diesem Fall dürfte der Inflationsdruck nachlassen, Aktienmärkte könnten sich erholen und auch Anleihen würden von sinkenden Inflationssorgen profitieren.

Bleiben die Energiepreise hingegen erhöht, droht laut Analyse ein deutlich negativeres Umfeld. Kaufkraftverluste, sinkende Unternehmensgewinne und anhaltend hohe Inflation könnten die Folge sein. Rainer Hauser betont in diesem Zusammenhang, dass dies "das klassische Stagflationsrisiko" darstelle. Aktienmärkte – insbesondere in Europa – würden in diesem Szenario unter Druck geraten, während alternative Anlagen wie Gold oder Energierohstoffe an Attraktivität gewinnen könnten.

Langfristige Anlagestrategien

Unabhängig vom Szenario unterstreicht die Erste Group die Bedeutung langfristiger Anlagestrategien. Disziplin, Diversifikation und ein langfristiger Anlagehorizont seien entscheidend, um Vermögen zu schützen und Chancen zu nutzen. Geopolitische Ereignisse dominierten zwar kurzfristig die Märkte, ihre wirtschaftlichen Effekte seien jedoch oft zeitlich begrenzt, so die Einschätzung des CIO.

www.erstegroup.com


Die Erste Group weist darauf hin, dass Veranlagungen in Wertpapiere grundsätzlich sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Die im Ausblick dargestellten Einschätzungen basieren auf aktuellen Annahmen und Prognosen, deren Eintreten nicht garantiert werden kann. Marktentwicklungen können von den Erwartungen abweichen, weshalb Investor:innen ihre individuelle Risikotragfähigkeit sowie Anlageziele sorgfältig berücksichtigen sollten.

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